Gedankenkarussell

Eigentlich sollte ich es besser wissen, schließlich treffe ich bei meiner Arbeit immer wieder Menschen, die einen „Burnout“ erlebt haben, die über ihre Grenzen gegangen sind bis sie schließlich an schweren Depressionen erkrankt sind.

Trotzdem tue ich es selbst: ich übernehme Aufgaben und Verantwortung in Momenten, wo meine Kraft und meine Zeit ohnehin schon sehr beansprucht sind. So auch in den letzten Monaten. Da „brannte“ es auf der Arbeit: kranke Kollegen, neue, noch nicht eingearbeitete Mitarbeiter, Termindruck, Verhandlungen mit Kostenträgern usw. usw.
Zeitgleich häuften sich private Einladungen und Verpflichtungen, kaum noch ein Wochenende, ohne Termine und in den wenigen freien Stunden riefen Haus, Garten und Hund nach Aufmerksamkeit. Dann mussten noch ein paar unerwartete und sehr teure Reparaturen am Haus vorgenommen werden und am Ende stand das Gedankenkarrussell.

Kennt Ihr das? Im Kopf rattern immer wieder die gleichen Gedanken: „ich muss dran denken ….“, wenn ich heute  das mache, kann ich morgen jenes tun….“, „hoffentlich kommt der rechtzeitig, damit ich das machen kann…“.

Der Kopf ist nicht mehr frei. Das Gefühl, ständig etwas Wichtiges zu vergessen wächst. Ich erstelle To-do-Listen und Ablaufpläne, die ich danach nie wieder ansehe, rufe mir immer wieder die gleichen Abläufe ins Gedächtnis. Ständig fällt mir etwas Neues ein, an das ich denken muss. Ich habe Angst, den Überblick zu verlieren, ich bin im Stress.

Das Denken verändert sich. Ich sehe nicht mehr das Positive, das, was gut funktioniert, sondern nehme nur noch die Probleme wahr. Der kleine Stau, den ich sonst locker hinnehme, wird zur Katastrophe. Ich bin in Eile, nichts geht mir schnell genug. Ich möchte alles kontrollieren, kann nicht mehr darauf vertrauen, dass sich schon alles regeln wird.

Ich beginne, an mir zu zweifeln. Bin ich etwa überfordert? Früher habe ich solche Situationen doch locker hingenommen, warum ist es diesmal so anstrengend? Ich entdecke Fehler, Tippfehler, Kleinigkeiten und frage mich, was ich in den letzten Wochen wohl alles falsch gemacht habe. Ich traue mir selbst nicht mehr über den Weg.

STOP

Es ist Zeit, inne zu halten. Eine Pause zu machen. Mich wieder auf mich selbst, meine Fähigkeiten und Stärken zu besinnen. Innere Ruhe zu finden, Balance.

Ich habe fähige Kollegen und Mitarbeiter. Ich kann vieles abgeben. Klar, ich werde die Lorbeeren dann nicht alleine ernten, aber ist das wirklich so schlimm? Und muss ich wirklich jeden Kuchen selber backen und jede Einladung annehmen?

Nein in beiden Fällen. Ich will lieber wieder zu mir selbst finden. Ich bin alt genug, um zu wissen, was ich brauche: Zeiten, in denen ich mit mir alleine bin, Zeiten, in denen es ruhig ist und ich wieder zur Besinnung komme. Dann werden die Gedanken wieder klar und positiv, dann nehme ich meine Gefühle wieder wahr und finde meine Mitte.

Schon jetzt fällt die Anspannung ein wenig von mir ab. In einer Woche habe ich Urlaub. Dann bin ich weg. Raus aus allem. 3 ganze, lange Wochen. Handy, Internet und Fernsehen werden weitestgehend verbannt, statt dessen Berge und Meer. Zeit für mich und meinen Partner, Zeit,  nichts zu tun, keine Verpflichtungen und Termine. Nichts, was besichtigt werden muss oder was man unbedingt getan haben müsste. Nur Stille.

Noch kreist das Gedankenkarussell, grade vorhin noch habe ich eine Liste geschrieben, was vorm Urlaub noch alles erledigt werden muss. Der Hund muss zum Tierarzt, der Rasen muss gemäht, die Kühltruhe abgeschaltet, die Rechnung des Handwerkers bezahlt, und ich muss dran denken, das Ladegerät für den Kindle einzupacken und ……

Ich wünsche Euch allen eine schöne Ferien- und Sommerzeit!!!

100_2516 

Fressattacke

Gestern war es soweit, ich hatte eine Fressattacke.

Es begann am Arbeitsplatz. Ich hatte mich geärgert, war müde und mein Schnupfen plagte mich obendrein. Ich kaufte mir eine Tüte Lakritz, um die Trockenheit im Hals zu verbessern, und aß die Tüte innerhalb von 10 Minuten auf. Danach war mir schlecht.

Als ich nach Hause kam warteten Theo und meine Mutter schon auf mich. Theo musste zum Arzt und wurde von seinem Betreuer abgeholt. Auf diese zwei Stunden, die er beim Arzt sein würde,  hatte ich mich sehr gefreut,denn seit ich bei ihm wohne, habe ich keine Zeit mehr ganz für mich allein gehabt. Nun hatte aber meine Mutter ein großes Bedürfnis über ihren Tag mit Theo zu reden. Die Uhr tickte, meine Mutter sprach sich aus und in mir wuchs immer mehr innere Unruhe. Ich wollte meine Mutter nicht verletzen, indem ich sie fortschickte. Schließlich sorgt sie sich um ihren Bruder und muss seine Alzheimer Erkrankung erst mal akzeptieren. Sie blieb noch fast eine Stunde. Danach war der Hund dran, der im Moment auch ständig zu kurz kommt. Und dann musste ich noch einkaufen. Dabei ist es passiert. Ein Becher Eis „Toblerone“ landete im Einkaufskorb. 185 ml, keine 500, damit rechtfertigte ich diesen Kauf. Als nächstes kamen Orangen, eine Dose Artischockenherzen, Brot, Bananen und Yoghurt.

Das alles wurde dann zu meinem Abendessen. Erst das Eis, dann die Artischocken, was Gesundes muss sein, danach habe ich dann alle Käsereste aus dem Kühlschrank verschlungen – ohne Brot – Gorgonzola, Tilsiter, Bergkäse, Camembert. Danach eine Orange und auch noch eine zweite. Schließlich folgten dann 2 Becher Yoghurt und danach fühlte ich mich elend. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mir immer wieder zu sagen, dass so ein Ausrutscher passieren kann, dass es der Stress war, dass morgen ein neuer Tag kommt, an dem ich diese Kalorienbomben ausgleichen kann usw. usw.

Heute? Nun heute hatte mein Lieblingskollege Geburtstag. Er brachte Chili Con Carne und frischen Butterkuchen mit. Ich konnte nicht widerstehen. Heute Abend gab es dafür nur Knäckebrot und ein paar Äpfel, die ich mir mit Theo teilte. Er guckt jetzt ein bisschen Fernsehen, so dass ich schnell ein paar Zeilen schreiben kann. Er vermisst seine Frau und ich werde mich gleich zu ihm setzen.