Hallo Trina!

„Hallo Trina. Ich habe ja schon ewig nichts mehr von Dir gehört.“

„Ja, ich weiß. Ich hatte einfach zu viel zu tun und bin gar nicht dazu gekommen, mich bei irgendjemanden zu melden.“

„Alles in Ordnung bei Dir?“

„Ja, eigentlich schon. Die letzten Wochen waren einfach nur ziemlich anstrengend.“

„Wieso? Was war los? Erzähl“

„Ach, mein Vater ist gestorben und er hat lange gebraucht, bis er loslassen konnte. Wir waren jeden Tag und oft auch nachts bei ihm, und dann erschien uns sein Tod einfach nur als Erlösung. Ich konnte gar nicht richtig trauern, das kam erst nach und nach. Bei der Beerdigung konnte ich das erste Mal weinen, aber es bewegt sich noch viel in mir.“

„Das kann ich verstehen. Er war schon sehr lange krank, nicht wahr?“

„Ja, und die letzten Monate war er auch nicht mehr ansprechbar. Trotzdem, es hat wehgetan, ihn so zu sehen. Das hat kein Mensch verdient“

„Wie geht es Deiner Mutter damit“

„Im Moment geht es ihr gut. Sie hat ihn ja jahrelang gepflegt und ihr ganzes Leben nach ihm ausgerichtet. Ich glaube, sie fühlt sich jetzt vor allem frei, aber ich habe Angst, dass es sie in ein paar Wochen oder Monaten einholen wird. Immerhin war er 56 Jahre ihr Lebensmittelpunkt.“

„56 Jahre! Wie alt ist sie jetzt?“

„Sie ist 78, aber sie ist sehr fit. Ich hoffe, dass sie nun ein paar schöne Jahre vor sich hat, in denen sie endlich reisen kann und ihr Leben genauso führen kann, wie sie es möchte.“

„Das hat sie sich verdient. So wie ich sie kennen gelernt habe, war sie vor allem für andere da.“

„Das stimmt. Aber jetzt erzähl, wie geht es Dir?“

„Mir? Gut, ich wollte Dich eigentlich fragen, ob Du Lust hast, nächste Woche mit mir zu diesem neuen Laden zu gehen, ……“

Besuch bei Muttern

Ich liebe meine Mutter. Aber manchmal verstehe ich sie nicht.

Schlank sein war für sie immer von besonderer Bedeutung. Noch heute, mit 76 Jahren verkündet sie stolz, dass sie 3 kg abgenommen hat, seit sie die neuen Tabletten nimmt. Dabei trägt sie, solange ich sie kenne, Größe 38.

Über Frauen, die dick sind, redet sie eher abfällig: „… so würde ich mich ja nie gehen lassen“ oder „…. man kann doch ein bisschen auf sich achten….“

Es fällt ihr sofort auf, wenn jemand zugenommen hat. „Nicole hat aber ganz schön zugelegt, mal sehen wie lange Timo das wohl mit ansieht….“.

Schlank sein ist für sie ein Synonym für Erfolg, Attraktivität und Selbstdisziplin

Nun hat sie natürlich ein Problem mit mir. Ihre Tochter ist dick geworden. Zum Vorzeigen nicht mehr geeignet.

Zu Ostern hat sie mir Almased geschenkt.

Kurz vorm Urlaub hat sie mir Fischölkapseln verabreicht. „Ingrid hat schon 7 kg abgenommen, seit sie die nimmt, weil sie dadurch überhaupt keinen Hunger mehr hat“.

Ich spreche nur ungern über mein Gewicht mit ihr. Sie behandelt mich dann, als sei ich schwer krank. „Sprich doch mal mit deinem Arzt, das er dir mal was verschreibt, dass das Wasser aus den Körper treibt.“ „Das ist ja nicht normal bei dir, lass dich doch noch mal gründlich untersuchen…“ Dazu dann ein besorgter und mitleidiger Blick…

Und heute, als ich wieder mal 130 km gefahren bin, um sie zu besuchen, da stellt sie einen noch warmen, frisch gebackenen, herrlich duftenden Pflaumenkuchen mit Bergen von Schlagsahne vor mir hin. „Den isst du doch so gerne…“

Wie bin ich froh, dass ich schon über 50 bin und die Spielchen, Macken und Widersprüchlichkeiten meiner Mutter kenne und mit ihnen im Reinen bin.

Vor 15 Jahren wäre mir sonst heute nämlich der Kragen geplatzt.