Liebe Martina

Liebe Martina,
gestern war ich beim Hautarzt. Wegen dieses schwarzen Fleckens. Der Arzt war furchtbar. Ich war in der offenen Sprechstunde und wartete gefühlte Ewigkeiten. Dann kam ich in einen kleinen fensterlosen Raum und dieser Mensch kam rein. Murmelte seinen Namen und guckte mich nicht an.  Fragte, was ich hatte, forderte mich auf, den Fleck zu zeigen, nahm ein Instrument, blickte drauf und sagte „der muss raus“. Dann gab er mir ein Formular zum Ausfüllen und erklärte, dass zunächst nur oberflächlich geschnitten wird und wenn der Laborbefund positiv ist, würde es einen tiefen Schnitt geben. Dann war er auch schon weg. Er hat mir nicht einmal in die Augen geblickt und bevor ich was fragen konnte, war er schon zur Tür raus.
Dann habe ich einen Termin in mehr als 9 Wochen bekommen. Mit Verdacht auf Hautkrebs. Vorher hätten sie nichts, sagte die Arzthelferin. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie es mir ging, gestern. Ich bin wie betäubt zur Arbeit gefahren, habe meinen Job gemacht, sogar ein Gruppengespräch übernommen, weil es bei unseren Klienten Unmut über einen neuen Mitarbeiter gibt, habe Wogen geglättet, während mein Bauch sich unentwegt zusammenkrampfte. Ich war, glaube ich, dreimal zur Toilette, weil ich im wahrsten Sinne des Wortes, die Hosen voll hatte. Konnte bis in den Abend keinen Bissen runterbringen. War noch beim Tierarzt und hab Wochenendeinkauf gemacht und die ganze Zeit rasten die Gedanken.
Ich will einen anderen Arzt, einen, der mir erklärt, was ist, ich habe auch schon gegoogelt, wer in unserer Gegend gut sein sollt. Dann wieder denke ich, dass so ein kleiner Fleck ja noch nicht gefährlich sein kann, aber Dr. Google sagt da was anderes, und ich werde jetzt nicht mehr googlen, sonst werde ich verrückt. Dann beruhige ich mich wieder und sage mir, dass vor einem Jahr ja alles ok war und dass meine neue Hausärztin ja auch die Haut angeguckt hat und nichts bemerkt hat und dass dieser Fleck auch ein anderer sein könnte, als der vom letzten Jahr.
Ich hab außer Dir niemanden davon erzählt, ich mag es nicht in Worte fassen, dann wird es so real. Und außerdem, vielleicht ist dann doch nichts, und alle haben sich umsonst Sorgen gemacht, aber mein Gefühl sagt mir, dass da was ist und so dreht es sich ständig im Kreis.
Drück mir die Daumen, liebe Martina. Jetzt am Wochenende kann ich eh nichts tun, aber Montag werde ich gleich den anderen Arzt anrufen und so lange nerven, bis ich einen Termin habe. Ich warte doch nicht bis Ende Januar, wenn da womöglich eine Zeitbombe auf meinem Rücken tickt!!!!
So, genug von diesem Thema. Wie geht es Dir? Läuft es im neuen Job? Wie ist es, in einer Suchtklinik zu arbeiten? Bei uns im Job ist alles wie immer. Eine der Neuen hat schon wieder gekündigt, sie könne sich mit der Arbeit nicht identifizieren und schwupps, war sie krankgeschrieben und ich führe mal wieder Vorstellungsgespräche. Dabei hab ich so viel in die Einarbeitung investiert. Scheiße, echt!
Wie geht es Lena? Was macht Dein Liebesleben? Bist Du nicht froh, dass wir in der heutigen Zeit leben? Wir müssen uns in unserem Alter nicht aufs Altenteil zurückziehen, sondern reisen durch die Welt und haben sogar Lover! Hast Du von Rolando gehört? Bleibt es bei Deinem Plan, im März nach Chile zu fliegen?
Ich freue mich auf Deinen nächsten Brief!
Bis bald! Liebe Grüße
Deine Trina

Wir treffen uns auf einen Kaffee…

Wir treffen uns auf einen Kaffee

… und ich frage Dich, wie es Dir geht. Hast Du einen guten Start ins neue Jahr gehabt? Ich sage Dir, wie schade ich es finde, dass wir uns so selten sehen.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

… und ich jammere ein bisschen, weil ich über die Feiertage zugenommen habe und weil ich beim Haare färben die falsche Farbe erwischt habe und ich nun gar nicht mehr gern in den Spiegel blicke.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

… und ich schimpfe über das Wetter und darüber, dass mein Hund Durchfall hatte und ich ihn dreimal heute Nacht in den Garten lassen musste. Und ja, Du hast Recht, ich habe großes Glück, einen Garten zu haben, es wäre viel schlimmer, wenn ich mich hätte anziehen und nach draußen auf die Straße hätte gehen müssen.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

… und ich erzähle Dir, wie anstrengend ich die erste Woche auf der Arbeit fand. Einer meiner besten Mitarbeiter hat gekündigt und es hat mich nicht überrascht, weil ich um seine Unzufriedenheit wusste. Es tut mir leid, dass er geht. Persönlich, weil ich ihn mag, und als Vorgesetzte, weil er eine große Lücke hinterlassen wird.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

… und ich erzähle Dir, wie traurig es mich macht, meinen Vater bei seinem langsamen Von-uns-gehen zu beobachten. Er ist da, und doch nicht mehr bei uns und ich kann nur hoffen, dass er sich warm und geborgen fühlt und nicht leidet. Ich bitte Dich um Verständnis dafür, dass im Moment die Familie Vorrang hat und ich viel weniger Zeit als sonst habe, um mich mit Dir zu treffen.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

…und ich möchte wissen, was Dich grade beschäftigt? Welche Themen bewegen Dich? Ich erzähle Dir, dass ich mich über die sogenannte Flüchtlingskrise ärgere, über die Berichterstattung in den Medien und dass ich am liebsten jeden Tag irgendetwas kommentieren möchte. Ich erzähle Dir auch, dass mich schon lange nichts mehr bewegt hat wie dieses Thema und dass ich mich sorge, dass wir darüber die vielen anderen Dinge, die in der Welt geschehen vergessen. Ich sage Dir, dass ich auch heute noch fest davon überzeugt bin, dass wir das schaffen, mit all den Menschen, die nun zu uns kommen.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

…und ich höre zu, was Du sagst. Du erzählst mir, dass Du Dein Leben als Geschenk und jede Krise und jedes Problem als Aufgabe siehst, die Dir aufgetragen wird. Du sagst mir, dass Du dankbar für jede Deiner Aufgaben bist, weil sie Dir helfen, Dich weiter zu entwickeln und Du von ihnen lernst. Du glaubst fest daran, dass Du nur Aufgaben bekommst, die Du auch bewältigen kannst, auch wenn es manchmal so aussieht, als würdest Du daran zerbrechen. Aber Du schaffst das. Deine Worte trösten mich und ich höre Dir gern zu.

Wir treffen uns auf einen Kaffee

…und umarmen uns zum Abschied und ich sage Dir, wie dankbar ich für die Freundschaft mit Dir bin. weil jedes Gespräch mit Dir mich ein Stück weiterbringt und ich gestärkt daraus hervorgehe und weil ich Dich einfach unheimlich gern hab.

Kaffeezeit

Übung 11 aus Writing101: No matter what type of blog you have, it’s sometimes necessary to post updates: from project news to personal messages about what’s going on in your life. One creative approach to an update post is a „virtual coffee date, which is like catching up with an old friend over a cup of coffee.