Ein Schritt zurück

Ich komme gut mit dem erhöhten Arbeitspensum klar, tue, was zu tun ist, und vernachlässige mich selbst.

Gestern und heute kein Spaziergang in der Pause, weil es einfach keine Pausen gab. Aber, ich habe es ohne Süßigkeiten geschafft. Abends dann der große Hunger, es mussten Nudeln sein, mit viel Käse sein und Thunfisch und Schinken und Tomatensoße und  saurer Sahne und Champignons und Erbsen. Das Ganze wurde dann zu einem Auflauf verarbeitet. Ebenfalls gut, ich habe nicht gleich 500 g Nudeln für 2 Personen verarbeitet, sondern „nur“ 350 – 400 g.

Ich vermelde ebenfalls mit Stolz, dass mein Mann und ich (vor allem ich) nicht alles aufgefuttert haben. Nur die Käsekruste, die hab ich natürlich ganz aufgezehrt.

Zum Trost habe ich ein bisschen im Internet gesurft und auf mindestens drei Seiten bestätigt bekommen, dass Stress nicht nur Lust auf Süßes macht, sondern auch das Bedürfnis nach Fettigem, Kalorienreichen. Der Körper stellt bei der Verarbeitung von Fetten nämlich einen Stoff her, der  die Produktion von Serotonin fördert, sodass auch Fettes, Deftiges, Reichhaltiges die Seele tröstet.

Aber das wussten wir ja alle schon, oder? Nur schön, immer mal wieder Schwarz auf Weiß zu lesen, dass dieser Heißhunger bei Stress durchaus auch einen Sinn für den Körper hat, nämlich einen tatsächlichen Mangel auszugleichen, und nicht nur  Ausdruck von Willensschwäche, Gier und Fresssucht ist. Wobei diese Wirkung bestimmte Nahrungsmittel letzere bestimmt mit auslöst.

Stress hat für mich übrigens wenig mit viel Arbeit zu tun. Solange die Arbeit läuft, ist das ok, auch mal keine Pause zu machen. Aber es gibt ein paar andere Dinge sowohl auf der Arbeit als auch zu Hause, die zeitgleich nerven. Eine fette Nachzahlung von meinem Strom- und Gasanbieter, eine Kollegin, die auf ganz unangenehme Art die anderen aus dem Team bei mir anschwärzt, ein neuer Mitarbeiter, der alle zwei Minuten in der Tür steht und so gar nichts hinkriegt. Das Ganze getoppt von meinem Bedürfnis nach Kontrolle, meiner noch nicht voll ausgebildeteten Fähigkeit zu delegieren und meiner ausgeprägten Neigung zur Selbstüberforderung und einem Hang zum Perfektionismus.  Um das ganze zu toppen, ist meine Arthrose wieder aktiv und jeder Schritt schmerzt im Moment. Ebenfalls typisch für Stress. Er manifestiert sich immer an der schwächsten Stelle, bei manchen an der Psyche, bei anderen am Magen und bei mir halt in der Hüfte.

Jammer, jammer, jammer, aber jetzt ist genug gejammert. Morgen ist schon Freitag und dann werde ich mir ein schönes, stressfreies Wochenende machen. Es soll ja regnen und ich habe mir DVDs von meiner Lieblingsserie ‚Desperate Housewives‘ besorgt. Freu mich schon jetzt aufs Gucken 🙂

Katastrophenmontag

Der Tag begann mit einem langen Hundespaziergang um 05.30 Uhr. Die Autobahn war heute morgen weitestgehend staufrei, die Musik im Radio mitreißend und ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht, als ich auf der Arbeit ankam.

Keine zwei Minuten da, steht Karsten bei mir im Büro. Er hat sich am Wochenende beim Fußball den Arm gebrochen und gleichzeitig noch einen Grippevirus eingefangen. Ist nur gekommen, um eine Übergabe machen zu können.

Karsten ist der erfahrenste Psychologe in einem zwar kleinen, aber für unsere Einrichtung sehr wichtigem Projekt. Neben ihm gibt es noch Karin, Sozialpädagogin, und Marcel, der erst wenige Wochen bei uns ist und frisch von der Uni kommt. Er ist noch nicht eingearbeitet.

Karsten und ich hatten grade einen Notfallplan entwickelt, als Karin zu mir ins Büro kam. Blass, verschnupft und heiser.

Also, habe Marcel, in dessen Augen ein großes P (für Panik) leuchtete, in die Sitzung mit den Klienten geschickt und auch mit Karin eine Übergabe gemacht. Mich dabei innerlich von der Vorstellung verabschiedet, diese Woche endlich meine eigenen Gutachten fertig zu kriegen und pünktlich nach Hause zu fahren.

Statt dessen hat sich mein Arbeitspensum verdreifacht. Nebenbei habe ich noch zwei weitere neue Mitarbeiter in einem anderen Projekt, die ebenfalls noch nicht ganz sattelfest sind. Die werden aber vom Team gut aufgefangen, während in unserem Spezialprogramm jetzt nur noch Marcel und ich übrig sind.

Für meinen Abnehmplan stehen die Ampeln jetzt auf Gelb: ich muss aufpassen, den Stress nicht als Entschuldigung zu nehmen, Schokolade und Eis in mich hineinzustopfen. Ich muss aber auch aufpassen,  mir trotzdem die Zeit für meine kleinen Walkingpausen zu nehmen. Und das werde ich jetzt machen, sofort und auf der Stelle.

Mein Motto für die nächsten Tage: „Ruhe bewahren“

Es geht nicht nur um Kalorien

Mehr Bewegung und weniger Kalorienzufuhr sind zwar die Grundvoraussetzungen, um das Gewicht zu reduzieren, aber um das Essverhalten auf Dauer zu verändern und Rückfälle in alte Verhaltensmuster zu vermeiden gehört noch mehr dazu.

Abnehmen hat etwas mit Selbstfürsorge zu tun. Mit Selbstachtung und mit Selbstliebe.

Ein Grund für meine Gewichtszunahme ist mit Sicherheit der Stress, den ich mir in den vergangenen Jahren teilweise auch selbst geschaffen habe. Ich neige zum Überfunktionieren, übernehme gern die Verantwortung für alles. Bevor ein Mitarbeiter einen Fehler begeht, nehme ich das Ganze lieber selbst in die Hand. Dumm, denn so lernt er nichts, aber typisch für mich.

Bei neuen Projekten bin ich die erste, die ihre Mitarbeit anbietet. Ich bin mit Leib und Seele bei der Arbeit und vergesse mich dabei oft selbst.

Irgendwann, meist in den Nachmittagsstunden, überkommt mich der Heißhunger. Bei uns im Hause gibt es einen Kiosk, der alles bereit hält, was bei niedrigem Blutzucker Freude macht: Schokoriegel, Franzbrötchen, Eis und Cola.

Ich bin Stammkundin in diesem Kiosk. Die Süßigkeiten verschlinge ich meist schon auf dem Weg ins Büro, und dann setze ich meine Selbstausbeutung fort.

Dieses Verhalten ist mir seit einiger Zeit bewusst, aber bislang ist es mir nicht gelungen, das Muster auf Dauer zu unterbrechen. Ich vernachlässige meine Bedürfnisse und kompensiere sie mit Essen. Ich laufe acht oder neun Stunden auf Hochtouren, und, das muss ich an dieser Stelle deutlich sagen, niemand zwingt mich dazu.

Es ist mir zur Gewohnheit geworden, die vermeintlichen Bedürfnisse anderer (Arbeitgeber, Klient, Kollege, Kunde usw.) vor meine eigenen zu stellen. Während ich andere ermutige, sich abzugrenzen, sich Zeit zu nehmen, gut zu sich zu sein, missachte ich meine Bedürfnisse in hohem Maße.

Um wirklich abzunehmen, werde ich lernen müssen, auf mich zu achten. Sorgsam, behutsam und liebevoll mit mir umzugehen. Bezogen auf meine Arbeit bedeutet dies, delegieren zu lernen, gelassener zu werden, mein Kontrollbedürfnis aufzugeben. Es bedeutet, für mich selbst sorgen zu lernen. Pausen zu machen, wenn ich müde werde. Mir frische Luft und Bewegung zu gönnen, um Stress abzubauen. Obst, Nüsse oder Rosinen mitzunehmen und auch zu essen, bevor mich der Jieper auf Süßigkeiten anfällt.

Nun geht es darum, die Erkenntnis in die Tat umzusetzen!