Stau, Stau, Stau

Heute morgen war mal wieder Stau auf meiner geliebten Autobahn. 2 1/2 Stunden Fahrt zur Arbeit. Wie gut, dass ich „der Boss“ bin, sonst hätt‘ ich schon längst eine Abmahnung. Pünktlich bin ich morgens nie.

Seit ich auf dem Land lebe, ist die Autobahn, auf die ich angewiesen bin, eine Dauerbaustelle. Mein Auto gleicht einem Nagel- und Kosmetikstudiostudio, denn bei Totalstillstand feile ich meine Nägel, trage Nagellack auf, massiere das Nagelbett, zupfe mir kleine Härchen vom Kinn, untersuche meine neusten Fältchen und Falten, bringe die Augenbrauen in Form und mache Gesichtsgymnastik für straffe Gesichtskonturen.

Ich habe massenhaft Musik dabei und am Wochenende guck ich auf Flohmärkten nach günstigen Hörbüchern.

Trotzdem bin ich oft dem Wahnsinn nah, wenn ich Tag für Tag wieder im Stau stehe. Es ist solch eine vergeudete Zeit!

Morgen muss ich nun ganz früh und ganz pünktlich auf der Arbeit sein. Ich werde spätestens um 05.00 Uhr aus dem Bett rollen, und um 06.00 Uhr losfahren. Drückt mir die Daumen, dass ich pünktlich komme, es hängt viel ab von dem Gespräch.

Was meine Ernährung betrifft, bin ich mit mir zufrieden. Gestern, bei Dauerregen, sah ich immer wieder Bilder von Snickers, Schokoküssen und Lakritzschnecken vor meinem geistigen Auge, bin sogar mit dem Hund am Supermarkt vorbei, Geld in der Tasche und dann, kurz vor der Tür habe ich mich gegen Süßigkeiten entschieden und bin einfach an dem Laden vorbei gegangen. Zur Belohnung habe ich mir eine DVD angeguckt, eine alte Komödie und bin dann beschwingt ins Bett gegangen. Und heute war der Süßhunger, trotz   Regen und Stau schon fast weg. Treppensteigen und Mittags spazieren gehen hat auch geklappt.

Morgen bin ich von meinem Chef abends zum Essen eingeladen, in ein feines Lokal. Wahrscheinlich ist es so edel, dass die Portionen extrem klein sind, wenn auch lecker. Ich werde berichten!

Besuch bei Muttern

Ich liebe meine Mutter. Aber manchmal verstehe ich sie nicht.

Schlank sein war für sie immer von besonderer Bedeutung. Noch heute, mit 76 Jahren verkündet sie stolz, dass sie 3 kg abgenommen hat, seit sie die neuen Tabletten nimmt. Dabei trägt sie, solange ich sie kenne, Größe 38.

Über Frauen, die dick sind, redet sie eher abfällig: „… so würde ich mich ja nie gehen lassen“ oder „…. man kann doch ein bisschen auf sich achten….“

Es fällt ihr sofort auf, wenn jemand zugenommen hat. „Nicole hat aber ganz schön zugelegt, mal sehen wie lange Timo das wohl mit ansieht….“.

Schlank sein ist für sie ein Synonym für Erfolg, Attraktivität und Selbstdisziplin

Nun hat sie natürlich ein Problem mit mir. Ihre Tochter ist dick geworden. Zum Vorzeigen nicht mehr geeignet.

Zu Ostern hat sie mir Almased geschenkt.

Kurz vorm Urlaub hat sie mir Fischölkapseln verabreicht. „Ingrid hat schon 7 kg abgenommen, seit sie die nimmt, weil sie dadurch überhaupt keinen Hunger mehr hat“.

Ich spreche nur ungern über mein Gewicht mit ihr. Sie behandelt mich dann, als sei ich schwer krank. „Sprich doch mal mit deinem Arzt, das er dir mal was verschreibt, dass das Wasser aus den Körper treibt.“ „Das ist ja nicht normal bei dir, lass dich doch noch mal gründlich untersuchen…“ Dazu dann ein besorgter und mitleidiger Blick…

Und heute, als ich wieder mal 130 km gefahren bin, um sie zu besuchen, da stellt sie einen noch warmen, frisch gebackenen, herrlich duftenden Pflaumenkuchen mit Bergen von Schlagsahne vor mir hin. „Den isst du doch so gerne…“

Wie bin ich froh, dass ich schon über 50 bin und die Spielchen, Macken und Widersprüchlichkeiten meiner Mutter kenne und mit ihnen im Reinen bin.

Vor 15 Jahren wäre mir sonst heute nämlich der Kragen geplatzt.

Mein Hund

Was wäre ich ohne meinen Hund?

Morgens um 05.00 begrüsst sie mich stürmisch und marschiert schnurstracks zur Haustür, wo sie darauf wartet, dass ich in meine Klamotten steige. Meist bin ich noch im Halbschlaf, wenn wir unsere Runde durch den Ort beginnen, doch wenn wir gegen 6.00 Uhr zurückkommen, bin ich munter und bereit, den Tag anzupacken.

Sie bekommt ihr Frühstück, während ich meinen Kaffee trinke und dann überlasse ich sie für den Rest des Tages ihrem Herrchen.

Schon auf dem Weg nach Hause freue ich mich auf ihre Begrüßung, die laut und liebevoll ausfällt. Bevor ich das Abendesse mache, gehen wir noch einmal ausgiebig spazieren. Manchmal nur eine kleine Runde, aber ebenso häufig gehen wir auch noch mal eine Stunde durch die Feldmark.

Am Wochenende  machen wir mindestens einen richtig langen Spazierweg, so wie heute. Gut zwei Stunden sind wir heute einem  neuen Wanderweg gefolgt, haben die Sonne genossen und sind sogar richtig ins Schwitzen gekommen.

Herbstspaziergang – ohne meinen Hund nur halb so schön