Männergeburtstagsgeschenk

Morgen hat mein Lebensgefährte Geburtstag. Was schenkt man einem Mann, der 58 wird und keine Wünsche hat?

Na, ja, Wünsche hat er schon, aber solche, von denen ich nichts verstehe. Eine Kreissäge, z. B., aber nicht irgendeine, sondern eine, die ganz bestimmte Sachen kann und die ganz bestimmte Qualitäten besitzt.

Er freut sich auch über Teile für seinen Computer oder Zubehör für seine Kameras, aber, was er sich wünscht ist so speziell, das man es meist nicht  in den Regalen großer Elektronikmärkte findet. Es sind Dinge, die er sich am liebsten selbst kauft. Er liebt es, stundenlang im Internet nach dem besten Angebot zu suchen.

Egal, wie sorgfältig ich in der Vergangenheit recherchiert habe und wie ausführlich ich mich im Fachhandel beraten ließ, meine Geschenke waren nie das, was er sich selbst gekauft hätte.

Wie schaffe ich es, ihm dieses Jahr ein Geschenk zu machen, über das er sich wirklich freut?

Geld schenken? Gutscheine? Das scheint so lieblos. Und doch wird es ihm sicher am meisten Freude bereiten. Dann kann er sich kaufen, was er sich wirklich wünscht. Oder? Ich bin unsicher. Vielleicht reicht das Geld nicht aus, um seinen Wunsch zu erfüllen. Oder es erscheint zu protzig, zu gönnerhaft. Bei einem Gutschein ist er an ein bestimmtes Geschäft gebunden. Wenn es da nun nicht das gibt, was er wirklich möchte? Also doch Geld schenken? Liebevoll verpackt. Warum eigentlich nicht? Es bringt doppelte Freude: den Spaß, auszusuchen, und das Glücksgefühl nach dem Kauf. Sollen Geschenke nicht einfach Freude bereiten? Sind der Kuchen, den ich backe, die Gäste, die ich eingeladen habe, das Menü, das ich geplant habe, der langen Einkauf, um all die Zutaten einzukaufen, die Stunden in der Küche, das Dekorieren des Geburtstagstisches und das Aufräumen der Küche hinterher nicht auch Geschenke?

Was macht es mir also so schwer, mich für Geld zu entscheiden?

Es ist ein Glaubenssatz, den ich vor langer Zeit gelernt habe: Geschenke sollen mit Liebe gewählt werden, sollen zeigen, dass man sich in den Beschenkten einfühlt und sich wirklich Gedanken um ihn macht. Sie sollen zeigen, dass man sich Mühe gegeben hat, genau das Richtige zu finden oder besser noch, herzustellen. Außerdem sollen Geschenke originell sein, einen Überraschungseffekt haben und Freude bereiten.

Nun, Geld ist sicherlich nicht originell, aber alles andere trifft zu, oder?

Meine Entscheidung steht: ich werde meinem Liebsten Geld schenken und es liebevoll und originell verpacken!!

Kleine Portionen

     Vor einem Jahr ist auch mein jüngster Sohn ausgezogen. Seither hat sich in meinem Leben viel verändert.

Während ich in den ersten Monaten immer noch ein Pfund Spaghetti für 2 Personen in den Topf warf, habe ich nun gelernt, dass die Hälfte mehr als genug ist und das Reste auch am nächsten Morgen noch im Kühlschrank sind.

Ich wasche deutlich weniger Wäsche und schlafe am Wochenende wieder durch. Stehe nicht mehr dreimal auf, um zu schauen, ob die Schuhe Größe 47 im Flur stehen, lausche nicht mehr auf das Öffnen der Haustür mitten in der Nacht.

Ich habe meine Fahrdienste eingestellt, hole niemanden mehr spät abends oder früh morgens vom Bahnhof ab und fahre morgens keine Umwege mehr, um meinen Sohn pünktlich vor der Schule abzusetzen.

Mein Wortschatz in Englisch und Französisch reduziert sich, seit ich beim Kochen keine Vokabeln mehr abhöre. Diskussionen über Mithilfe im Haushalt habe ich schon lange nicht mehr geführt.

Im letzten Jahr habe ich gelernt, dass das Nicht-Klingeln des Telefons und das Ausbleiben von Emails bedeutet, dass alles gut läuft und es den beiden gut geht.

Ich liebe meine Söhne und bin stolz auf sie. Aber sie fehlen mir. An manchen Tagen sehne ich  mich nach dem Lärm und der dreckigen Wäsche, möchte ich so gern wissen, mit wem sie ihre Zeit verbringen und welche Musik sie hören.

Aber, und das gestehe ich mir selbst nur ungern ein, wenn sie dann mal länger  hier sind, alle beide, und ich große Portionen von ihren Lieblingsgerichten koche, und sie sich auf meinem Lieblingssofa vorm Fernseher lümmeln, dann sehne ich mich insgeheim nach der Ruhe und Selbstbestimmtheit, die mir im vergangenen Jahr zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Erfreue mich an meinen erwachsenen Söhnen, genieße jede Minute mit ihnen, bin traurig, wenn sie wieder weg fahren und genieße es dann,  wieder kleine Portionen zu kochen.  Bis zu ihrem nächsten, dann langersehnten Besuch.

Gewichtsprobleme

Vor 5 Jahren habe ich aufgehört zu rauchen. Innerhalb von 6 Monaten  15 kg zugenommen. Und danach weitere 10 kg, langsam und stetig.

5 Jahre Kampf gegen das Gewicht. Gute Vorsätze: keine Süßigkeiten, wenig Weißmehl und Fett. Ein paar Tage durchgehalten, dann wieder ein Einbruch: Kuchen bei der Geburtstagsfeier des Kollegen. Da kann man doch nicht ablehnen, das würde ihn kränken. Familienfeiern, alles dreht sich ums Essen, da lange ich auch zu. Urlaub, lange bei Rotwein noch draußen sitzen, da mag ich den Wein nicht durch Wasser ersetzen, Weihnachten, Ostern, Feste, zu denen gutes Essen gehört.

Und dann die Tage auf der Arbeit, an denen von allen Seiten Forderungen und Bitten, Anliegen und Wünsche kommen. Telefon, Email, persönliche Gespräche, Berichte drängen. Da tut eine Tafel Schokolade soooooo gut.

Wenn es schon mit der bewussten Ernährung nicht klappt, dann will ich mich wenigstens viel bewegen. Aber, ach, im Winter ist es so früh dunkel, da wird es nichts mit dem langen Spaziergang am Wochenende, weil ja erst der Haushalt ruft, die Einkäufe, die Wäsche, der Anruf der Mutter, der Partner was bereden will, der Besuch von den Söhnen zum Mittagessen, und es dämmert, bevor ich losgekommen bin.  Dann eben doch nur die Runde durch das Dorf mit dem Hund.

Ja, meist schaffe ich es einmal in der Woche ins Fitnessstudio. Am zweiten Abend wird es dann schon wieder zu spät. Der lange Arbeitstag, 12 Stunden außer Haus, dann noch die Einkäufe und der Hund muss raus, da lockt das Sofa und die Bequemlichkeit siegt wieder einmal.

Nein, eine Diät habe ich nicht gemacht. Die letzte Diät war nach der Geburt meines jüngeren Sohnes. Danach ging das Gewicht mal rauf, mal runter, aber alles im Rahmen. Größe 42 erschien damals als Katastrophe.

Heute – ja, da mogel ich mich in 46 rein, mit Bauch einziehen und figurformenden Höschen. Igitt!!! Das ich sowas mal anziehen würde, hätte ich mir nie erträumt. Noch mit 45 Jahren habe ich über die Frauen gelästert, deren Busen auf dem Bauch ruhte. Sowas würde mir nie passieren! Da würde ich mich doch vernünftig ernähren und Sport machen! Ha, ha,… Nun, jetzt hat sich auch bei mir Brust- und Bauchumfang einander angenähert und ich meide den Blick in den Spiegel. Kleidung wähle ich nach ihrer streckenden, schlank machenden Wirkung aus, vorbei die Zeit, als ich das kaufte, was mir gefiel.

Geht es mir gut damit? Nein, ganz ehrlich, ich hasse diesen Zustand.

Es tröstet mich, andere Frauen mit dickem Bauch zu sehen, dann weiß ich, ich bin nicht allein. Mein Körper wird älter. Er mag sich nicht mehr so leicht von seinen Fettdepots trennen, wie früher. Ich werde schneller müde. Die Gelenke jaulen manchmal, und es ist lange her, dass ich ein Nacht durchgefeiert habe.

In mir rumort Sehnsucht. Ich will noch mehr vom Leben. Nicht nur Haus, Garten, Job und einmal im Jahr eine Reise. Ich möchte attraktiv sein, schöne Kleider tragen, ich möchte tanzen gehen, ich möchte begehrt werden, ich möchte Sex ohne Wabbelspeck, ich möchte reisen, die Welt sehen, Aufregendes erleben, das Gefühl haben, das noch alles vor mir liegt.

Und dann schaut mich im Spiegel dieses dicke Weib an, mit müden Augen. Da liegt der Mann, mit dem ich lebe,  auf dem Sofa, und Erotik gibt es in unserem Haus  nur noch im Spätprogramm der Privatsender.

Nein, es ist nicht immer einfach, in der Mitte des Lebens zu sein. Der innere Schweinehund ist mächtig. Die Altersweisheit lässt noch auf sich warten. Aber zum Glück bin ich nicht mehr so dumm zu glauben, dass die Erfüllung meiner Sehnsüchte vom Gewicht abhängt.

So, und jetzt gehe ich in die Küche und mache eine Flasche Rotwein auf und koche uns ein schönes Abendessen!