Früher und Heute

Früher  musste ich sehr viel essen, um zuzunehmen.

Heute nehme ich rasend schnell zu. Manchmal nehme ich sogar zu, obwohl ich Kalorien gezählt und auf ausreichend Bewegung geachtet habe. .

Früher bereitete es mir keine Schwierigkeiten, abzunehmen. Wenn ich abnehmen wollte, machte ich entweder eine Diät oder ich aß weniger. Manchmal nur 3 Äpfel bis zum Abendessen und ich fühlte mich trotzdem leistungsfähig. Allerdings rauchte ich damals noch und kompensierte  viel Stress damit.

Heute ist das ganz anders.  Ich halte es nicht mehr aus, hungrig zu sein oder mich durch zu wenig Nahrung zu kasteien. Ich fühle mich dann den Anforderungen auf der Arbeit oder in der Familie nicht mehr gewachsen. Meine Konzentration lässt nach, ich werde nervös und rastlos.

Früher war mir mein Aussehen sehr wichtig. Ich habe viel Zeit und Energie in das richtige Make-up, in Shopping und Körperpflege investiert. Schlank sein stand dabei für Attraktivität. Ich fühlte mich anderen Frauen überlegen, wenn diese deutlich dicker waren als ich, und ich fühlte mich anderen Frauen unterlegen, wenn ich ein paar Kilos mehr auf die Waage brachte.

Heute haben die Verpflichtungen in Arbeit und Familie absoluten Vorrang. Im Alltag bleibt wenig Zeit, ans Aussehen zu denken. Allerdings vergleiche ich mein Aussehen immer noch mit dem anderer Frauen und dann tröstet es mich, zu sehen, dass es auch in meinem Alter viele schlanke Frauen gibt. Das gibt mir Hoffnung, denn es zeigt mir, dass älter werden nicht zwangsläufig dick werden bedeutet.

Früher hatte ich unendlich viel Energie. Manchmal wird mir ganz schwindlig, wenn ich daran denke, was ich als allein erziehende, voll berufstätige Mutter alles geschafft habe. Joggen, bevor ich die Kinder weckte, Frühstück für sie machen, zur Kita im Eilschritt, in letzter Minute auf der Arbeit erscheinen, im Eilschritt zur Kita, Judo, Schwimmen, Fußballtraining, einkaufen, Haushalt, Elternabende, die Kinder zu Freunden bringen und sie abholen, selbst die Wohnung voller Kinder haben, den Alltagskram organisieren und am Wochenende bis 04.00 Uhr morgens auf die Piste gehen, wenn sie mal beim Vater übernachten durften.

Heute komme ich von der Arbeit nach Hause,  sage meinem Lebensgefährten Hallo, mache die Runde mit dem Hund, bereite das Abendessen zu, und kämpfe darum, wenigstens bis 22.30 Uhr wach zu bleiben, bevor ich ins Bett falle. Alle weiteren Aktivitäten empfinde ich als höchst anstrengend. Auf das Wochenende freue ich mich vor allem, weil ich endlich ausschlafen kann.

Früher war ich fit und gelenkig. Beim Yoga kam ich mühelos in alle Positionen, konnte stundenlang wandern, schwimmen oder Rad fahren.

Heute bin ich nach einem zweistündigen Spaziergang erschöpft. Ich bin steif und unbeweglich. Das liegt zum Teil an meinem Gewicht, zum Teil an meiner Arthrose.

Früher war ich fest davon überzeugt, dass ich durch Abnehmen nicht nur meine Pfunde, sondern auch die meisten meiner Probleme loswerden könnte.

Heute weiß ich, dass ich meine Probleme lösen muss, wenn ich abnehmen will.

Ein Gedanke zu “Früher und Heute

  1. catchy 17. Oktober 2012 / 10:43

    schön geschrieben, wenn auch erschreckend, da ich mit meinen 25 Jahren eher deinem „Heute“-Angaben entspreche… change!

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