Teebeutelweisheiten

„Better to slip with your feet than with your tongue“

Im Büro trinke ich gern Yoga-Tee. Auf dem kleinen Papieranhänger jedes Teebeutelchen steht eine Lebensweisheit. 

„Besser mit den Füßen als mit der Zunge auszurutschen“

Hätte ich diesen Spruch bloß vor ein paar Minuten gelesen! Da telefonierte ich mit der Leiterin einer anderen Niederlassung. Seit einigen Monaten ist dort G.  beschäftigt. Diese ist eine sehr extrovertierte, lebendige und beliebte Person. Ich war eine Zeitlang ihre Vorgesetzte und sie scheute sich nie, mich auch vor den anderen Mitarbeitern „Süße“ oder „Mausi“ zu nennen und mir auch mal Dinge aus der Hand zu nehmen. Da ich nun mal ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin,  wir im Team einen recht freundschaftlichen Umgang pflegten,  uns hin und wieder sogar privat trafen, habe ich das hingenommen und mein leichtes Unbehagen runtergeschluckt.

Als mir nun diese Leiterin von Komplikationen in ihrem Team  berichten wollte, schloss ich v0reilig daraus, dass diese nur in Zusammenhang mit meiner ehemaligen Freundin/Mitarbeiterin stehen konnten. Ich fragte diese Frau, ob G. bereits die Leitung übernommen hätte.  Eigentlich eher als Scherz gemeint, stieß ich auf eisiges Schweigen und ein „Wieso? Frau G. ist eine hervorragende Mitarbeiterin und die Zusammenarbeit klappt vorzüglich“.

Hier bin ich mit der Zunge ausgerutscht. Das Telefonat verlief entsprechend frostig und unbefriedigend. Einen guten Eindruck habe ich sicherlich nicht hinterlassen. Und gleichzeitig etwas verraten, das mir bis dahin selbst nicht bewusst war.

Nach dem Telefonat wurde mir schlagartig klar, wie viel Groll ich noch gegen G. in mir trage. Ich habe es ihr übel genommen, dass sie meine Rolle als Vorgesetzte nicht respektiert hat. Statt ihr dies zu sagen, habe ich meinen Ärger heruntergeschluckt und ignoriert. Bis er dann eines Tages indirekt als Entgleisung meiner Zunge  wieder ans Licht kam.

Was ich daraus lerne? Man sollte Ärger unf Unbehagen besser gleich ansprechen, auch wenn es sich nur um scheinbare Kleinigkeiten handelt. Irgendwann rutscht sonst die Zunge aus. Bevor man weiß, was man da eigentlich sagt, ist es heraus und kann nicht mehr zurückgenommen werden.

Eine Prellung oder Schürfwunde nach einem Fall heilt meist schnell, die Wirkung von unüberlegt und spontan geäußerten Worten lässt sich jedoch nicht wieder zurücknehmen. Und die Zunge entgleist meist dann, wenn verdrängte Gefühle, Kränkungen und verletzte Eitelkeiten betroffen sind.  

Ich bin gespannt, was mein Teebeutel mir morgen sagen wird!

 

 

 

 

 

 

 

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