Servicewüste

Meine Eltern sind seit 12 Tagen ohne Telefon und Fernsehen. Nach etlichen vergeblichen Versuchen rief meine Mutter den Störungsdienst an, der ihr mitteilte, dass die gesamte Region von einem Störungsfall betroffen sei. Man arbeite daran und sie solle doch bitte etwas Geduld haben.

Als auch nach geduldigem Warten die Störung nicht behoben wurde, wandte sie sich an den Laden vor Ort. Dort wurde ihr mitgeteilt, dass am Freitag  ein Techniker kommen würde.

Er kam nicht. Als sie daraufhin wieder bei der Störungsstelle anrief, um nachzufragen, wurde ihr vorgeworfen, telefonisch nicht erreichbar gewesen zu sein.

Nun, der Anschluss funktioniert nicht, das müssten die doch eigentlich wissen, und auf dem Handy waren keine verpassten Anrufe verzeichnet. Als sie noch einmal anrief,  wurde sie aufgefordert, doch einfach abzuwarten, man würde sich kümmern.

Seither sind 4 Tage vergangen.

Nun entschloss ich mich, die Sache in die Hand zu nehmen. Ich meldete die Störung noch einmal über das Formular im Internet. Dann suchte ich vergeblich nach Telefonnummern, Adressen oder Fax-Nummern, doch, oh Wunder, diese sind auf der Homepage nicht zu finden. Lediglich die 0800-Nummern und die enden im Callcenter.

Also entschied ich mich noch einmal im Callcenter anzurufen. Hier empfing mich eine charmante männliche Stimme, die mich zunächst nach meinem Anliegen fragte und mich bat, für die Störungsstelle die 2 einzugeben. Die gleiche Stimme bat mich dann, die Vorwahl einzutippen. Das tat ich. Wurde noch mal aufgefordert, das zu tun, da die Nummer nicht vollständig gewesen sei. Gesagt, getan. Nun kam die nächste Ansage: in H. sind sämtliche Leitungen ausgefallen. Der technische Dienst kümmert sich. Bitte haben Sie Geduld. Es ist nicht notwendig, noch mal anzurufen.

Meine Eltern leben aber in L. und diese Vorwahl habe ich auch eingegeben. Also, noch mal Callcenter angewählt. Diesmal eine Frauenstimme, die blechern ansagt, dass alle Plätze belegt seien. Noch mal von vorne. Wieder die Blechstimme. Und wieder und wieder und wieder.

Mein Blutdruck steigt. Ich bin ärgerlich, wütend, fühle mich hilflos. Da gibt es ein Problem, und keiner will zuhören. Kein Mensch erreichbar, nur Kunststimmen.  Keine Nummer, unter der ich meinen Ärger zum Ausdruck bringen kann. Keine Faxnummer, an die ich ein wütendes Schreiben richten kann.

Wie mögen sich da wohl meine Eltern fühlen, alte Menschen,  die mit Callcentern und Handys überfordert sind.

Und was für eine Frechheit. Da zahlen sie Monat für Monat ihre Gebühren, und werden als Kunden einfach von einer Ansage abgewimmelt.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mein Vater pflegebedürftig ist, das Haus kaum noch verlassen kann. Da ist der Fernseher das Fenster zur Welt. Seit 12 Tagen ist das Fenster verriegelt und keinen kümmert’s.

Und ich, die es gewohnt bin,  jeden Tag ganz viele Sachen zu regeln, fühle mich machtlos und unsagbar wütend. Bin grade erst über 50 und sehne mich nach „der guten alten Zeit“, als man noch mit Menschen zu tun hatte und nicht mit Ansagen. Als man noch einen Ansprechpartner hatte, der sich mit seinem Arbeitgeber identifizierte und nicht mit einem schlecht bezahlten Callcenteragenten, dem es egal ist, ob das Problem des Kunden behoben wird.

Aber, ach, wie vielversprechend ist die Werbung dieses großen Anbieters, wie schön gelb bunt sein Internetauftritt. Wie konnte es da bloß passieren, dass man vergaß, eine Adresse anzugeben, an die man seine Anliegen schriftlich senden kann??? 

 

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