Ordnung muss sein

Zu Weihnachten wollte ich meiner Mutter eine Handtasche schenken. Statt bequem im Netz zu shoppen, entschied ich mich, für die Belebung der Innenstadt zu sorgen und das Lederwarenfachgeschäft aufzusuchen.

Schlecht zu Fuß oder vielleicht auch einfach nur bequem, fuhr ich mit dem Auto in die Stadt und fand zu meiner Freude einen Parkplatz nur einen halben Kilometer von meinem Ziel entfernt. Brav ging ich zum nächsten Parkautomaten. Dieser war kaputt. Ich ließ das Auto stehen und machte mich auf den Weg zum nächsten Automaten, rund 100 m entfernt. Der funktionierte und nachdem ich mein Zettelchen gut sichtbar platziert hatte, marschierte ich in die Innenstadt. Die Auswahl an Handtaschen war enttäuschend und ich ließ mich von der Verkäuferin überzeugen, meiner Mutter doch lieber einen Regenschirm in bester Qualität und einem entsprechenden Preis zu schenken. Nachdem ich auf dem Weihnachtsmarkt noch engen Körperkontakt und eine schon etwas trockene Bratwurst genossen hatte, kehrte ich noch vor Ablaufen der Parkzeit zu meinem Auto zurück.

Gestern  flatterte mir ein Bußgeldbescheid über 20 Euro ins Haus. Ihm entnahm ich, dass ich am 20. Dezember in der Zeit von 15.32 Uhr bis 15.37 Uhr ohne Parkerlaubnis in der Hindenburgstraße gestanden hatte. Ich war, gelinde gesagt, ein wenig irritiert. Meine Nachbarin musste sich meine Wuttirade anhören. Dann erzählte sie mir, dass der Automat schon Ewigkeiten kaputt ist und eigentlich jeder wüsste, dass die Herren und Damen vom Ordnungsamt gern in der Seitenstraße lauern, um nach Opfern Ausschau zu halten. Wenn sie ein Ticket geschrieben haben, verstecken sie sich wieder. Kann ich verstehen. Wahrscheinlich schämen sie sich ihres Jobs. Würde ich auch.  

Alltagsängste

Nachdem mir einmal auf einer sehr langen und steilen Rolltreppe in London schwindlig geworden war, mochte ich jahrelang nicht Rolltreppe fahren. Nach und nach habe ich diese Angst überwunden, aber dann wiederum gibt es in meiner Lieblingsstadt auch kaum solche Rolltreppen, die scheinbar ins Nichts führen.

Statt dessen fürchte ich mich nun davor, Kratzer oder Dellen zu in mein Auto fahren. Ich fahre einen Firmenwagen, und kurz nachdem ich vor 8 Jahren den ersten erhalten hatte, bin ich in einem Parkhaus gegen einen Pfosten gefahren. Beim Zurücksetzen bin ich vor lauter Schreck dann noch an der Wand entlang geschabt und musste am nächsten Morgen  unserem kaufmännischen Leiter das Malheur gestehen. Immerhin hatte ich es geschafft einen Schaden von fast 3000 Euro zu verursachen. Seitdem fürchte ich mich vor Parkhäusern und Tiefgaragen oder sonstwie engen Parklücken. Unglücklicherweise hat unsere Einrichtung eine sehr enge Tiefgarage, sodass ich, wenn immer möglich, lieber auf dem Parkplatz für Besucher und Klienten stehe. Die Plätze sind zwar draußen und man muss ein Stück laufen, aber der Parkplatz hat dafür keine Pfeiler und Wände.

Ich habe aber nicht nur Angst vor engen Garagen.

Mein räumliches Vorstellungsvermögen lässt sehr zu wünschen übrig, und deshalb fällt es mir schwer, rückwärts einzuparken. Wenn dann noch jemand zuguckt, dann breche ich die Aktion ab und fahre weiter um den Pudding. Ich bevorzuge für meinen Kleinwagen Parklücken , in die auch ein Transporter passen würde. Muss ich in die Innenstadt, dann nehme ich lieber den Bus oder die U-Bahn als mich dem Stress der Parkplatzsuche auszusetzen.

Wenn ich einen Termin habe oder irgendwo hin fahre, wo ich die Parkplatzsituation nicht kenne, dann beschäftige ich mich in Gedanken schon vor dem Losfahren  damit, wo ich mein Auto wohl abstellen könnte. Erst wenn das Auto sicher steht, kann ich wieder entspannen.

Verrückt, nicht wahr? Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der einzige Mensch auf der Welt bin, der so eine kleine Macke pflegt.