Der Kopf blieb leer

In diesem Sommer war mein Kopf leer. Da sprudelten keine Ideen, da war es mir nicht möglich in Worte zu fassen, was mich bewegt.

In diesem Sommer war Funktionieren angesagt. Manchmal gibt es solche Zeiten im Leben. Arbeiten, Besuche im Krankenhaus, Gespräche mit Ärzten, dazwischen der Tod eines Menschen, der mir etwas bedeutet hat, ein Umzug ins Heim, Intensivpflege, Formalitäten und Finanzierungen und Gespräche darüber, wer entscheidet, wann ein Leben enden darf. Die freien Wochenenden dienten ausschließlich der Ablenkung und der Erholung.

Es kann noch dauern, moderne Medizin ermöglicht ein Überleben, wo die Natur schon längst einen Schlussstrich gezogen hätte. Er lebt, aber er nimmt nicht mehr am Leben teil, erkennt uns nicht mehr, kann nicht mehr sprechen, sich nicht mehr selbst aufrichten.

Solange er lebt, können wir nicht um ihn trauern. Leben ständig in der Erwartung, dass der Anruf kommt. Aber das kann noch Wochen, Monate, vielleicht auch Jahre dauern. Es ist ausgeschlossen, dass er je wieder alleine atmen oder essen kann. Das Gehirn ist geschädigt.

Es tröstet uns zu wissen, dass er nicht leidet. Keine Schmerzen hat und keine Angst. Die PflegerInnen sind liebevoll und kompetent, die Atmosphäre im Heim ist ruhig und warm.

Jeder von uns muss einmal Abschied nehmen von den Eltern. Egal, wie wir zu ihnen standen, ist dies ein Prozess, der uns tief berührt. Daneben läuft das normale Leben weiter. Arbeiten, Einkaufen, Zeitung lesen, Freunde treffen, Geburtstage feiern. Es gab auch schöne Momente in diesem Sommer. Aber irgendwie blieb mein Kopf leer, konnte ich nicht wirklich in Worte fassen, was mich bewegt. Erst jetzt, ganz langsam, kehrt die Lust zu schreiben zurück.

14 Gedanken zu „Der Kopf blieb leer

  1. Danke für Deinen einfühlsamen Kommentar. Natürlich habe ich Deinen Blog auch schon gelesen und wünsche Dir ganz viel Erfolg beim Abnehmen. Mein Blog begann einmal als Abnehmblog,mittlerweile ist das nicht mehr Thema, obwohl das Dranbleiben an den gesünderen Essgewohnheiten natürlich ständiger Begleiter ist. Liebe Grüße, Trina

  2. Ein ganz herzliches Hallo aus der Fremde,
    durch Zufall bin ich hier gelandet und wollte etwas Aktuelles lesen. Ich blieb bei diesem Beitrag und musste weiterlesen, auch wenn es mich 10 Jahre zurück geführt hat. Es tut mir leid zu lesen von deiner Prüfung des Lebens. Ich hab gelernt, jeder bestimmt selbst wann er beginnt mit der Trauer, wie er beginnt und wie er anfängt los zu lassen und sich erinnert.
    Dein offener Post an die Welt und ebenso an dich selbst hat mich berührt, ich werde wiederkommen! Verlinkt habe ich meinen frischen WordPress – Blog,persönlicher bin ich aber bisher noch über Blogger.
    Alles Liebe von hier,
    Ella

  3. Ja genau so ist das, bei mir ganz frisch noch, gerade bin ich dabei das Leben geht weiter umzusetzen. Was bin ich erleichtert, das der Vater dann doch erlöst wurde. Einiges blieb uns dann doch erspart. Ich wünsche Dir Stärke… viele Grüße Frau Doktor

  4. Inhaltlich distanziere ich mich hiermit von meinem „gefällt mir“. Was mir gefällt ist die menschliche Offenheit und dadurch entstehende Nähe, die Deine Beiträge auszeichnet. Kenne solche Phasen – der Kopf funktioniert zwar, sucht Sinn, findet ihn aber nicht häufig genug. Glauben soll da helfen. Bin selbst dafür zu ungläubig. Die Lebensgeister sind dann einfach nur müde oder erschöpft und lungern rum, um einen neuen Anlauf zu finden. Ich glaube, diese Zeiten von Anspannung und Abspannung, munter springenden Gedanken und Gefühlen vs. reine Aufrechterhaltung der Funktionen und trüben Gefühlsschwaden nennt sich Leben. Schön, wenn es wieder aufwärts geht!

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