Spuren im Alltag

Ich glaube, dass wir auf der Welt sind, um unsere Fähigkeiten zu entfalten und um sie einzubringen in die Gestaltung dieser Welt. Jeder Mensch hinterlässt  Spuren. Der eine gestaltet einen Garten, der Vorbeigehende erfreut, ein anderer schenkt ein Gefühl der Geborgenheit durch seine Gastfreundschaft und wieder ein anderer sorgt dafür, dass ich pünktlich jeden Morgen um 05.00 die Zeitung im Briefkasten habe. Der Taxifahrer ermöglicht mir, auch spät nachts noch nach Hause zu kommen und meine Zahnärztin hat grade meinen abgebrochenen Schneidezahn repariert, so dass ich wieder aus vollem Herzen lächeln mag.

Der Alltag gibt uns viele Möglichkeiten, uns in die Gestaltung der Welt einzubringen. Egal, ob wir am Arbeitsplatz sind oder zu Hause. Wir prägen die Welt durch unser Handeln, die Art, wie wir die Dinge tun.

Sicher, es gibt Menschen in verantwortungsvollen beruflichen und politischen Positionen, die mit ihrem Handeln das Leben vieler Menschen positiv oder negativ beeinflussen können. Nur wenige von uns werden je in eine solche Position kommen. Das bedeutet aber nicht, dass wir unbedeutend oder ohne Einfluss sind. Auch unsere Entscheidungen und unser Tun oder Nicht-tun haben Folgen für andere Menschen und unsere eigene kleine Lebenswelt, aber auch für das große Ganze. Letzteres betrifft vor allem unseren Umgang mit der Umwelt und die Art, wie wir politisch handeln. Hier sind wir einflussreich, wenn wir uns mit anderen zusammen tun und für das kämpfen, was uns wichtig ist. Dann werden wir mächtig und können das Handeln der Menschen in den verantwortungsvollen Positionen beeinflussen.

Im Alltäglichen hingegen sind wir uns oft nicht einmal bewusst, welche Spuren unser Handeln, die Art, wie wir die Dinge tun, in unserer Lebenswelt hinterlassen.

Wir gestalten unsere äußere Welt. Ich freue mich z. B. immer, wenn ich einen besonders phantasievoll gestalteten Vorgarten sehe oder schöne Dinge auf einer Fensterbank entdecke. Ich ärgere mich hingegen, wenn ich Hundekacke mitten auf dem Gehweg sehe und achtlos weggeschmissenen Müll. Mit der Gestaltung und damit, wie wir mit unserer  Umgebung umgehen, können wir nicht nur unsere Kreativität zum Ausdruck bringen, sondern auch unsere Wertschätzung oder Missachtung ausdrücken. Das wiederum beeinflusst, wie andere Menschen dieses Umfeld empfinden und ihrerseits darauf reagieren.

Auch im Job ist unsere Art, mit den Dingen umzugehen, wichtig. Ein gutes Betriebsklima wird nicht nur von der Geschäftspolitik, sondern vom Verhalten jedes Einzelnen geprägt. Gehe ich respektvoll und freundlich mit meinen Kollegen um oder grenze ich die blöde Ziege im Büro gegenüber bewusst aus? Koche ich auch mal Kaffee für alle, oder überlasse ich das immer der Sekretärin? Es sind die kleinen Aufmerksamkeiten, die oftmals den großen Unterschied machen. Gleiches gilt für den Umgang mit Kunden und anderen Menschen, denen wir im Job begegnen.

Natürlich  können wir nicht den ganzen Tag mit Dauerlächeln und komplett selbstlos auf andere zugehen. Aber vielleicht können wir ja hin und wieder mal unsere Aufmerksamkeit auf das Ganze richten und uns fragen, ob wir etwas dazu beitragen können, dass das Klima am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder wo immer wir uns aufhalten für alle ein bisschen schöner zu machen.

Es ist egal, welche Arbeit wir verrichten. Unser Job trägt zum Ganzen bei und wir hinterlassen Spuren, durch die Art, wie wir ihn verrichten.

Was wären wir ohne Menschen, die unsere Welt sauber halten, ohne Menschen, die Lebensmittel herstellen, sie in die Läden schaffen und verkaufen? Was wären wir ohne Menschen, die uns Dinge erklären und Kaputtes reparieren? Menschen, die unsere Häuser und Straßen bauen, uns behandeln, wenn wir krank sind oder forschen, damit wir unsere Umwelt bewahren können. Menschen, die unsere Urkunden und Gelder verwalten und eine Ordnung aufrechterhalten.   Jeder trägt durch seine Arbeit dazu bei, dass diese Welt, in der wir leben, funktioniert. Aber es sind das besondere Engagement, die Freude an der Entfaltung unserer Fähigkeiten, das kleine bisschen Extra an Aufmerksamkeit, manchmal auch die Weitsicht, über Dinge hinweg zu sehen, die darüber entscheiden, ob diese Spuren eine Bereicherung für alle sind.

Nicht weit von meinem Büro, hat ein Mensch Blumen an einer langen grauen Mauer an einer staubigen Großstadtstraße gepflanzt:

 Blumen an Mauer

Schönheit setzt sich durch
Schönheit setzt sich durch

6 Gedanken zu “Spuren im Alltag

  1. claudi661 6. Juli 2014 / 11:54

    Sorry, bin gerade selten hier. (Das reale Leben…) Werde aber hoffentlich öfter vorbei schauen. LG Claudi

  2. claudi661 6. Juli 2014 / 11:53

    Hi Trina, ein schöner Blog. Dankeschön. Zu den Bildern. Ein ähnliches Ereignis gab es vor Jahren bei uns auf dem Hof. Da hatte sich eine wunderschöne Sonnenblume durchs Hofpflaster ans Licht gedrückt. (Der Sonnenblumenkern kam von einer Nachbarin, die damit immer die Vögel füttert.) LG Claudi

  3. trina59 26. Juni 2014 / 14:27

    Danke! 🙂

  4. desweges 24. Juni 2014 / 14:28

    Toller Post! Vielen Dank dafür! LG desweges

  5. trina59 22. Juni 2014 / 10:15

    Vielen, vielen Dank! Ich freue mich immer auch über Deine Posts! Wünsche Dir einen schönen Sonntag 🙂

  6. freiedenkerin 22. Juni 2014 / 10:10

    Das ist ein wahrhaft wunderschöner Post! Danke, daß du deine Gedanken mit uns teilst!

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