Plötzliche Veränderungen

Am 2. Januar kam der Anruf. „Tante Alma ist gestürzt. Sie liegt im Krankenhaus. Theo ist allein. Kannst Du für ein paar Tage bei ihm bleiben?“

Seither lebe ich bei Onkel Theo. Er ist der älteste Bruder meiner Mutter. Sie hat 7 Geschwister. Drei sind verstorben, zwei sind pflegebedürftig und eine weitere Schwester lebt weit entfernt. Als ich ein Kind war, lebte Theo im Ausland. Als  junge Erwachsene interessierte mich die Verwandtschaft nicht sonderlich und ich vermied Familienfeiern. Erst in den letzten Jahren habe ich ein bisschen Kontakt zu ihm gehabt. Nun leben mein Mann und  ich plötzlich in seinem Haus. Es dauert noch mindestens zwei Wochen, bis meine Tante aus dem Krankenhaus entlassen wird.

Theo lebt gut 100 km von uns entfernt. Er hat keinen Internetanschluss. Sein Telefon stammt aus den 80iger Jahren. Das Haus ist mit altdeutscher Eiche eingerichtet und alles hat seine Ordnung. Mahlzeiten werden zu festen Zeiten eingenommen und bestehen stets aus den gleichen Zutaten. Morgens drei Scheiben Knäckebrot mit Marmelade. Mittags warmes Essen mit Kartoffeln und Soße. Abends zwei Scheiben Schwarzbrot mit Käse.

Theo wird 82 und ist dement. Er hat keine Kinder. Niemand wusste, wie ausgeprägt seine Demenz ist. Alma hat manchmal geklagt, dass er „unmöglich“ ist, vergesslich und unordentlich.

Als ich bei ihm eintreffe, weiß er nicht genau, wer ich bin. Er ist verwirrt und vermisst seine Frau.

Seither sind 13 Tage vergangen. Mein Mann lebt mittlerweile auch bei Theo und wir teilen uns die Betreuung. Unser Leben ist seither ein ganz anderes. Liebgewonnene Gewohnheiten und Rituale, Lesestunden und lange Hundespaziergänge stehen zurzeit hintenan. Ich habe es vermisst, mein Onlinetagebuch zu schreiben. Nun habe ich einen Surfstick und freue mich wie eine Schneekönigin. Mein Onlinetagebuch wird ab sofort wieder weitergeführt!

4 Gedanken zu “Plötzliche Veränderungen

  1. Frau Yu 21. Januar 2013 / 16:54

    ich wünsche Dir – noch nachträglich- viel Kraft für die Zeit mit Theo. Fühle Dich gedrückt!

  2. trina59 16. Januar 2013 / 14:24

    Danke, liebe Erdbeere.

  3. Erdbeermüsli 16. Januar 2013 / 10:29

    Hallo, schön das du dich um deinen Onkel kümmerst. Ich weiß wie anstrengend der Umgang mit demeziell Erkrankten ist und meine Arbeit zeigt immer wieder wie wichtig es ist Gewohnheiten und Rituale zu erhalten. Ich wünsch dir viel Kraft für die nächsten Wochen.
    Grüße Erdbeere

  4. diedickekatze 16. Januar 2013 / 07:43

    Ohje, Demenz ist hart. Ich denk an Dich und wünsch Dir und Deinem Mann ganz viel Kraft.

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