Ein Lebensmuster, Teil 2

Wer stets versucht, allen zu gefallen, der sitzt irgendwann zwischen allen Stühlen. Leider hat derjenige, der zwischen allen Stühlen sitzt, keinen eigenen Platz. Er bezieht auch nicht wirklich Position. Wenn alles gut geht, fällt das niemanden auf.

Unsere dicke, nicht mehr ganz junge Frau war Meisterin darin geworden, ihre Positionen zu wechseln, und wenn das einmal jemanden auffiel und er sich beschwerte, dann war unsere nicht mehr ganz junge, dicke Frau eine Meisterin darin geworden, stets alle Gemüter zu besänftigen und nicht selbst ins Zentrum der Kritik geraten. So hatte sie zwar stets ihre Kraft darauf verwandt hatte, anderen  gefällig zu sein und brav deren Erwartungen zu erfüllen, aber es war ihr auch gelungen, sich stets in der Rolle der „Guten“ zu fühlen und Konflikten aus dem Weg zu gehen. Dies nicht nur in der Familie, sondern auch auf der Arbeit.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube zu meinen, dass Menschen, die sich stets an den Bedürfnissen anderer orientieren, selbstlos sind. Im Gegenteil, oft haben sie große Angst, ihre eigenen Bedürfnisse und negativen Gefühle wahrzunehmen oder sie gar zu zeigen. Sie beschäftigen sich viel damit, wie andere sie wahrnehmen und hoffen darauf,  dass die Menschen, denen sie sich so meisterhaft anpassen,  sie durch Liebe und Anerkennung belohnen, oder gar ihre Bedürfnisse erraten und erfüllen. Tun sie dies nicht, dann  fühlt sich unser gefälliger Mensch so manches Mal als Opfer und vergisst dabei, dass niemand ihn gebeten hat, sich ungefragt für das Wohlergehen aller verantwortlich zu zeigen.

Als unsere dicke und nicht mehr junge Frau dies  erkannte, wurde sie sehr böse auf sich. Sie verunglimpfte sich als wankelmütiges Weichei, rückgratloses Ungeheuer und  Versagerin. Kein gutes Haar ließ sie an sich. Sie meinte, als Mutter versagt zu haben, empfand sich als schlechte Leitung und  als Springmaus für alle. Schlimmer noch, ihr wurde plötzlich klar, wie selbstzentriert  und manipulativ sie häufig handelte. Wie oft war sie einfach davon ausgegangen, zu wissen, was der andere brauchte. Stets war es ihr wichtiger gewesen, vor sich und anderen gut da zu stehen, statt sich wirklich in den anderen einzufühlen. Sie schämte sich dafür und fühlte sich schuldig für ihren Egoismus.

Aus lauter Wut auf sich selbst, fraß sie noch mehr. Sie konnte sich überhaupt nicht mehr leiden und beschloss, sich zu ändern. Von nun an würde sie sich stets  eine eigene Meinung bilden,  immer eine klare Position beziehen, Konflikte auszutragen und konsequent auf sich selbst achten.

Sie stellte schnell fest, dass es ihr nicht gelang. Immer wieder fiel sie in ihr vertrautes Muster zurück.

Sie hatte den wichtigsten Schritt unterlassen: zu lernen, sich selbst so anzunehmen und zu lieben, wie  sie nun einmal war.   

Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, dass sich hinter ihrem Verhalten der Wunsch nach Kontrolle verbarg,  und hinter dem Wunsch nach Kontrolle die Angst, verlassen, allein und ungeliebt zu bleiben. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass irgendjemand sie um ihrer selbst willen lieben konnte.  

Sie war  ein Mensch geworden, der  gefallen will und deshalb jedem gefällig ist, ein Mensch, der meint, immer verfügbar sein zu müssen, weil er tief im Inneren glaubt, dass alle anderen wichtiger und besser sind als er, und ein  Mensch, der keine eigene Position beziehen mag, weil dann die Gefahr besteht, jemanden gegen sich zu wenden.  Ein Mensch, der lieber manipuliert als offen und direkt seine Anliegen zu äußern.  Aber sie war auch ein Mensch, der freundlich und hilfsbereit ist, ein Mensch, der andere Menschen mag, der gewissenhaft und zuverlässig, der einfühlsam und empathisch und warmherzig und liebevoll, intelligent und klug ist.   

Wir können uns erst verändern, wenn wir üben, uns selbst mit unseren Schwächen und Verletzungen, Ängsten und Charakterfehler wirklich anzunehmen und zu lieben. Dabei dürfen wir aber unsere Stärken, Talente und guten Eigenschaften nicht übergehen, denn jeder Mensch hat neben seinen Mängeln auch starke Seiten, Begabungen und Fähigkeiten und diese müssen wir uns ebenso bewusst machen und lieben und akzeptieren lernen.  

Wir entwickeln uns über unsere alten Muster hinaus, wenn wir begreifen, dass wir als Erwachsene selbst für uns, unsere Gefühle, Gedanken und Einstellungen verantwortlich sind und die Befähigung haben, für uns selbst zu sorgen.  Dabei brauchen wir viel Zeit und Geduld,  um ein Muster, dem  wir 20, 30 oder gar 40 Jahre gefolgt sind, durch ein neues zu ersetzen.

 Nachdem unsere nicht mehr junge, dicke Frau begann, dies zu verstehen und achtsamer mit sich umzugehen,  ging es ihr nach und nach immer besser.   Sie erkannte ihr Muster in verschiedenen Varianten bei vielen anderen Menschen wieder und sah ein, dass sie in ihren Schwächen nicht einzigartig war. 

Sie begann, sich auf ihre positiven Seiten zu konzentrieren. Immerhin hatte sie trotz ihrer Muster,  einiges im Leben erreicht.  Ihre Kinder kamen gut im Leben zurecht. Sie lebte in einem schönen Haus und hatte einen verlässlichen Partner. Auf der Arbeit war sie erfolgreich, und sie hatte einen reichen Schatz an Kenntnissen und Erfahrungen an ihre jungen Mitarbeiter weiterzugeben. 

Sie übte fortan, sich eine eigene Meinung über die Dinge zu bilden und daran zu arbeiten, Kompromisse zu finden, die alle Seiten zufrieden stellten. Dabei konnte sie ihre in der Rolle der Gefälligen entwickelten Fähigkeiten auszugleichen und zu besänftigen am Arbeitsplatz hervorragend nutzen. Da sie selbst ihre Position gefunden hatte, also auf einem eigenen Stuhl saß, empfand sie ihre Leitungsfunkton nun auch als nicht mehr so anstrengend. 

Was im Berufsleben mit einiger Übung recht gut funktionierte, erwies sich im Privatleben als schwieriger.Da sie immer das gewollt hatte, was die anderen vermeintlich wollten, hatte sie kein Gespür dafür entwickelt, was sie selbst eigentlich gern mochte und was ihr gut tat. 

Bis heute arbeitet  die nicht mehr ganz junge Frau daran, ihre Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche zu erkennen und anzunehmen und die Verantwortung für ihre Erfüllung selbst zu übernehmen.  

Sie erwartet nicht mehr von sich, in wenigen Jahren ein Verhaltens-, Gedanken- und Gefühlsmuster abzulegen, die  sie über so viele Jahre zur Perfektion gebracht hat. Sie mag sich heute auch dann noch,  wenn sie man mal wieder in alte Fallen getappt ist.  Es fällt ihr jetzt früher auf,  wenn sie auf alten Pfaden unterwegs ist. Sie nimmt es sich nicht mehr übel, sondern ermutigt sich, es beim nächsten Mal anders zu machen. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf  ihre Erfolge und  die vielen schönen Dinge, die das Leben ihr schenkt.

Die dunklen Tage, wenn sie sich selbst nicht mag, sich ihre Fehler und Schwächen vorwirft, werden weniger.

Sie hat begonnen, sich an die Dinge zu erinnern, die sie als Kind und junges Mädchen interessiert haben: Schreiben, Literatur, Sprachen, Malen und Bewegung, Fahrrad fahren, Yoga, Zusammensein mit Freunden, Schwimmen,  Mode und Make-up, Kochen. Sie erkundet, ob diese Dinge ihr heute noch Spaß machen und gut tun. Sie macht Ausflüge und sie experimentiert wieder in der Küche. Sie empfindet ihr Leben als bunt, interessant und spannend. Sie ist weiterhin engagiert auf der Arbeit, das Privatleben ist nun aber mindestens ebenso wichtig. Sie achtet darauf, Zeit für sich allein zu haben, zum Lesen, zum Tagebuchschreiben und sie sucht den Kontakt zu Freunden und Familie.

Sie stellt sich andere Fragen: Wie fühlt sich das an? Bin ich entspannt in dieser Situation oder verbiege ich mich grade? Tut mir das gut? 

Sie beginnt langsam zwischen Selbstbezogenheit und gesunder Selbstfürsorge zu unterscheiden. Sie versucht, andere so zu unterstützen, wie diese es brauchen, statt durch Hilfsbereitschaft zu manipulieren und zu kontrollieren.

Mittlerweile ist aus der dicken, nicht mehr ganz jungen Frau eine vollschlanke Frau im mittleren Alter geworden, die davon überzeugt ist, dass es die Lebensaufgabe eines jeden erwachsenen Menschen ist,  sich selbst anzunehmen  und seine Persönlichkeit, seine Fähigkeiten und Begabungen zu entfalten und sich  mit ihnen in diese Welt einzubringen.

Das Leben ist ihr dabei ein guter Lehrmeister. Neben individuellen Lernaufgaben und Prüfungen  hält es viele Belohnungen bereit: Sommertage, phantastische Landschaften, Freude an der Bewegung, Lachen, Vogelgezwitscher, Sturm, gute Filme und Bücher, großartige Bilder, Abenteuer, Erlebnisse und Erfahrungen und immer wieder neue Erkenntnisse….

 

Ein Lebensmuster

Dies ist die Geschichte von einem kleinen Mädchen, das meist tat, was andere von ihm erwarteten. Es wollte am liebsten allen gefallen. Das kleine Mädchen streute auf Hochzeiten Blumen, zog die Lose bei der Tombola, ließ sich von jedem auf den Schoß nehmen und genoss es, dass alle es als süß, herzig, wohlgeraten und artig bezeichneten. Und die vielen Süßigkeiten und Groschen, die ihm zugesteckt wurden, gefielen ihm auch. Das kleine  Mädchen spürte, dass seine Eltern stolz waren, wenn es von anderen Menschen gelobt wurde. Und da das Kind nicht nur Fremden, sondern vor allem seinen Eltern gefallen wollte, wurde es eine Meisterin darin, stets den Erwartungen anderer gerecht zu werden. War es  doch einmal trotzig oder wütend, spürte es schnell die Enttäuschung der Erwachsenen. Es lernte schnell, Wut und Ärger als so böse zu empfinden, dass es sie aus  seinem Gefühlsleben verbannte.

 Das kleine Mädchen wuchs in einer Großfamilie mit vielen unglücklichen Menschen heran. Die Mutter war traurig, weil der Vater immer lange in der Kneipe blieb. Ihre eigene Familie hatte sie ausgestoßen, weil sie den Vater geheiratet hatte und die Schwiegereltern mochten sie nicht, weil sie aus ärmlichen Verhältnissen kam und innerhalb nur eines Jahres zwei Kinder zur Welt gebracht hatte.

Die Großmutter war unglücklich, weil sie eine schmerzhafte Erkrankung hatte. Der Großvater war verbittert, weil er seine erste Frau verloren hatte und mit Verletzungen aus den beiden Kriegen heimgekehrt war. Der Vater war unglücklich, weil seine Mutter immer den Stiefbruder vorzog, damit niemand denke, sie habe ihr eigenes Kind lieber.

Der Stiefbruder und seine Frau wohnten auch im Haus und die beiden jungen Frauen im Haushalt mochten sich nicht. Sie standen in Wettbewerb miteinander, wer die hübscheste war und wer den erfolgreichsten Mann hatte. Die Großeltern wiederum mochten den kleinen Bruder des süßen kleinen Mädchens nicht, weil dieser lebhaft und laut war.

Um ein gutes gefälliges kleines Mädchen werden zu können, braucht man eine gehörige Portion Sensibilität und die Fähigkeit zur Empathie. Unser süßes kleines Mädchen hatte die Gabe, sehr schnell Stimmungen zu spüren und es entwickelte feine Antennen für die Befindlichkeiten der Menschen in ihrer Umgebung. Es lernte früh,  was es tun oder lassen musste, um sich die Zuneigung und Zuwendung aller zu sichern und tat alles, damit nur ja niemand ärgerlich oder traurig wurde.

Die Mutter des kleinen Mädchens hätte gern ihr Leben nach eigenen Vorstellungen geführt, aber da ihr Mann noch von seinen Eltern abhängig war und sie mietfrei im Haus der Eltern lebten, musste sie tun, was die Großeltern wollten, sonst wurden diese unwirsch. Trotzdem gelang es ihr immer wieder, sich durchzusetzen, sei es, dass sie entschied, alleine mit ihren Kindern zu Abend zu essen oder sonntags einen Spaziergang mit ihnen zu machen, statt die Tanten zu besuchen.

Dies brachte das kleine Mädchen in Bedrängnis. Denn wenn sie den Großeltern erzählte, dass sie einen schönen Spaziergang mit der Mama gemacht hatte, spürte sie sofort deren Enttäuschung. Sie verspürte aber auch die Enttäuschung ihres kleinen Bruders, wenn sie wieder einmal ein schönes, großes Geschenk bekam und er nur eine Packung Lego oder wenn die Großeltern sie mit auf Besuch nehmen wollten, die Mutter sie aber gern zu Hause behalten hätte. Sie versuchte dann den Bruder zu trösten und bevor sie mit den Großeltern spazieren ging, versicherte sie der Mutter sie trotzdem lieb zu haben und während es versuchte, allen Menschen gleichzeitig gerecht zu werden, vergaß es darauf zu achten, was es denn eigentlich selbst gern wollte.

Das kleine Mädchen wuchs zu einem hübschen Teenager heran. Als es in der 2. Klasse war, starb der Großvater und der Vater begann im Alkohol mehr Halt zu finden als in seiner Familie. Er vergaß, dass er eine Tochter hatte.

Der Teenager erkannte schnell, wie sie Männern gefallen konnte und sie legte immer sehr viel Wert auf ihr Äußeres. Freundinnen waren ihr nicht so wichtig, aber sie hatte einige, die weniger hübsch waren als sie und die deshalb keine Konkurrenz darstellten.

Der Teenager war ziemlich intelligent, aber sie legte nicht viel Wert auf ihre Zensuren und  interessierte sich wenig für das, was in der Welt geschah.  Sie verfolgte ein ganz anderes Ziel, sie suchte nämlich die große Liebe. Sie fühlte sich oft einsam und leer und dachte, dass alles gut wird, wenn sie nur einen Freund findet, der sie aus ganzem Herzen liebt und sie versteht.

Fortan hing es von ihrem jeweiligen Freund ab, welchen Musik- und Kleidungsstil und welche Freizeitaktivitäten sie bevorzugte. Leider ging sie nie sehr lange mit einem Jungen, denn die meisten machten nach wenigen Wochen Schluss. Dann hatte sie einige Tage furchtbaren Liebeskummer bevor sie sich auf die Suche nach dem Nächsten machte. Schon im Alter von 15 Jahren träumte sie von einer Hochzeit in Weiß.

Der hübsche Teenager hatte neben dem Wunsch, jedem Jungen zu gefallen, auch früh ein weiches Herz für kranke und bedürftige Menschen entwickelt. Sie wollte Krankenschwester werden oder Sozialarbeiterin und wenn schon nicht die ganze Welt, dann doch ganz viele bedürftige und unglückliche Menschen retten. Sie verbrachte viel Zeit damit, zu überlegen, wie man die Welt gerechter machen könnte und sie war sich sicher, dass jeder arme, kriminelle oder süchtige Mensch ein Opfer war, das durch genug Liebe und Zuwendung gerettet werden könnte.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der hübsche Teenager  als er zu s einer hübschen jungen Frau wurde, sich zu einem Mann hingezogen fühlte, der nach außen sehr cool wirkte, aber ein großes Problem hatte. Und siehe da, dieser Mann verließ sie nicht! Er fand es toll, dass sie ihm immer wieder bestätigte, dass er wunderbar, klug und immer im Recht sei. Er war stolz auf seine schlanke, hübsche Freundin, die alles stehen und liegen ließ, wenn er sie rief. Dass diese junge Frau studierte, während er LKW-Fahrer war, machte ihn stolz, denn schließlich bestätigte sie ihm immer wieder, dass er zu Höherem berufen sei.

Im Laufe der Zeit entwickelte die junge Frau irrationale Ängste und fühlte immer häufiger eine innere Leere in sich, die sie sich nicht erklären konnte. Bis sie auf einer Party einen alten Schulkameraden traf, mit dem sie die ganze Nacht hindurch redete und der sie so viel besser verstehen konnte, als ihr Freund. Sie begann eine Beziehung mit dem alten Schuzlfreind, aber sie schaffte es nicht, sich von ihrem Freund zu trennen. Sie hatte Angst, dass er es nicht verkraften würde, wenn sie ihn verließ.  Aber der alte Schulfreund fand es nicht in Ordnung, dass sie noch mit ihrem Freund zusammen war und so erzählte sie ihrem Freund eines Tages von ihrem Schulfreund und bat ihn um Verzeihung, ihn so zu verletzen. Der Freund war wirklich traurig, aber er nahm sie nicht ernst. Er bat sie darum, Freunde bleiben zu können, brachte ihr Blumen, besuchte ihre Eltern, die ihn schon als Schwiegersohn gesehen hatten, und irgendwann hielt die junge Frau das alles nicht mehr aus. Sie suchte sich einen neuen Studienplatz weit weg in einer anderen Stadt und verließ beide Männer.

Die junge Frau wollte sich nun auf ihr Studium konzentrieren, aber es dauerte nicht lange, da traf sie ihren Ehemann. Er war kein Student, sondern eine Art Alt-Hippie, der viel reiste und seinen Lebensunterhalt durch Jobs finanzierte. Er sah gut aus und unsere hübsche junge Frau war von seiner Unabhängigkeit, seinen vielen Reisen und seiner Belesenheit beeindruckt. Er hatte allerdings ein großes Problem und die hübsche junge Frau versprach, ihm zu helfen, dieses zu lösen. Sie setzte sich für ihn ein, wo sie nur konnte, und die beiden waren bald unzertrennlich. Sie heirateten. Die junge Frau beendete ihr Studium und sie zogen in eine andere Stadt. Der Ehemann fand einen festen Job in einem Lager und die junge Frau nahm eine schlecht bezahlte Stelle als Sozialarbeiterin an.

Im Laufe der  Ehe wurde die hübsche junge Frau  immer eifersüchtiger. Ihr Mann hatte ihr von seinen Ex-Freundinnen erzählt und zeigte immer mal wieder Interesse an anderen Frauen und unsere hübsche junge Frau litt unermesslich. Schließlich suchte sie einen Psychologen auf und begann eine Therapie. Sie lernte dort, dass sie es versäumt hatte, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, weil es ihr so wichtig war, anderen zu gefallen. Er meinte, sie hätte ein Helfersyndrom und schickte sie in ein Programm für Angehörige von Alkoholikern. Unsere hübsche junge Frau konzentrierte sich nun darauf zu genesen. Sie hatte manchmal Zweifel, ob ihr Ehemann der richtige Mann für sie sei, aber diese Gedanken drängte sie schnell beiseite. Sie wurde schwanger.

Nun begann eine sehr glückliche Zeit. Der Ehemann erwies sich als guter und fürsorglicher Vater, der auch im Haushalt mit anpackte. Die hübsche junge Frau schloss viele Freundschaften mit anderen Müttern und als sie nach dem Erziehungsurlaub wieder an den Arbeitsplatz zurückkam, wurde sie schnell befördert und verdiente mehr Geld. Ihr Ehemanns begann eine Ausbildung und beide beschlossen, ein zweites Kind zu bekommen.

Bald nach der Geburt des 2. Kindes begann der Ehemann immer häufiger, am Wochenende alleine auszugehen. Er brauche den Kontakt zu seinen Fußballfreunden, sagte er, und die hübsche junge Frau akzeptierte das. Doch dann, eines Tages, kam der Ehemann erst am nächsten Morgen nach Hause und es dauerte nicht lange, bis er seiner Frau eröffnete, dass er sich eine offene Ehe wünschte. Die junge Frau stimmte zu und fortan verschwand der Ehemann übers Wochenende, während die junge Frau mit den Kindern zuhause war. Nach einiger Zeit kam es zur Trennung und Scheidung.

Der hübschen jungen Frau gefiel es, alleine mit den Kindern zu leben. Sie fand einen neuen, gut bezahlten Arbeitsplatz und machte Karriere. Sie hatte viele Freundinnen, die auch allein erziehend waren. Die Kinder entwickelten sich prächtig und oft waren noch andere Kinder bei ihr, deren Mütter auch viel zu tun hatten.

Als die Kinder beinahe Teenager waren, lernte die nun nicht mehr so junge, aber attraktive Frau einen neuen Mann kennen. Er kam aus dem hohen Norden und weil er an keinen festen Arbeitsort gebunden war, konnte er in ihr Land ziehen. Die beiden beschlossen, sich gemeinsam mit den Kindern ein neues Leben auf dem Lande aufzubauen.

Nun hatte nicht mehr so junge, aber attraktive Frau hatte alle Hände voll zu tun. Ihr neuer Partner fand, dass ihre Kinder nicht so gut erzogen waren, wie er es sich vorstellte und die Kinder waren unglücklich, weil sie auf dem Land leben sollte.

Ihrem Partner versprach sie, den Kindern beizubringen, nicht mehr mit schmutzigen Füßen durchs Haus zu laufen. Sie tat, was sie konnte, um ihren Kindern zu helfen, sich einzuleben und ihnen zu zeigen, dass sie sie noch genauso liebte wie vor ihrer neuen Partnerschaft. Den Kindern des neuen Mannes versuchte sie eine gute Stiefmutter zu sein, wenn sie in den Ferien kamen.

Ganz nebenbei erledigte die nicht mehr so junge und zunehmend kettenrauchende attraktive Frau einen Vollzeitjob und kümmerte sich um einen großen Garten und Haus. Sie litt darunter, dass ihre Kinder und der neue Mann ein distanziertes Verhältnis behielten und wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, dann widmete sie ihre Zeit und Aufmerksamkeit ausschließlich den drei Menschen. Sie vermittelte zwischen ihrem neuen Mann und den Kindern, sie vermittelte zwischen den Kindern, sie vermittelte zwischen dem Kind, das seine Wut in der Schule raus ließ und dem Lehrer, und als ihr Partner Schwierigkeiten mit seinem Sohn bekam, vermittelte sie auch da. Sie tat alles, um jedem gerecht zu werden. Für den einen bereitete sie einen deftigen Schweinebraten, den anderen holte sie spät in der Nacht vom Zug ab, dem dritten massierte sie den Rücken, sie plante die Wochenenden so, dass jeder auf seine Kosten kam

Die Jahre vergingen und die Frau bekam Probleme mit der Gesundheit. Sie hörte auf zu rauchen, aber dafür nahm sie ganz fürchterlich viel zu. Die Zeiten, in denen sie sehr auf ihr Äußeres achtete, waren vorbei. Unauffällig und  praktisch war nun angezeigt.

Während die Kinder immer selbständiger wurden, hatte sich die nicht mehr junge und dicke Frau auf ihren Job konzentriert und war sehr erfolgreich geworden. Aber sie war zunehmend erschöpft, wurde immer dicker und fühlte sich nicht glücklich. Sie vermisste ihre Kinder, die nun ausgezogen waren und sie wusste mit sich selbst nicht recht was anzufangen.

So beschloss sie, sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen und sich ein Hobby zu suchen. Sie begann einen Blog zu schreiben……..