Meine Glücksliste

Vor einiger Zeit bin ich ja dem Tipp eins Artikels zum Thema ‚Glück‘  gefolgt, und habe mir eine Liste mit 30 Dingen, die mir ein Glücksgefühl geben, erstellt. Ehrlich gesagt, war das gar nicht so einfach, denn viele dieser kleinen Momente sind flüchtig und schnell wieder vergessen. Seit ich aber mit dieser Liste angefangen habe, fallen mir immer mehr Dinge, die mich glücklich stimmen ein bzw. auf.

Hier sind weitere 5 Glücksauslöser:

  • Mein Hund: ich liebe es, ihr beim Laufen zuzusehen. Sie ist blitzschnell und geschmeidig und sie liebt es, Bällen und Stöckchen hinterher zu jagen. Ihr beim Spielen mit anderen Hunden zuzusehen, macht einfach nur Spaß, ganz zu schweigen von ihrer liebevollen, übermütigen Begrüßung jeden Abend, wenn ich von der Arbeit komme.
  • Lernen: ja, ich bin ein Streber. Ich lerne gern. Ich mache Online-Kurse bei Coursera (https://www.coursera.org/), die ich jedem, der Englisch oder Spanisch spricht, nur empfehlen kann. Die Kurse sind übrigens kostenfrei. Ich entdecke hier wieder die Freude an Themen, die ich schon früher mochte: Kunst, Literatur, Geschichte. Es macht mich glücklich, etwas Neues zu lernen, Ideen kennen zu lernen, den  Blickwinkel zu verändern.
  • Für viele Leute kochen: das kann zwar anstrengend werden, aber ich liebe es trotzdem. Tagelang über Kochbücher sitzen, Menüs oder ein Buffet zusammenstellen, die Abläufe planen, einkaufen, vorbereiten, den Tisch decken und dekorieren, dabei immer noch mal was verändern, die Panik, wenn etwas nicht gelingt, und dann endlich der Anblick des Tisches und der Speisen. Während des ganzen Prozesses beflügelt mich die Vorfreude auf das Ereignis, darauf, meine Freunde und Familie so richtig verwöhnen zu können.
  • Abfahrten: ich liebe den Moment, in dem eine Reise beginnt. Ob ich mit dem Auto unseren Ort verlasse und Richtung Süden oder Norden fahre, ob ich im Zug sitze, wenn dieser grade den Hauptbahnhof verlässt oder im Flieger, wenn dieser aufs Rollfeld fährt, in diesem Moment fühle ich mich glücklich, egal, ob ich einen Tagesausflug oder eine lange Reise mache.  Der Alltag fällt in diesem Moment von mir ab, ich kann entspannen, ich weiß noch nicht, was auf mich zukommt, aber in diesem Moment ist es egal, ich bin zwischen zwei Welten.
  • Eine Umarmung: ist Euch einmal aufgefallen, wie gut eine Umarmung tut? Wie geborgen man sich fühlt, wie plötzlich die Spannung aus dem Körper geht? Ich liebe es, umarmt zu werden. Leider passiert das nicht so oft, wie ich es mir wünsche. Deshalb habe ich gelernt, es meinem Liebsten zu sagen, wenn ich mal  ganz dringend eine brauche und mittlerweile kommt er auch selbst, wenn ihm mal danach zumute ist. Und da mir Umarmungen so gut tun, verteile ich sie auch sehr gern an Kinder, Freunde und sonstige Umarmungsbedürftige.

Fortsetzung folgt.

Rudi

Als wir vor 10 Jahren hierher zogen, fiel mir sein Haus auf. Es war das einzige Grundstück in der Nachbarschaft ohne die obligatorische Tanne, das akkurat geschnittene Blumenbeet und den kurz geschorenen Rasen im Vorgarten.

Ein Boot stand neben dem Haus, ebenso einige Stapel mit Holz und eine alte Zinkbadewanne. Das Gras war hoch, Blumen wuchsen ohne einem Beet zugehörig zu sein, Apfel- und Kirschbäume standen auf dem Grundstück.

Als leicht alternativ angehauchte Großstädterin mit Sympathien für Bauwagenbewohner hoffte ich auf eine unkonventionelle und jedem Spießbürgertum abgeneigte Seele zu treffen.

Ich machte seine Bekanntschaft beim Gassigehen mit dem Hund. Im Herbst, im Halbdunkel. Sein Hund und meine Hündin mochten sich und so schlossen wir Bekanntschaft.

Heute ist Rudi fester Bestandteil unseres Alltags: er verkauft Wild, das er auf dubiosem Wege bekommt, er verschachert Holz für den Kamin und jeden Dienstag bietet er uns Obst und Gemüse an, das er auf dem Wochenmarkt billig ergattert. Meist handelt es sich um Ware kurz vor dem Verfall. Seit ich ihm einmal Wild und Obst abgekauft habe und mein Lebensgefährte ihm bei Lieferung ein Bier anbot, hat er uns in sein Herz geschlossen.

Ihm entgeht nichts. Er ist bestens darüber informiert, wann ich komme, wann ich gehe und an welchen Tagen ich später als sonst nach Hause komme. Er weiß, wann wir Besuch hatten und wann wir einen Tag nicht zuhause waren. Sowie es warm wird, erscheint er mindestens einmal am Tag am Gartenzaun, um zu schauen, was mein Lebensgefährte in der Garage treibt.

Wenn ich ihm abends auf der Hunderoute begegne, dann fragt er mich, wo ich denn gewesen sei oder was mein Partner denn mit diesem alten Auto wolle. Gern erzählt er, was er sich abends kocht und wie er sein Wild zubereitet, ganz ausführlich. Gibt es darüber  nichts zu berichten, ereifert er sich über die Schlechtigkeit der Welt. Über den Bürgermeister, der meint, er sei was Besseres, über die Radioprogramme, die immer diesen „englischen Sch… „ spielen, wo es doch so schöne deutsche Schlager gibt, über die Politiker, die „unser“ Geld verschwenden und über die Idioten, die unsere Anliegerstraße als Abkürzung nehmen.

Bauwagenbewohner findet er übrigens ganz schlimm, die sollte man alle einsperren.

Ich weiß wenig über ihn. Er lässt keine Fragen zu. Fragt selbst und redet bevor man selbst den Mund aufkriegt. Von Nachbarn weiß ich, dass er schon immer hier lebt, das Häuschen von seiner Mutter – eine anständige Frau – geerbt hat und seine Frau ihn schon vor langer Zeit verlassen hat.

Im Tageslicht sehe ich die schwarzen Schmutzränder in den Halsfalten, die Hundehaare auf der Kleidung und die langen Fingernägel. Ich rieche die Küchendünste in seinen Kleidern und die Bierfahne.

Ich schätze Rudi trotzdem: im letzten Herbst, als mein Lebensgefährte in seiner Heimat weilte, knickte der Sturm eine Tanne um. Als ich abends nach Haus kam, lag der Baum in kleine Stücke zersägt auf dem Rasen. „Siehst du“, sagte Rudi beim Hundespaziergang, „jetzt hast Du wieder Brennholz.“

So ist er, der Rudi.

Mein Hund

Was wäre ich ohne meinen Hund?

Morgens um 05.00 begrüsst sie mich stürmisch und marschiert schnurstracks zur Haustür, wo sie darauf wartet, dass ich in meine Klamotten steige. Meist bin ich noch im Halbschlaf, wenn wir unsere Runde durch den Ort beginnen, doch wenn wir gegen 6.00 Uhr zurückkommen, bin ich munter und bereit, den Tag anzupacken.

Sie bekommt ihr Frühstück, während ich meinen Kaffee trinke und dann überlasse ich sie für den Rest des Tages ihrem Herrchen.

Schon auf dem Weg nach Hause freue ich mich auf ihre Begrüßung, die laut und liebevoll ausfällt. Bevor ich das Abendesse mache, gehen wir noch einmal ausgiebig spazieren. Manchmal nur eine kleine Runde, aber ebenso häufig gehen wir auch noch mal eine Stunde durch die Feldmark.

Am Wochenende  machen wir mindestens einen richtig langen Spazierweg, so wie heute. Gut zwei Stunden sind wir heute einem  neuen Wanderweg gefolgt, haben die Sonne genossen und sind sogar richtig ins Schwitzen gekommen.

Herbstspaziergang – ohne meinen Hund nur halb so schön