Ja-Sager: der Helfer – eigentlich ein netter Mensch

Mein Chef fragt mich, ob ich noch ein weiteres Projekt übernehme, obwohl ich mein Arbeitspensum jetzt schon kaum mehr schaffe? Kein Problem! Das kriege ich schon irgendwie hin.

Was, meine Freundin möchte übers Wochenende verreisen und ihre Kinder bei uns lassen? Selbstverständlich können sie übers Wochenende zu uns kommen. Das mache ich doch gern!

Ich kann nur schwer eine Bitte ausschlagen. „Ja, klar mache ich das“, „Ja, das ist überhaupt kein Problem“ „Ja,  mache ich doch gern“,  kommen ganz selbstverständlich aus meinem Munde. Schlimmer noch, meist muss man mich gar nicht erst bitten. Ich nehmen jeden Appell sofort wahr und biete meine Hilfe oder Mitwirkung von allein an. Egal, ob auf der Arbeit oder zuhause. Ich sage ‚Ja‘ ohne darüber nachzudenken, ob ich die Aufgabe wirklich bewältigen kann oder den Gefallen wirklich tun möchte. Die Bedürfnisse der anderen stehen in solchen Momenten vor meinen eigenen. Und da ich ungern schlechte Arbeit mache oder einen Menschen enttäusche, mache ich meine Sache in den allermeisten Fällen auch gut.

Früher, als mir noch nicht klar war, dass ich ein ‚Ja-Sager‘ bin, hielt ich mich für selbstlos, weil ich andere immer wichtiger nahm als mich und meinte, besonders liebevoll und verständnisvoll zu sein, da ich ja immer verfügbar war. Entsprechend erhoffte ich mir aber auch Anerkennung, Zuwendung und Lob für meine vermeintliche Güte. Die ich meist auch erhielt, denn die meisten Menschen sind tatsächlich freundlich und schätzen die Unterstützung und die anderen haben ein feines Gespür dafür, wie sie den Ja-Sager in seiner Position bestärken können, um weiter von seinem ‚Nicht-Nein-Sagen-Können‘ profitieren zu können.

Als ich jünger war, hatte ich ein ausgeprägtes „Helfersyndrom“. Hinter dem „Nicht-Nein-Sagen-Können“ standen meist die Angst vor Ablehnung und der Wunsch nach Anerkennung, also ganz selbstbezogene Bedürfnisse. Als Ja-Sager hoffte ich, für meine Handlungen belohnt zu werden. Da ging es beim Ja-Sagen weniger um den anderen, als um Vermeidung und Sicherung eigener Bedürfnisse. Ich definierte mich über die Anerkennung anderer und stellte dafür meine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund.

Als ich mir selbst auf die Schliche kam, schämte ich mich erst einmal. Damals, in den 80iger Jahren waren die Wörter Co-Abhängigkeit und Helfersyndrom aktuell und ich verschlang Selbsthilfeliteratur ohne Ende. Ich wollte ein unabhängiger, selbstbewusster Mensch sein, der genau das tat, was er wollte. Ich bewunderte Menschen, die ‚Nein‘ sagen konnten, fürchtete sie auch ein bisschen und fühlte mich ihnen maßlos unterlegen. Das ‚Ja‘ kam mir auch weiterhin automatisch über die Lippen, egal, wie oft ich mir vornahm, endlich einmal selbstbewusst ‚Nein‘ zu sagen.

Im Laufe der Jahre lernte ich, mein Helfersyndrom gelassener zu betrachten, es als Teil von mir zu akzeptieren. Ich tat ja nichts Schlechtes und verletzte niemanden. Ich konnte und kann nur einfach schwer ‚Nein‘ sagen. Ich bin von Natur ein hilfsbereiter Mensch. Ich helfe gern. Auch meinem Chef. Und ich mag Menschen. Dazu stehe ich.

Das ‚Ja-sagen‘ hat mich schon vor so manche Herausforderung gestellt. Ich habe Aufgaben bewältigt, für die ich eigentlich gar nicht qualifiziert war, ich habe Dinge gestemmt, die enorm viel Kraft gekostet haben und Ängste überwunden. Dadurch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich belastbar bin, über viel mehr Kraft und Fähigkeiten verfüge, als ich glaubte.  Dadurch, dass ich nicht ‚Nein‘ sagen konnte, habe ich auf der Arbeit tatsächlich mehr geleistet, als so mancher Kollege, aber ich habe dadurch auch materielle und nichtmaterielle Anerkennung bekommen und viel Selbstvertrauen gewonnen.

Auch wenn ich Selbstwertgefühl aus meiner Helferrolle ziehe, also keinesfalls selbstlos bin, finde ich das in Ordnung, solange dies nur eine von vielen Quellen ist, aus denen ich Selbstwertgefühl beziehe  und solange ich dafür sorge, mich selbst nicht zu überfordern.

Menschen, die oft und gern ‚Ja‘ sagen, wenn man sie um Hilfe oder Mitwirkung bittet, werden tatsächlich auch gebraucht. Kein Verein, keine Gemeinde, keine Familie, keine Schule kommt ohne Menschen aus, die bereit sind, sich einzubringen. Keine Hilfsorganisation würde existieren, wenn Menschen nicht auch Freude daran hätten, ihre Kraft, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse für andere einzusetzen.

Ständiges ‚Ja-Sagen‘ wird dann gefährlich, wenn ein Mensch sich tatsächlich selbst überfordert. Nicht einmal, sondern andauernd und ständig. Wenn er nicht an seinen Aufgaben wächst, sondern  sie ihm mehr abverlangen, als er geben kann. Wenn er über das ‚Ja-Sagen‘ das Gespür dafür verliert, wer er ist und worin seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche bestehen. Fehlen diesem Menschen Ressourcen, aus denen sie Kraft, Freude, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl schöpfen können, dann drohen Verbitterung und Resignation, Burn-out und Depression, wenn Anerkennung und Lob ausbleiben und der Berg an Aufgaben die Kräfte übersteigt.

Ich sage weiterhin lieber ‚Ja‘ als ‚Nein‘, wenn mich jemand um Hilfe bittet und werde dabei sicherlich auch weiterhin immer mal an meine Grenzen kommen oder meine eigenen Bedürfnisse öfter zurückstellen,  als nötig ist. Aber das macht mir nur selten etwas aus. Es ist ein Teil von mir. Ich halte mich deshalb nicht für einen besonders guten oder gar selbstlosen Menschen. Ein Teil von mir hat Angst vor Ablehnung, mag andere nicht enttäuschen und hasst Konflikte. Wobei wir auch schon zum nächsten Aspekt des Ja-Sagens kommen, nämlich dem Ja-Sagen, um Konflikte zu vermeiden. Aber darüber mehr in der nächsten Woche.

Ein Lebensmuster

Dies ist die Geschichte von einem kleinen Mädchen, das meist tat, was andere von ihm erwarteten. Es wollte am liebsten allen gefallen. Das kleine Mädchen streute auf Hochzeiten Blumen, zog die Lose bei der Tombola, ließ sich von jedem auf den Schoß nehmen und genoss es, dass alle es als süß, herzig, wohlgeraten und artig bezeichneten. Und die vielen Süßigkeiten und Groschen, die ihm zugesteckt wurden, gefielen ihm auch. Das kleine  Mädchen spürte, dass seine Eltern stolz waren, wenn es von anderen Menschen gelobt wurde. Und da das Kind nicht nur Fremden, sondern vor allem seinen Eltern gefallen wollte, wurde es eine Meisterin darin, stets den Erwartungen anderer gerecht zu werden. War es  doch einmal trotzig oder wütend, spürte es schnell die Enttäuschung der Erwachsenen. Es lernte schnell, Wut und Ärger als so böse zu empfinden, dass es sie aus  seinem Gefühlsleben verbannte.

 Das kleine Mädchen wuchs in einer Großfamilie mit vielen unglücklichen Menschen heran. Die Mutter war traurig, weil der Vater immer lange in der Kneipe blieb. Ihre eigene Familie hatte sie ausgestoßen, weil sie den Vater geheiratet hatte und die Schwiegereltern mochten sie nicht, weil sie aus ärmlichen Verhältnissen kam und innerhalb nur eines Jahres zwei Kinder zur Welt gebracht hatte.

Die Großmutter war unglücklich, weil sie eine schmerzhafte Erkrankung hatte. Der Großvater war verbittert, weil er seine erste Frau verloren hatte und mit Verletzungen aus den beiden Kriegen heimgekehrt war. Der Vater war unglücklich, weil seine Mutter immer den Stiefbruder vorzog, damit niemand denke, sie habe ihr eigenes Kind lieber.

Der Stiefbruder und seine Frau wohnten auch im Haus und die beiden jungen Frauen im Haushalt mochten sich nicht. Sie standen in Wettbewerb miteinander, wer die hübscheste war und wer den erfolgreichsten Mann hatte. Die Großeltern wiederum mochten den kleinen Bruder des süßen kleinen Mädchens nicht, weil dieser lebhaft und laut war.

Um ein gutes gefälliges kleines Mädchen werden zu können, braucht man eine gehörige Portion Sensibilität und die Fähigkeit zur Empathie. Unser süßes kleines Mädchen hatte die Gabe, sehr schnell Stimmungen zu spüren und es entwickelte feine Antennen für die Befindlichkeiten der Menschen in ihrer Umgebung. Es lernte früh,  was es tun oder lassen musste, um sich die Zuneigung und Zuwendung aller zu sichern und tat alles, damit nur ja niemand ärgerlich oder traurig wurde.

Die Mutter des kleinen Mädchens hätte gern ihr Leben nach eigenen Vorstellungen geführt, aber da ihr Mann noch von seinen Eltern abhängig war und sie mietfrei im Haus der Eltern lebten, musste sie tun, was die Großeltern wollten, sonst wurden diese unwirsch. Trotzdem gelang es ihr immer wieder, sich durchzusetzen, sei es, dass sie entschied, alleine mit ihren Kindern zu Abend zu essen oder sonntags einen Spaziergang mit ihnen zu machen, statt die Tanten zu besuchen.

Dies brachte das kleine Mädchen in Bedrängnis. Denn wenn sie den Großeltern erzählte, dass sie einen schönen Spaziergang mit der Mama gemacht hatte, spürte sie sofort deren Enttäuschung. Sie verspürte aber auch die Enttäuschung ihres kleinen Bruders, wenn sie wieder einmal ein schönes, großes Geschenk bekam und er nur eine Packung Lego oder wenn die Großeltern sie mit auf Besuch nehmen wollten, die Mutter sie aber gern zu Hause behalten hätte. Sie versuchte dann den Bruder zu trösten und bevor sie mit den Großeltern spazieren ging, versicherte sie der Mutter sie trotzdem lieb zu haben und während es versuchte, allen Menschen gleichzeitig gerecht zu werden, vergaß es darauf zu achten, was es denn eigentlich selbst gern wollte.

Das kleine Mädchen wuchs zu einem hübschen Teenager heran. Als es in der 2. Klasse war, starb der Großvater und der Vater begann im Alkohol mehr Halt zu finden als in seiner Familie. Er vergaß, dass er eine Tochter hatte.

Der Teenager erkannte schnell, wie sie Männern gefallen konnte und sie legte immer sehr viel Wert auf ihr Äußeres. Freundinnen waren ihr nicht so wichtig, aber sie hatte einige, die weniger hübsch waren als sie und die deshalb keine Konkurrenz darstellten.

Der Teenager war ziemlich intelligent, aber sie legte nicht viel Wert auf ihre Zensuren und  interessierte sich wenig für das, was in der Welt geschah.  Sie verfolgte ein ganz anderes Ziel, sie suchte nämlich die große Liebe. Sie fühlte sich oft einsam und leer und dachte, dass alles gut wird, wenn sie nur einen Freund findet, der sie aus ganzem Herzen liebt und sie versteht.

Fortan hing es von ihrem jeweiligen Freund ab, welchen Musik- und Kleidungsstil und welche Freizeitaktivitäten sie bevorzugte. Leider ging sie nie sehr lange mit einem Jungen, denn die meisten machten nach wenigen Wochen Schluss. Dann hatte sie einige Tage furchtbaren Liebeskummer bevor sie sich auf die Suche nach dem Nächsten machte. Schon im Alter von 15 Jahren träumte sie von einer Hochzeit in Weiß.

Der hübsche Teenager hatte neben dem Wunsch, jedem Jungen zu gefallen, auch früh ein weiches Herz für kranke und bedürftige Menschen entwickelt. Sie wollte Krankenschwester werden oder Sozialarbeiterin und wenn schon nicht die ganze Welt, dann doch ganz viele bedürftige und unglückliche Menschen retten. Sie verbrachte viel Zeit damit, zu überlegen, wie man die Welt gerechter machen könnte und sie war sich sicher, dass jeder arme, kriminelle oder süchtige Mensch ein Opfer war, das durch genug Liebe und Zuwendung gerettet werden könnte.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der hübsche Teenager  als er zu s einer hübschen jungen Frau wurde, sich zu einem Mann hingezogen fühlte, der nach außen sehr cool wirkte, aber ein großes Problem hatte. Und siehe da, dieser Mann verließ sie nicht! Er fand es toll, dass sie ihm immer wieder bestätigte, dass er wunderbar, klug und immer im Recht sei. Er war stolz auf seine schlanke, hübsche Freundin, die alles stehen und liegen ließ, wenn er sie rief. Dass diese junge Frau studierte, während er LKW-Fahrer war, machte ihn stolz, denn schließlich bestätigte sie ihm immer wieder, dass er zu Höherem berufen sei.

Im Laufe der Zeit entwickelte die junge Frau irrationale Ängste und fühlte immer häufiger eine innere Leere in sich, die sie sich nicht erklären konnte. Bis sie auf einer Party einen alten Schulkameraden traf, mit dem sie die ganze Nacht hindurch redete und der sie so viel besser verstehen konnte, als ihr Freund. Sie begann eine Beziehung mit dem alten Schuzlfreind, aber sie schaffte es nicht, sich von ihrem Freund zu trennen. Sie hatte Angst, dass er es nicht verkraften würde, wenn sie ihn verließ.  Aber der alte Schulfreund fand es nicht in Ordnung, dass sie noch mit ihrem Freund zusammen war und so erzählte sie ihrem Freund eines Tages von ihrem Schulfreund und bat ihn um Verzeihung, ihn so zu verletzen. Der Freund war wirklich traurig, aber er nahm sie nicht ernst. Er bat sie darum, Freunde bleiben zu können, brachte ihr Blumen, besuchte ihre Eltern, die ihn schon als Schwiegersohn gesehen hatten, und irgendwann hielt die junge Frau das alles nicht mehr aus. Sie suchte sich einen neuen Studienplatz weit weg in einer anderen Stadt und verließ beide Männer.

Die junge Frau wollte sich nun auf ihr Studium konzentrieren, aber es dauerte nicht lange, da traf sie ihren Ehemann. Er war kein Student, sondern eine Art Alt-Hippie, der viel reiste und seinen Lebensunterhalt durch Jobs finanzierte. Er sah gut aus und unsere hübsche junge Frau war von seiner Unabhängigkeit, seinen vielen Reisen und seiner Belesenheit beeindruckt. Er hatte allerdings ein großes Problem und die hübsche junge Frau versprach, ihm zu helfen, dieses zu lösen. Sie setzte sich für ihn ein, wo sie nur konnte, und die beiden waren bald unzertrennlich. Sie heirateten. Die junge Frau beendete ihr Studium und sie zogen in eine andere Stadt. Der Ehemann fand einen festen Job in einem Lager und die junge Frau nahm eine schlecht bezahlte Stelle als Sozialarbeiterin an.

Im Laufe der  Ehe wurde die hübsche junge Frau  immer eifersüchtiger. Ihr Mann hatte ihr von seinen Ex-Freundinnen erzählt und zeigte immer mal wieder Interesse an anderen Frauen und unsere hübsche junge Frau litt unermesslich. Schließlich suchte sie einen Psychologen auf und begann eine Therapie. Sie lernte dort, dass sie es versäumt hatte, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, weil es ihr so wichtig war, anderen zu gefallen. Er meinte, sie hätte ein Helfersyndrom und schickte sie in ein Programm für Angehörige von Alkoholikern. Unsere hübsche junge Frau konzentrierte sich nun darauf zu genesen. Sie hatte manchmal Zweifel, ob ihr Ehemann der richtige Mann für sie sei, aber diese Gedanken drängte sie schnell beiseite. Sie wurde schwanger.

Nun begann eine sehr glückliche Zeit. Der Ehemann erwies sich als guter und fürsorglicher Vater, der auch im Haushalt mit anpackte. Die hübsche junge Frau schloss viele Freundschaften mit anderen Müttern und als sie nach dem Erziehungsurlaub wieder an den Arbeitsplatz zurückkam, wurde sie schnell befördert und verdiente mehr Geld. Ihr Ehemanns begann eine Ausbildung und beide beschlossen, ein zweites Kind zu bekommen.

Bald nach der Geburt des 2. Kindes begann der Ehemann immer häufiger, am Wochenende alleine auszugehen. Er brauche den Kontakt zu seinen Fußballfreunden, sagte er, und die hübsche junge Frau akzeptierte das. Doch dann, eines Tages, kam der Ehemann erst am nächsten Morgen nach Hause und es dauerte nicht lange, bis er seiner Frau eröffnete, dass er sich eine offene Ehe wünschte. Die junge Frau stimmte zu und fortan verschwand der Ehemann übers Wochenende, während die junge Frau mit den Kindern zuhause war. Nach einiger Zeit kam es zur Trennung und Scheidung.

Der hübschen jungen Frau gefiel es, alleine mit den Kindern zu leben. Sie fand einen neuen, gut bezahlten Arbeitsplatz und machte Karriere. Sie hatte viele Freundinnen, die auch allein erziehend waren. Die Kinder entwickelten sich prächtig und oft waren noch andere Kinder bei ihr, deren Mütter auch viel zu tun hatten.

Als die Kinder beinahe Teenager waren, lernte die nun nicht mehr so junge, aber attraktive Frau einen neuen Mann kennen. Er kam aus dem hohen Norden und weil er an keinen festen Arbeitsort gebunden war, konnte er in ihr Land ziehen. Die beiden beschlossen, sich gemeinsam mit den Kindern ein neues Leben auf dem Lande aufzubauen.

Nun hatte nicht mehr so junge, aber attraktive Frau hatte alle Hände voll zu tun. Ihr neuer Partner fand, dass ihre Kinder nicht so gut erzogen waren, wie er es sich vorstellte und die Kinder waren unglücklich, weil sie auf dem Land leben sollte.

Ihrem Partner versprach sie, den Kindern beizubringen, nicht mehr mit schmutzigen Füßen durchs Haus zu laufen. Sie tat, was sie konnte, um ihren Kindern zu helfen, sich einzuleben und ihnen zu zeigen, dass sie sie noch genauso liebte wie vor ihrer neuen Partnerschaft. Den Kindern des neuen Mannes versuchte sie eine gute Stiefmutter zu sein, wenn sie in den Ferien kamen.

Ganz nebenbei erledigte die nicht mehr so junge und zunehmend kettenrauchende attraktive Frau einen Vollzeitjob und kümmerte sich um einen großen Garten und Haus. Sie litt darunter, dass ihre Kinder und der neue Mann ein distanziertes Verhältnis behielten und wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, dann widmete sie ihre Zeit und Aufmerksamkeit ausschließlich den drei Menschen. Sie vermittelte zwischen ihrem neuen Mann und den Kindern, sie vermittelte zwischen den Kindern, sie vermittelte zwischen dem Kind, das seine Wut in der Schule raus ließ und dem Lehrer, und als ihr Partner Schwierigkeiten mit seinem Sohn bekam, vermittelte sie auch da. Sie tat alles, um jedem gerecht zu werden. Für den einen bereitete sie einen deftigen Schweinebraten, den anderen holte sie spät in der Nacht vom Zug ab, dem dritten massierte sie den Rücken, sie plante die Wochenenden so, dass jeder auf seine Kosten kam

Die Jahre vergingen und die Frau bekam Probleme mit der Gesundheit. Sie hörte auf zu rauchen, aber dafür nahm sie ganz fürchterlich viel zu. Die Zeiten, in denen sie sehr auf ihr Äußeres achtete, waren vorbei. Unauffällig und  praktisch war nun angezeigt.

Während die Kinder immer selbständiger wurden, hatte sich die nicht mehr junge und dicke Frau auf ihren Job konzentriert und war sehr erfolgreich geworden. Aber sie war zunehmend erschöpft, wurde immer dicker und fühlte sich nicht glücklich. Sie vermisste ihre Kinder, die nun ausgezogen waren und sie wusste mit sich selbst nicht recht was anzufangen.

So beschloss sie, sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen und sich ein Hobby zu suchen. Sie begann einen Blog zu schreiben……..