Diät-Mythen: Die Abnehm-Anleitung für alle gibt es nicht | Wissen | ZEIT ONLINE

 

Diät-Mythen: Die Abnehm-Anleitung für alle gibt es nicht | Wissen | ZEIT ONLINE.

Dieser Artikel spiegelt meinen eigenen Ansatz zum Abnehmen recht gut. Geradezu glücklich macht mich aber der letzte Absatz. Dort wird mit dem Mythos, dass eine gesunde, schlank machende Ernährung mit einem reichhaltigen Frühstück beginnt, aufgeräumt.

Ich frühstücke seit meiner Schulzeit nicht mehr. Ausgenommen, im Urlaub oder wenn wir Besuch haben, der morgens sein Frühstück braucht. Ich fühle mich wohl mit einem Milchkaffee und der Hunger stellt sich dann gegen Mittag ein. Meine Hauptmahlzeit nehme ich am Abend ein, meistens nach 20.00 Uhr. Ich vertrage das gut, ich schlafe tief und fest und fühle mich beim Aufwachen wohl. So habe ich auch in meinen schlankesten Zeiten gelebt.

Wenn ich dann doch mal frühstücke, dann habe ich den gesamten Tag über Heißhunger, esse viel mehr als sonst und fühle mich meist auch noch schlapp und müde. Die „Energie für den ganzen Tag“ habe ich wahrscheinlich am Vorabend zu mir genommen.

Mit diesem Essverhalten stoße ich ständig auf Kritik von meiner Umwelt. Meine beste Freundin Clio liegt mir ständig in den Ohren, dass Essen am Abend zwangsläufig zu Übergewicht führt, besonders in unserem Alter. Sie isst nach 18.00 Uhr grundsätzlich keine Kohlenhydrate mehr und zählt auch sonst streng Kalorien und hält so ihr Gewicht.

Für mich wäre das nichts. Ich liebe meine warme Mahlzeit am Abend und meinen Milchkaffee am Morgen. Und genau das bestätigt mir dieser Artikel: langfristiges Abnehmen klappt nur, wenn man seine persönlichen, ganz individuellen Vorlieben berücksichtigt.

 

Es geht nicht nur ums Essen

Mein Rückfall in altes, vertrautes Verhalten hat mir noch mal deutlich gemacht, dass mein ungesundes Essverhalten im Wesentlichen durch zwei Faktoren ausgelöst wird:

Erstens: Zucker:

Ich habe schon lange den Verdacht , dass  Zucker bei mir Fressattacken und fast schon suchtartiges Verhalten und Denken bei mir auslöst. Schon eine kleine Praline kann dazu führen, dass ich kurz darauf immer mehr Appetit  auf Naschzeug und fettigem Essen bekomme. Ich werde richtig unruhig und es ist mir schon passiert, dass ich spät am Abend, als der Kiosk schon zu hatte und ich spät arbeiten musste, sämtliche Schränke in unserer Abteilung durchsucht habe, um irgendwie an Süßes zu kommen.

Meist beginnt der Kreislauf aber schon, wenn ich zum ersten Stück greife. Dann flüstert mein gieriges Ich: „so dick bist Du doch gar nicht“. „Ay, du bist 52, da ist es doch egal, da sind doch fast alle dick“, oder „guck mal Renate an, die wiegt auch so viel wie Du und sieht doch gar nicht so schlecht aus“ oder,  „nur heute, einen Tag darf man ruhig mal über die Stränge schlagen“ usw. usw.

Zweitens: Psychischer Stress:

Wenn ich viel zu tun habe, meine Arbeit gut schaffe, dabei in einen Flow komme, dann denke ich überhaupt nicht an Essen.

Anders ist es, wenn ich viel zu tun habe, dabei ständig unterbrochen werde, es Konflikte zwischen den Mitarbeitern oder mit den Mitarbeitern gibt, wenn dann noch andere unerfreuliche Dinge hinzukommen, wie Schlafmangel, unerwartet hohe Rechnungen, nörgelnder Mann, Anrufe von meiner Mutter zur denkbar schlechtesten Zeit, viele Termine am Abend. Womöglich noch gepaart mit hormonbedingten Stimmungsschwankungen. Das geht ein paar Tage gut, wenn dieser Zustand aber über längere Zeit anhält und an den Wochenenden aufgrund von familiären und sonstigen Verpflichtungen keine Zeit bleibt, mein Gleichgewicht wieder zu finden, dann kann ich dem ersten Stück Schokolade nur schwer widerstehen. Gleichzeitig wächst mein Bedürfnis nach fettreicher, deftiger, warmer Nahrung.

Es reicht also nicht, einfach nur Zuckerhaltiges aus dem Speiseplan zu streichen und Bewegung und Sport in den Alltag zu integrieren.

Gleichzeitig gilt es, herauszufinden, wie ich in stressigen Zeiten, die ja zu jedem Leben dazugehören, mein Gleichgewicht behalten kann. Es sind ja weniger die äußeren Umstände, als meine Art, mit ihnen umzugehen, die den Stress auslösen. Im Verdacht habe ich da mein Bedürfnis nach Kontrolle, Angst vor Versagen und Ablehnung, hohe Leistungsorientierung, übermäßiges Harmoniebedürfnis, Tendenz zur Selbstverleugnung, wenig Übung, die eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen und generell die Neigung, alles andere und alle anderen für wichtiger zu halten, als mich selbst gepaart mit dem Größenwahnsinn, dass ich die Einzige bin, die alles richtig machen kann.

Nun ja, Selbsterkenntnis ist mir noch nie sonderlich schwer gefallen, die Kunst besteht jedoch darin, die schädigenden Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensmuster in positive neue zu verwandeln und – das ist für mich die  noch größere Hürde –  das eigene Verhalten dann auch entsprechend zu ändern.

Ich werde es üben….

Tag 16 – ich bin zufrieden mit mir

Was habe ich bislang verändert?

  • 15 bis 20 Minuten walken in der Mittagspause
  • mindestens einmal 3 Stockwerke Treppensteigen am Tag
  • seit Montag weder Eis, Schokolade, Kekse oder Kuchen gegessen

Das ist mir nicht ganz leicht gefallen.

An meinem Arbeitsplatz ist es üblich, dass das Team mittags gemeinsam  isst.  Das machen wir schon seit Jahren und es ist ein festes Ritual geworden. Reihum kocht jemand, hin und wieder holen wir was vom Imbiss. Leider ist das Essen oft fettreich und es gibt fast immer Fleisch. Zum Nachtisch ist es üblich, dass reihum jemand Kuchen, Schokolade oder Eis ausgibt.

Eigentlich ist das eine schöne Sache, aber mir fällt es schwer, mich beim Essen abzugrenzen. ‚Nein‘ zu sagen, wenn mir eine zweite Portion angeboten wird (ich will doch den Koch nicht enttäuschen), oder der Schokolade zu widerstehen. Da alle deftiges Essen bevorzugen, fällt es mir schwer, meinen Wunsch nach Salat und leichte Kost zu äußern.

Wenn ich abnehmen will, werde ich auch mein Essverhalten in der Mittagsrunde ändern müssen. Dieser Gedanke macht mir noch Angst, es fällt mir schwer, meine Rolle der Frau, die gern zugreift, aufzugeben.

Und deshalb ist es für mich ein großer Erfolg, während der ganzen Woche dem Nachtisch widerstanden zu haben. Die Schokolade weitergereicht zu haben, ohne auch nur ein winziges Stückchen zu nehmen. „Danke, ich möchte kein Eis“, zu sagen, als Peter am Freitag eins ausgab.

Und ganz ehrlich, es war gar nicht so schwierig.