Meine neuen Listen

Bei uns im Norden regnet es seit Tagen fast ununterbrochen. Ich hatte die letzten Tage Urlaub  und mit jedem weiteren Regentag drohte meine Stimmung endgültig in den Keller zu gehen. Statt meinen Garten zu nutzen, habe ich alte Zeitschriften aussortiert und dabei sind mir einige Artikel zum Thema „Glück“ ins Auge gefallen. Dazu gibt es natürlich unendlich viel zu schreiben und zu lesen, aber mir gefiel der Ratschlag zweier Autorinnen,  eine Liste mit Dingen und Aktivitäten zu erstellen, die mir, der Leserin, ein Glücksgefühl vermitteln. Diese Liste sollte mindestens 20 Punkte, so die eine Autorin,  oder 30, so die andere Autorin, enthalte

Diese Liste sollte man sich   immer wieder vor Augen halten, und dafür sorgen, diese Aktivitäten oder Dinge so oft wir nur möglich auch zu tun bzw. zu genießen. Viele kleine Glücksmomente vermitteln ein Gefühl der Zufriedenheit mit dem Leben. Gleichzeitig übt man, Verantwortung für das eigene Wohlergehen zu übernehmen.

Nun, ich  habe mir eine Liste erstellt und schon beim Schreiben war ich ich mich immer weniger über  Dauerregen und die Kälte  verstimmt, sondern begann richtig gute Laune zu kriegen.

Gleichzeitig sind mir in diesem verregneten Urlaub aber auch einige meiner Verhaltensweisen aufgefallen, die garantiert dazu führen, dass ich mich mies, klein und vom Leben schlecht behandelt fühle und die meist mit dem Griff in den Kühlschrank endeten. Also habe ich auch von diesen eine Liste erstellt.

In den kommenden Wochen werde ich Euch immer mal wieder einen Punkt von jeder dieser Liste vorstellen und ich bin mir sicher, dass Euch die meisten recht bekannt vorkommen.

Ich habe mir nun vorgenommen, möglichst viele Punkte der Positiv – Liste in mein Leben zu integrieren. Verhaltensänderung ist ja der Schlüssel zum Abnehmen, und wie schon erwähnt, wenn ich glücklich bin, lässt mich Schokolade kalt.

Abnehmen ist ganz einfach – eigentlich

 Ich habe genug über gesunde Ernährung gelesen, um zu wissen, wovon ich mich fern halten sollte. Gesunde Öle, Tomaten, Olivenöl und viel Gemüse und Salat essen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Vollwertige Getreideprodukte und Kartoffeln speisen, damit ich genügend Ballaststoffe bekomme. Meinen Eiweißbedarf mit magerem Fisch und Fleisch  decken. Genügend magere Milchprodukte verzehren, um nicht unter Kalziummangel zu leiden. Broccoli regelmäßig in den Speiseplan aufnehmen, da er Krebserkrankungen verhindert. Paprika essen, um viel Vitamin C zu bekommen, Spargel, um zu entwässern, Äpfel wegen der Pektine und Nüsse, weil sie so gesund sind. Abends sollte ich Kohlenhydrate meiden, morgens königlich frühstücken. Mittags etwas Leichtes essen. Auf Genuss sollte ich ebenfalls nicht verzichten. Ein Stück dunkle Schokolade hin und wieder schadet nicht und  hebt die Laune, ebenso wie Bananen, wegen dem Serotonin.

Ja, ich bin bestens informiert.

Mir ist bewusst, dass ich mich täglich mindestens 30 Minuten sportlich betätigen sollte, um gesund zu bleiben. Regelmäßiger  Ausdauersport zusammen mit zwei Trainingseinheiten im Fitnessstudio zum Muskelaufbau sind  da ideal. Dazu Bewegung in den Alltag einbauen. Mich zu Fuß zu meinem Büro in den 7. Stock quälen,  und jeden Brief persönlich zum Briefkasten bringen. Beim Zähneputzen   Kniebeugen machen und wenn mein Hund am Wegesrand schnüffelt,  mit den Schultern rollen. Ganz einfach und sehr effektiv.

Um dem stressigen Alltag etwas entgegenzusetzen, bietet es sich zudem an, eine Entspannungstechnik zu erlernen. Yoga oder Qui Gong. Diese sollte ich dann natürlich auch regelmäßig praktizieren und um meine innere Mitte stets zu wahren,sollte ich noch regelmäßig meditieren.

Ich habe gelernt, dass ausreichender Schlaf nicht nur für weniger Falten, sondern auch für die Gewichtsregulation wichtig ist, und dass negativer Stress mein Hormonsystem derart aus dem Gleichgewicht bringt, dass eine Gewichtsabnahme unmöglich ist.

Ja, ich weiß, was ich tun sollte und worauf ich achten sollte, um endlich 20 kg leichter zu werden. Warum fällt es mir dann bloß so verdammt schwer?

Kleine Schritte

Das letzte Wochenende habe ich mit meiner besten Freundin Regine verbracht. Als ich sie vor über 20 Jahren kennen lernte, war sie dick. 20 Jahre hat sie vergeblich versucht, ihr Gewicht in den Griff zu bekommen. Nun hat sie durch ein konsequentes Diätprogramm innerhalb von sechs Monaten 20 kg abgenommen. Sie ist sehr, sehr stolz darauf, nun wieder die Kleidung, die ihr gefällt, statt  die, die sie am besten verhüllt, tragen zu können. Unsere  Gespräche kreisten um  Ernährungsphilosophien, Gewicht, Abnehmen, Aussehen und Selbstachtung. 

Regine nimmt kein Blatt vor den Mund und  sie hat mit  mir geschimpft. Ich sei nicht mehr ich selbst!  Würde mich gehen lassen, würde so langsam zur Landpomeranze verkümmern.

Wie recht sie hat.

Ich habe mich in den letzten 10 Jahren verändert. Beruflich habe ich mich auf eine neue Zielgruppe eingelassen,  habe eine Leitungsfunktion übernommen, die Arbeitszeiten sind länger geworden. Ich bin aufs Land gezogen, von einer Drei-Zimmer-Wohnung in einem Szeneviertel in einen kleinen Ort mit 3000 Einwohnern in einem strukturschwachen Gebiet. In ein Eigenheim mit großem Garten, der ständige Aufmerksamkeit fordert. In eine Gegend, wo die Menschen im Alltag nicht viel Wert auf ihr Äußeres legen.

Meine Freundin lebt weiterhin in diesem Szeneviertel und ich gebe zu, ich sehne mich manchmal danach zurück. An das bunte Treiben, die vielen kleinen Läden, die Kneipen, die Menschen, die sich alle soviel Mühe geben, politisch korrekt, ökologisch orientiert und dabei noch individuell zu sein. An die schönen Parks, die Spielplätze, die Bioläden, die Straßenfeste. Das Gefühl, in der Mitte des Geschehens zu sein.

Hier auf dem Land, fühle ich mich manchmal isoliert, bin nicht mehr auf dem Laufenden, weiß nicht, was grade angesagt ist. Und doch möchte ich nicht zurück in die Stadt. Ich habe einen Hund. Die langen Spaziergänge mit ihr durch die Wälder und die Feldmark sind mir wichtig geworden, sie tun mir gut, sie geben mir Ruhe und helfen mir, meine Gedanken zu sortieren. Ich bin glücklich, dass ich von Grün umgeben bin, jederzeit raus kann, keine Autos vor der Tür habe und keinen Stress bei der Suche nach Parkplätzen. Es ist schön, keinen Vermieter zu haben und freundliche Nachbarn, die sich nie darüber beschweren, dass sie jeden unserer Schritte hören müssen.

Meine Kinder sind erwachsen geworden, erst der eine, dann der andere ist ausgezogen, nicht etwa um die Ecke, sondern weit mehr als 100 km von mir entfernt. Zuerst habe ich sie furchtbar vermisst und war traurig, habe mich zurück gesehnt nach der Zeit, als sie klein waren.  Jetzt schätze ich die Zeit, die ich wieder  für mich habe und lerne, sie für mich zu nutzen. 

Mein Körper hat sich verändert, ich bin steif und unbeweglich geworden. Yoga geht nur noch mit Hilfsmitteln, die Zeiten, als ich  ganz selbstverständlich die Beine hinter dem Kopf auf den Boden aufsetzte, sind unwiderruflich vorbei. Ich nehme nicht mehr so schnell ab wie früher, die Gesichtskonturen werden weicher, statt auf der Hüfte, landet das Fett nun auf dem Bauch.

Meine Partnerschaft hat sich verändert. Vor 10 Jahren waren wir noch auf Wolke 7, frisch verliebt. Heute sind wir vor allem gute Freunde, Partner eben.

Ich rauche nicht mehr, doch die Suchtstruktur ist geblieben. Sie hat sich aufs Essen verlagert und ich bin dick geworden, bin schon über 5 Jahre so dick. Essen als Mittel zur Stress- und Frustbewältigung, aus Langeweile, aus Freude, zur Belohnung oder um mir etwas Gutes zu tun. 

Ja, ich habe mich verändert. Ich bin nicht mehr die, die ich vor 10 Jahren war, als ich 20 kg weniger wog. Mein Gewicht mag diese Veränderung spiegeln. Ein Teil dieser Veränderung ist jedoch auch, dass ich mich nicht mehr über mein Gewicht und mein Aussehen definieren will. Immerhin habe ich einiges im Leben geschafft, habe studiert, im Ausland gelebt, zwei Kinder weitestgehend alleine groß gezogen, mich in meinem Beruf entwickelt und einige Lebenskrisen überstanden. Es wäre traurig, mein Selbstwertgefühl von meinem Gewicht abhängig zu machen.   Ebenso sicher ist , dass ich auch mit 20 kg weniger nicht mehr die sein werde, die ich vor 10 Jahren war.

Ja, ich wäre gern wieder schlank. Aber nicht, um wieder die zu sein, die ich einmal war, oder um anderen zu gefallen, sondern um unbeschwerter durchs Leben zu gehen. Wenn ich abnehme, dann weil ich weiter persönlich wachse. Lerne, mir weniger Stress zu machen, gelassener zu werden, mich mit anderen Dingen zu belohnen. Also, auch weiterhin keine Diät! Wie das bei persönlicher Entwicklung nun mal so ist, geht es auch künftig  mit sehr kleinen Schritten  voran.