Nächster Schritt

Nachdem ich jetzt schon die zweite Woche jeden Tag in der Mittagspause 15 – 20 Minuten spazieren gehe, beginne ich nun  mit dem Treppensteigen.

Mein Büro ist im 7. Stock und mein Ziel ist es, zu Fuß oben anzukommen, ohne wie eine Dampflock zu schnaufen. Bis in den 3. Stock schaffe ich es, allerdings bin ich dann schon ziemlich außer Atem.

Zurzeit fällt es mir leichter, zusätzlich Bewegung in meinen Alltag zu integrieren, als meine Ernährungsgewohnheiten zu verändern.

Von dem Gedanken, in kurzer Zeit viel abzunehmen, habe ich mich schon lange verabschiedet. In den letzten Jahren habe ich Weight Watchers ausprobiert, tatsächlich auch 6 kg abgenommen, und innerhalb von 4 Wochen wieder zugenommen. JoJo-Effekt auch bei Almased und FdH (Friss die Hälfte). Nach jeder Diät wog ich wenige Wochen später mehr als zuvor, obwohl ich mich jedesmal bemüht habe, fettarm, ballaststoffreich und möglichst zuckerfrei zu essen. Wirklich!!!

Mein Spaziergang in der Arbeitspause tut nicht nur meinem Körper gut. Ich bin hinterher entspannter, beim Gehen wird der Kopf wieder frei und ich bekomme Abstand zu den Geschehnissen in der Einrichtung. Das tut gut, und wenn es mir gut geht, habe ich weniger Appetit.

Mal sehen, wie mir das Treppensteigen am Morgen und zwischendurch (nach dem Spaziergang) bekommt. Mein Physiotherapeut behauptet ja, dass jede Treppenstufe, die wir hinauf gehen, unser Leben um 1 Sekunde verlängert. Also, das motiviert mich. Beim Spaziergang nachher werde ich mal ausrechnen, wie viele Stufen ich gehen muss, um 1 Woche zusätzliche Lebenszeit zu gewinnen 😉

Es geht nicht nur um Kalorien

Mehr Bewegung und weniger Kalorienzufuhr sind zwar die Grundvoraussetzungen, um das Gewicht zu reduzieren, aber um das Essverhalten auf Dauer zu verändern und Rückfälle in alte Verhaltensmuster zu vermeiden gehört noch mehr dazu.

Abnehmen hat etwas mit Selbstfürsorge zu tun. Mit Selbstachtung und mit Selbstliebe.

Ein Grund für meine Gewichtszunahme ist mit Sicherheit der Stress, den ich mir in den vergangenen Jahren teilweise auch selbst geschaffen habe. Ich neige zum Überfunktionieren, übernehme gern die Verantwortung für alles. Bevor ein Mitarbeiter einen Fehler begeht, nehme ich das Ganze lieber selbst in die Hand. Dumm, denn so lernt er nichts, aber typisch für mich.

Bei neuen Projekten bin ich die erste, die ihre Mitarbeit anbietet. Ich bin mit Leib und Seele bei der Arbeit und vergesse mich dabei oft selbst.

Irgendwann, meist in den Nachmittagsstunden, überkommt mich der Heißhunger. Bei uns im Hause gibt es einen Kiosk, der alles bereit hält, was bei niedrigem Blutzucker Freude macht: Schokoriegel, Franzbrötchen, Eis und Cola.

Ich bin Stammkundin in diesem Kiosk. Die Süßigkeiten verschlinge ich meist schon auf dem Weg ins Büro, und dann setze ich meine Selbstausbeutung fort.

Dieses Verhalten ist mir seit einiger Zeit bewusst, aber bislang ist es mir nicht gelungen, das Muster auf Dauer zu unterbrechen. Ich vernachlässige meine Bedürfnisse und kompensiere sie mit Essen. Ich laufe acht oder neun Stunden auf Hochtouren, und, das muss ich an dieser Stelle deutlich sagen, niemand zwingt mich dazu.

Es ist mir zur Gewohnheit geworden, die vermeintlichen Bedürfnisse anderer (Arbeitgeber, Klient, Kollege, Kunde usw.) vor meine eigenen zu stellen. Während ich andere ermutige, sich abzugrenzen, sich Zeit zu nehmen, gut zu sich zu sein, missachte ich meine Bedürfnisse in hohem Maße.

Um wirklich abzunehmen, werde ich lernen müssen, auf mich zu achten. Sorgsam, behutsam und liebevoll mit mir umzugehen. Bezogen auf meine Arbeit bedeutet dies, delegieren zu lernen, gelassener zu werden, mein Kontrollbedürfnis aufzugeben. Es bedeutet, für mich selbst sorgen zu lernen. Pausen zu machen, wenn ich müde werde. Mir frische Luft und Bewegung zu gönnen, um Stress abzubauen. Obst, Nüsse oder Rosinen mitzunehmen und auch zu essen, bevor mich der Jieper auf Süßigkeiten anfällt.

Nun geht es darum, die Erkenntnis in die Tat umzusetzen!