Wie die Zeit vergeht

Oh je, mit Schrecken stelle ich fest, dass ich den ganzen Februar über nichts geschrieben habe und wir nun schon Mitten im März sind. Wo ist nur die Zeit geblieben?

Die meisten Menschen kennen das Gefühl, dass die Zeit mit zunehmenden Alter immer schneller zu vergehen scheint. Dafür ist unser Gedächtnis verantwortlich. Neue und emotionale Situationen und Erlebnisse prägen sich tiefer ins Gedächtnis ein. Je mehr Neues wir erleben und je emotionaler unsere Erfahrungen sind, desto mehr erinnern wir und desto länger kommt uns die Zeitspanne vor. Routinen, feste Abläufe und Langeweile hingegen mögen sich im Moment wie eine Ewigkeit anfühlen, aber sie hinterlassen keine tiefen Spuren im Gedächtnis und irgendwann stellen wir fest, dass Weihnachten schon wieder eine Ewigkeit her ist und Ostern vor der Tür steht.

Ich weiß nicht, ob diese Theorie, die der Psychologe Marc Wittmann vertritt, auf jeden Menschen zutrifft. Schaue ich mir die letzten Wochen an, dann ist bei mir viel passiert. Aber natürlich, ich bin schon älter, und anders als bei einem Kind, für das noch ganz viel neu ist, habe ich ähnliche Situationen schon oft erlebt. Wieder mal hat ein Mitarbeiter gekündigt, ein Klient sich beschwert und die doofe Kollegin aus dem 2. Stock eine neue Intrige angezettelt. In der Familie gab es Krach, es gab Besuch, es gab Familienfeiern, und ich hatte zwei Wochenendseminare. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und für meine Blogs blieb keine Zeit.

Obwohl es auch mir so erscheint, als verstreiche mein Leben in Windeseile, macht mir vor allem das Gefühl zu schaffen, nie genug Zeit zu haben. Ich frage mich, wie ich früher Kinder, Haus, Vollzeitjob, Hund, Mann, Sport, Freundschaften und Hobbys unter einen Hut gebracht habe.

Heute komme ich nach Hause, gehe eine Runde mit dem Hund, erledige das Einkaufen und Kochen und danach ruft das Sofa. Nach 12 Stunden außer Haus fehlt mir die Energie für andere Aktivitäten. Klar, hin und wieder treffe ich nach der Arbeit noch eine Freundin, und ich gehe regelmäßig zum Sport. Aber das ist es dann auch.

Dann kommen die Wochenenden. Endlich Zeit für all das, was mir so richtig Spaß macht. Ich habe Lust auf 1000 Sachen: am Blog arbeiten, im Garten was gestalten, ein neues Bild anfangen, mich mit Fotografie beschäftigen, mal neue Rezepte ausprobieren, Ausflüge machen, Zeit mit meinem Mann verbringen, mit Freunden und Familie zu telefonieren, einen Waldspaziergang mit dem Hund machen, einen Film sehen, in eine Ausstellung gehen, die Hausaufgaben für den Sprachkurs machen, und, und, und…..

Es gibt so viele Dinge, die ich gern tun möchte, aber die Zeit ist zu knapp für alles. Und dann gibt es ja auch noch Pflichten und Notwendigkeiten, wie neue Schuhe kaufen, zum Frisör gehen, Fenster putzen und Familienfeiern.

Also, Frust akzeptieren, Prioritäten setzen.

Aber ach, das fällt mir so schwer. Ich mag all diese Dinge und ich möchte auf nichts verzichten. Und deshalb habe ich für mich damit arrangiert, dass ich an jedem Wochenende zwei oder drei dieser Dinge wähle, meist Wetter abhängig,  und sie dann mit ganzem Herzen mache. So treffe ich mich eben nur alle paar Wochen mit meiner Lehrerin zum Malen und schreibe nur alle vier Wochen einen Artikel für diesen Blog, dann darf der Garten manchmal ein bisschen verwildern und bis ich fließend Norwegisch spreche, werden wohl auch noch ein paar Jahre vergehen. Dafür habe ich jedes Wochenende etwas getan, was mir Freude macht.

Die Zeit vergeht dabei immer noch wie im Fluge, aber ich tröste mich damit, dass ich, so Gott will, irgendwann ins Rentenalter eintrete. Da verstreicht die Zeit für viele Menschen nämlich wieder langsamer. Wer diesen Lebensabschnitt nutzt, um bislang unbekannte Erfahrungen zu sammeln oder sich politisch oder sozial für eine Sache zu engagieren, der hat viele neue und emotionale Erlebnisse und die Zeit vergeht wieder langsamer. Bei allem Neuen bleibt dann immer noch Zeit für die vielen zu kurz gekommenen Hobbys. Ja, so stelle ich mir das vor, wenn ich mal nicht mehr arbeite und bis dahin mache ich aus der kostbaren freien Zeit eben das Beste.

7 Gedanken zu “Wie die Zeit vergeht

  1. trina59 20. März 2015 / 08:42

    Danke! Ich freu mich, dass Du mich gefunden hast! Viele Grüße,Trina

  2. Martin 20. März 2015 / 07:50

    Hallo, bin über deinen Lebensvielfalt Blog hier gelandet.
    Schön das Du uns doch noch weiter an deinen Gedanken teilhaben lässt!
    Gruß
    Martin

  3. Kerstin 12. März 2015 / 17:01

    Sehr schön, ist mir wie aus der Seele und dem Herzen gesprochen. Liebe Grüße, Kerstin. Hoffe, dass ich nicht die Kollegin aus dem 2. Stock bin. Da sitze ich nämlich auch 😉

  4. trina59 9. März 2015 / 05:34

    Du hast ja Recht. Das Leben ist so bunt und so vielfältig und bietet so viele Möglichkeiten, sich zu erproben und zu entfalten, da finde ich es manchmal schwer, mich auf Weniges zu begrenzen. Am liebsten würde ich alles auf einmal haben: Leben auf dem Land, und Leben in der Großstadt, Beschauliches und Spannendes, Neues, Aktivitäten und Faulenzen usw. usw.
    LG und eine gute Wünsche!

  5. freiedenkerin 8. März 2015 / 20:02

    Dann sieh aber zu, dass du in ein paar Jahren nicht dem vielzitierten Rentnerstress anheim fällst. 😉
    Es ist nie Zeit genug, wenn man sich viele Aufgaben stellt und viele Ziele setzt. Wenn man diese auf die wichtigsten Dinge, auf die Dinge, die man wirklich am liebsten tut, die einem überaus viel bedeuten, die einem auch wirklich geben, dann stellt man plötzlich fest, dass man mit einem Male wieder mehr Zeit und weniger Stress hat. 😉
    Liebe Grüße!

  6. trina59 8. März 2015 / 16:40

    Genau so ist es. Das Hamsterrad läuft immer schneller, weil wir schon so lange darin rumturnen, aber die Tage, an denen wir frei davon sind, sollten wir wirklich öfter mal was ganz anderes machen als sonst. ich kennen das auch, mehr zu schaffen, wenn ich nicht alles genau plane. Wünsche dir einen spannenden Sonntag! LG Trina

  7. Gabi 8. März 2015 / 15:45

    Ja, ich glaube wirklich, es hängt mit dem immer gleichen Trott zusammen… für diese Theorie spricht, dass ein kleiner Ausbrauch aus dem Hamsterrad einem oft nachhaltig im Gedächtnis bleibt und man nach einem Ausflug oder Museumsbesuch oder ähnlichem endlich mal wieder das Gefühl hat, was erlebt zu haben….
    Auch stelle ich bei mir fest, dass ich, wenn ich meinen Tag nicht minutiös durchgeplant habe, eher das Gefühl habe, viel geschafft zu haben, als wenn ich einem vorgefertigten Ablaufplan folge…. dem hinkt man nämlich meist hinterher….
    Ja, es liegt auch am Älter werden. Früher dachte man, man lebt ewig, heute ist einem die Endlichkeit doch sehr bewusst….
    Lieben Gruß
    Gabi

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