Dies und das

7 Wochen ohne Süßigkeiten neigen sich dem Ende zu

Ich habe mich an der Fastenaktion der evangelischen Kirche beteiligt und 7 Wochen weder Kuchen, Eis, Süßigkeiten oder stark gesüßte Sachen gegessen (einzige Ausnahme: 1 Portion Tomatenketchup).  Am Ende dieser 7 Wochen stelle ich fest, dass  meine Lust auf Süßigkeiten verschwunden ist. Sie lassen mich kalt. Ich kann im Café sitzen, ohne dass mich nach einem Stück Kuchen gelüstet. Seit Tagen schon liegen hier Schokoladenostereier herum, sogar die guten mit Milchcreme, und ich bin nicht mal in Versuchung. Mir ist aufgefallen, dass  im Laufe dieser 7 Wochen auch die anderen Essgelüste weniger geworden sind. Morgen, am Ostersonntag, und Montag werde ich Kuchen und Schokoeier essen und ich freue mich darauf. Danach werde ich Süßes wieder aus meinem Speiseplan streichen.  Es gelingt mir leichter, ganz auf Süßes zu verzichten, als hin und wieder kontrolliert ein bisschen davon zu essen.

In den ersten Wochen „ohne“ habe ich nicht abgenommen, aber in den letzten beiden  Wochen bin ich dann ohne weitere Anstrengungen zwei Kilo losgeworden. Ein gutes Gefühl!

Theo

Am vergangenen Wochenende waren mein Mann und ich bei Theo und Alma zu Besuch. Den beiden geht es recht gut. Theo schimpft zwar oft, wenn er zur Tagesstätte abgeholt wird, aber dann kommt er doch ausgeglichen und zufrieden nach Hause. Der Pflegedienst entlastet Alma bei der Medikamentengabe und bei Theos Hygiene, sodass sie deutlich entspannter und gesünder wirkt als vor einigen Wochen.

Theo konnte sich nicht mehr an die Zeit erinnern, die wir bei ihm verbracht haben. Er sprach mich mal mit dem Namen meiner Mutter an, mal wusste er gar nichts mit mir anzufangen. Meinen Mann fragte er immer wieder nach dem Angelzeug, auch ihn verwechselte er mit Personen aus der Vergangenheit. Dank seiner neuen Medikamente schläft Theo nachts   durch und ist tagsüber deutlich ruhiger. Er sitzt gern in seinem Sessel und hört alte Schlager.

Frau Mandel und Frau Pelle

Frau Mandel hat nun deutlich mehr Aufgaben bekommen und ein neues Büro, das nicht mehr in der „Chefetage“ liegt. Sie macht weiterhin sehr, sehr gute Arbeit und erfreut sich großer Beliebtheit. Frau Pelle hat sich ebenfalls als „Perle“ erwiesen. Sie lernt sehr schnell und taut langsam auf.

Ich bin schon sehr beeindruckt von diesen jungen Frauen, die so genau wissen, was sie wollen. Als ich vor gut dreißig Jahren studierte, hatte ich noch das Anliegen, die Welt zu verbessern. Soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Abrüstung waren unsere Themen. Ich studierte gern, aber ich machte mir wenig Gedanken über das, was nach dem Studium kommen könnte. Keine gezielten Praktika, kein Druck, in möglichst kurzer Zeit mein Diplom zu machen, sondern viele Demonstrationen, Partys (auf denen geredet und seltenst getanzt wurde) und hitzige Diskussionen in der Studentenkneipe. Neben dem Pädagogikstudium noch ein paar Abstecher zu den Slawisten  und Literaturwissenschaftlern, aber nur aus Interessen, nicht wegen der Scheine.

Der Einstieg ins Arbeitsleben ist trotzdem gelungen, mit Gewerkschaft im Hintergrund und einer grundsätzlich kritischen Einstellung dem Arbeitgeber gegenüber.

Frau Pelle und Frau Mandel hinterfragen nichts, sie tun, was man ihnen aufträgt und das mit wunderbaren Ergebnissen. Am Dienstag bekomme ich eine weitere neue Mitarbeiterin, ebenfalls noch unter 30, aber mit mehr Berufserfahrung. Bin schon sehr gespannt auf sie.

Ostern

Meine Söhne werden heute kommen und bis morgen bleiben. Es wird ein großes Osterfrühstück geben, ich werde eine Möhrentarte und eine Quiche backen, es wird Eier und Lachs und Käse geben und anschließend ist ein langer Waldspaziergang mit dem Hund geplant. Ich freu mich drauf!

Wünsche allen Lesern ein glückliches Osterfest!

Das Leben mit Theo geht weiter

Die ersten Tage, die ich mit Theo verbrachte, waren voller Unsicherheit. Ich ließ ihn nicht aus den Augen, weil ich Angst hatte, dass etwas passieren könnte. Ich fühlte mich komplett für sein Wohlergehen und seiner Sicherheit verantwortlich. Da ich ihn kaum kannte, wusste ich nicht, was ich ihm zutrauen kann und ließ ihn keine Minute aus den Augen. Da er mir sehr dünn und ausgemergelt erschien, setzte ich alles daran, ihn möglichst gesund zu ernähren und zum Trinken zu bewegen. Ich schmierte seine Brote, stellte ihm geschältes Obst vor die Nase und drängte ihn, die Teetasse zu leeren. Mein Mann und ich verbrachten Stunden damit, immer wieder den gleichen Geschichten von früher zu lauschen.

Anfangs schien Theo die Aufmerksamkeit zu genießen. Nach ein paar Tagen begann er, seine Frau zu vermissen. Immer wieder verließ er das Haus, um sie zu suchen. Mein Mann und ich machten uns Sorgen, dass ihm draußen was passieren könnte. Zweimal brachten Nachbarn ihn nach Hause, weil er ziellos herumirrte. Wir versuchten, ihn noch mehr zu kontrollieren,  ihn immer im Blick zu haben, ohne dass er es bemerkte.

Theo zeigte bald Anzeichen dafür, dass unsere Anwesenheit im Haus ihn störte. Er schimpfte, wenn das Essen nicht so war, wie er es gewohnt war. Das Bellen unseres Hundes störte ihn und er ließ uns immer wieder wissen, dass er gesund sei und allein zurecht käme. Diese Phasen wechselten mit Stunden, in denen er uns nicht von der Seite wich, in denen es unmöglich schien, zu lesen, miteinander zu reden oder den Haushalt zu machen. Unentwegt sprach Theo uns  an, stand alle paar Minuten vor uns und wir fühlten uns verpflichtet, jedes Mal auf seinen Wunsch nach Aufmerksamkeit einzugehen.

Für mich war die Situation einfacher, denn den größten Teil des Tages verbrachte ich auf der Arbeit. Mein Mann war in dieser Zeit mit Theo allein und nach einer Woche komplett überfordert. Nun verbringt er die Wochenenden in unserem eigenen Haus, um ein bisschen Zeit für sich und Abstand zu Theo zu finden.

Mir half eine Broschüre über Demenzerkrankte, die mir eine Kollegin gab und die Tipps von Erdbeermüsli. Ich hörte auf, ihm die Brote zöpft ist, springe ich nicht mehr auf, um es „ordentlich“ zu machen. An guten Tagen lasse ich ihn auch einmal eine Stunde allein zuhaus, an schlechten Tagen, an denen er mit mir schimpft und mich verdächtig, ihn zu berauben, sage ich mir, dass hier die Krankheit und nicht Theo spricht.Gestern ist Theo durchs Haus gewandert, saß mal hier und mal dort, döste oder guckte Fernsehen. Zwischendurch wechselten wir ein paar Worte. Die Mahlzeiten nehmen wir gemeinsam ein und er hat dann meine/unsere volle Aufmerksamkeit.

Ich war bei einer Beratungsstelle und Theo wird eine Pflegestufe bekommen und ist für die Tagespflege angemeldet. Alma ist jetzt aus dem Krankenhaus entlassen und bis zu ihrer vollkommenen Genesung in einer Pflegeeinrichtung.  Wir wissen, dass wir langfristig für Theo und sie eine Lösung finden müssen und informieren uns weiter über Betreuungsmodelle für Demenzkranke.

Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich wieder mein eigenes Leben aufnehme. Natürlich hat sich auf der Arbeit nichts geändert, aber ich beginne meinen Garten, die Landschaft um unseren Ort, mein Zimmer, meine Filme und meine Gewürze zu vermissen. Theo möchte jeden Tag Kartoffeln, Soße und Fleisch und wird sehr ungehalten, wenn er dies nicht bekommt, sodass ich mich zurzeit auch ganz anders ernähre als sonst. Bin gespannt, was meine Waage zuhause sagt.