„Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern, aber du kannst jetzt anfangen und das Ende ändern“ (Maya Angelou, amerikanische Bürgerrechtlerin)
„Im Walde zwei Wege boten sich mir dar und ich ging den, der weniger betreten war – und das veränderte mein Leben“ – Walt Whitman (amerikanischer Lyriker des 19. Jh.)
Vor ein paar Tagen, auf einem Spaziergang, schoss mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf, dass ich mich selbst nicht sonderlich ernst nehme. Ich war wieder einmal zur Arbeit gegangen, obwohl ich mich wegen einer Magenschleimhautentzündung schlapp und angeschlagen fühlte.
Die Erkenntnis ist nicht neu. So mache ich es seit Jahrzehnten. .
Ich höre nicht auf mich.. Bin Meisterin darin, meine Wünsche und Bedürfnisse zu ignorieren. Mich nicht wichtig zu nehmen. Oft anderen zuliebe, manchmal aus Bequemlichkeit. Was habe ich davon?
Kopf und Verstand sind gut entwickelt. Selbstachtung, Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge sind zugunsten von Anpassung und Gefallen-wollen verkümmert. Selbstausbeutung und manchmal auch ausgebeutet werden. Ein Leben, das sich in dunklen Momenten falsch anfühlt.
Daher sehe ich es als meine Lebensherausforderung zu lernen, auf mich selbst zu hören. Ich übe, wahrzunehmen, was ich fühle, was ich brauche, was ich mir wünsche, worauf ich Lust habe. Dafür mache ich Qi Gong, dafür lerne ich meditieren.
Wie immer habe ich den Anspruch, sofort großartig darin zu sein, und meine Verhaltensmuster binnen weniger Tage zu ändern.
Leider gelingt mir das nicht. Ich habe schon Schwierigkeiten wahrzunehmen, wozu ich eigentlich gerade richtig Lust habe.
Während ich dies schreibe, muss ich ein bisschen über mich selbst lachen. Habe ich doch jahrzehntelang meinen Klienten folgendes mit auf den Weg gegeben:
Verhalten und Einstellungen, die man jahrzehntelang gepflegt hat, legt man nicht über Nacht ab. Es ist ein Prozess, der viele winzig kleine Schritte und hin und wieder auch ein paar ordentliche Sprünge beinhaltet. Um das zu verdeutlichen ziehe ich gern das Bild eines Trampelpfads hinzu:
Stelle dir vor, dein Verhalten ist ein Weg durch eine Wiese mit hohem Gras, Steinen und Büschen. Du hast über Jahre mit jedem Schritt das Gras niedergetrampelt, Steine aus dem Weg geräumt oder den Pfad um Felsen herumgelenkt. Nun willst du diesen vertrauten Pfad, den du seit Jahrzehnten gehst, auf dem du alle Gefahren kennst, verlassen.
Du musst dafür hohes Gras niedertreten, das ist anstrengend. Du wirst dir den Fuß an Steinen stoßen, die verborgen im Gras liegen, und manchmal scheint der Weg nicht weiterzugehen, weil Felsen sich vor dir aufbauen.
Wenn du am zweiten, dritten oder auch am 20. Tag den neuen Pfad einschlagen willst, hat sich das Gras über Nacht wieder aufgerichtet. Das Gehen im hohen Gras ist mühsam, es strengt an und du musst dich auf jeden Schritt konzentrieren. Dafür wirst du von neuen Erfahrungen belohnt und deine Muskeln wachsen durch die Herausforderungen auf dem Weg. Es dauert jedoch eine lange Zeit, bis ein vertrauter, bequemer und hürdenfreier neuer Pfad entstanden ist.
Der alte Trampelpfad braucht darüber hinaus Zeit, wieder zuzuwachsen. Immer wieder wirst du aus Gewohnheit oder weil du in Gedanken woanders bist, den alten, vertrauten Pfad wieder einschlagen. Je öfter du jedoch den neuen Weg wählst, desto öfter wirst du merken, wie dunkel der alte Pfad ist, wie kraftlos die Blätter der Bäume und wie gelb das Gras ist.
Der neue Weg wird dir langsam vertrauter sein. Du wirst merken, dass er eine wunderbare Aussicht über die Landschaft bietet, dass bunte Blumen am Weg wachsen und Vögel singen. Es fällt dir immer leichter, diesen Weg zu wählen und irgendwann wird er für dich zur Gewohnheit werden.
Habe einfach Geduld mit dir selbst.
