Über das Schreiben

cropped-seal_v2-04Ich schreibe, weil ich nur so meine Gedanken einfangen und näher untersuchen kann. Schreiben gibt mir Klarheit, hilft mir die Gedankenfetzen zu strukturieren, die sich in mein Bewusstsein drängen und schneller wieder fort sind, als ich sie greifen kann. Beim Schreiben kommen sie wieder, sind nicht mehr flatterhaft, sondern konkret. Ich kann sie ordnen, untersuchen und zu Papier bringen.  Ich habe ein großes Bedürfnis nach Ordnung, danach, die Dinge zu verstehen und zu benennen. Schreiben hilft mir dabei.

Schreiben hilft mir aber auch, das Leben bewusster wahrzunehmen. Wenn ich unterwegs bin und etwas Neues erlebe, freue ich mich darauf, es anderen auf meinem Blog präsentieren zu können. Mein Blog ist meine Motivation, mich mit Neuem zu beschäftigen, näher hinzusehen, das Besondere in dem zu sehen, was ich als selbstverständlich empfinde.

Schreiben hilft mir Klarheit zu bekommen,  mich mit den Dingen auseinander zu setzen, die mich beschäftigen oder sorgen.  Durch das Schreiben findet mein innerer Kompass wieder die richtige Richtung.

Schreiben ist mir immer schon wichtig gewesen. Als Kind habe ich meinen ganzen Kummer im Tagebuch festgehalten, später meine Träume und Hoffnungen und dann mein ganzes Leben. Mein Tagebuch war nur für mich. Nie habe ich Dinge beschrieben, nein, in meinem Tagebuch habe ich geschrien und gejubelt, gewütet und getobt. Es war voller Ausrufezeichen und Herzchen und auf mancher Seite waren die Buchstaben von Tränen verwischt. Je älter ich wurde, desto mehr wurde mein Tagebuch der Ort, an dem ich mich selbst analysierte, meinen wirklichen Gefühlen und Gedanken auf die Spur kam. Schreiben bringt mich zu mir selbst und ich tue es in erster Linie für mich selbst.

Im Laufe meines Lebens habe ich begriffen, dass ich nicht allein oder gar einzigartig bin. Egal, was in meinem Leben passiert, was ich empfinde, oder was mir grade Schmerzen bereitet, ich bin nicht allein. Sorgen, Glück, Enttäuschungen, Selbstzweifel, Verletzungen, Hoffnungen, Begabungen, Fragen und Antworten gehören zum Menschsein. Jeder erlebt sie ein wenig anders und zu anderen Zeitpunkten in seinem Leben und jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit den Dingen des Lebens umzugehen. Egal, worüber ich schreibe, irgendjemand irgendwo auf der Welt hat wahrscheinlich Ähnliches erlebt und schreibt mit seinen eigenen Worten darüber. Es gibt kein richtig und kein falsch, aber viele Gemeinsamkeiten.

Heute schreibe ich öffentlich auf meinen Blogs. Ganz Persönliches bleibt außen vor, schließlich  geht es niemanden etwas an, was in meinem persönlichen Umfeld passiert. Aber meine Einsichten, meine Interpretationen der Dinge, die teile ich gern mit. Natürlich habe ich auch eine gehörige Portion Narzissmus in mir. Ich möchte gelesen werden, ich möchte etwas bewegen, ich lese jeden Kommentar mit Spannung und freue mich unbändig über jeden, der meinem Blog folgt.

Leider sind die Gedanken nicht immer fassbar, dann schreibe ich eine Weile nichts und es nagt an mir. Ich fühle mich innerlich dem Schreiben verpflichtet und ich hasse das Gefühl, Gedanken und Zusammenhänge zu erahnen, aber nicht fassen zu können. Zeiten, in denen ich nicht schreibe, sind Zeiten, in denen es in mir arbeitet.

Ja, und dann ist da noch ein weiterer Aspekt: Schreiben, Lesen, Sprache haben mich schon als Kind fasziniert, aber dann entschied ich mich, beruflich doch etwas Handfestes zu machen. Aber der Wunsch, etwas zu schreiben, das andere lesen, ist geblieben, seit ich als Kind gern Journalistin geworden wäre. Es war mein Traum, über die vielen Aspekte menschlichen Lebens zu schreiben. Zum Schreiben gehört die Beherrschung der Sprache und die zu trainieren, macht mir noch heute Spaß. Deutsch und Englisch sind und bleiben meine Lieblingsfächer, ergänzt durch das Fach Kunst. Die schult das Sehen und Wahrnehmen und den Zugang zu den Gefühlen und Stimmungen, aber das ist ein anderes Thema. Für heute reicht es. Bis zum nächsten Mal,

Trina