„Ich will Birnen. Können wir die kaufen?“ Er mag vielleicht fünf sein, der kleine Junge, der seine Mutter bittend ansieht. Diese, schulterlanges braunes Haar, schmales Gesicht ohne Make-up, Jeans und hellgrünes T.Shirt, schüttelt den Kopf.
„Nein, Schatz. Das ist nicht die Jahreszeit dafür. Birnen sind jetzt nicht in der Saison.“ Dann erklärt sie dem Kleinen lang und breit, dass es gesünder und besser für die Natur ist, die Dinge zu essen, die gerade jetzt bei uns reif sind.
Eigentlich wollte ich genau diese Birnen gerade in meinen Einkaufswagen packen, aber nun regt sich mein Öko-Gewissen. Ich schäme mich ein bisschen, so gar nicht umweltgerecht einzukaufen und warte bis sie und der Junge nicht mehr zu sehen sind, bevor ich vier Birnen in meinen Einkaufskorb lege.
An der Kasse treffe ich die junge Mutter wieder. Ihr Mann, dezent nach einem teuren Männerparfüm duftend, und ein Mädchen, das vielleicht 10 Jahre alt ist, haben sich zu ihr gesellt. Ich kann es nicht lassen, und gucke in ihren Einkaufswagen. Unter einer großen Packung Klopapier sehe ich – Tiefkühlpizza, Kartoffelchips und Salzstangen. Daneben liegen ein paar traurige Radieschen. Ich bin ein wenig irritiert.
Auf dem Parkplatz stehen wir nebeneinander. Die Kinder sitzen schon im Auto und knabbern Kartoffelchips, der Mann lehnt an der Fahrertür und blickt auf sein Handy, dabei zieht er tief an einer Zigarette.
Hinten, am Kofferraum steht die junge Mutter. Sie verstaut den Inhalt des bis hoch oben beladenden Einkaufswagen, Schweißperlen stehen ihr auf der Stirn. Tomaten und Gurken teilen sich den Platz mit Colaflaschen und Bratwurst. Sie sieht müde aus.
Mein Gott, schießt es mir durch den Kopf, die Arme, wollte sie etwa mich beeindrucken?
Wie ein Besuch in einer Buchhandlung zu diesem Beitrag führte
Letzte Woche betrat ich meine Lieblingsbuchhandlung mit dem Vorsatz, ein Bilderbuch für meine Enkelin zu finden. Gleich rechts sah ich die Lebenshilfeliteratur liegen, die mich wie immer in ihren Bann zog. Da waren die alten Bekannten: das innere Kind lieben lernen, Selbstwertgefühl stärken, Ängste überwinden, besser aussehen, Achtsamkeit und Selbstliebe praktizieren usw. usw.
Einige der Titel gefielen mir, ich las die Cover und plötzlich kippte meine Stimmung.
Hört das denn nie auf, fragte ich mich. Dieses Gefühl, an mir arbeiten zu müssen, weil ich so wie ich bin, nicht zufrieden mit mir bin.
Mit Hilfe von Literatur habe ich versucht, die heimliche Sucht, gebraucht zu werden, zu überwinden, mich aus Co-Abhängigkeit zu befreien, mit meinen Kind- und Eltern-ich gut Freund zu werden, Ängste zu überwinden und zu lernen, wie ich Freunde gewinne und mich selbst lieben kann. Mithilfe von Dankbarkeit und Affirmationen habe ich versucht zu Wohlstand und inneren Frieden zu kommen und bin in den meisten Punkten gescheitert.
Na ja, vielleicht nicht gescheitert, einiges habe ich dann wohl doch gelernt.
Ich legte die Bücher zurück ins Regal und fühlte mich seltsam niedergestimmt.
An diesem Tag fand ich kein schönes Buch für meine Enkelin. Das Gewusel in der Kinderecke nervte (wer ist bloß auf die Idee gekommen, dort eine Rutsche hinzustellen???), und ich schwitzte in meiner Winterjacke. Unzufrieden trabte ich nach Hause.
Es reicht!
Es reicht, schimpfte ich vor mich hin, du bist jetzt 65 Jahre alt. Sollte nicht endlich mal Schluss ein, mit dieser nie endenden Arbeit an Dir selbst?
Selbsthilfeliteratur und die Einsichten aus zwei Therapien begleiten dich seit über vierzig Jahren. Ja, das hast du auch deinem Beruf zu verdanken, für den ständige Selbstreflexion überaus sinnvoll ist. Und natürlich hast auch du einige Verhaltensmuster oder innere Überzeugungen, die sich immer mal wieder als Stolpersteine erweisen.
Aber hat die nicht jeder? Ist es nicht an der Zeit, einfach zu akzeptieren, dass du nun mal so bist wie du bist.
Offensichtlich bist du nicht der einzige Mensch, der immer mal wieder an sich selbst und seinem Leben zweifelt. Warum sonst wäre Lebenshilfeliteratur ein Dauerbrenner?
Vielleicht ist es aber anders herum – die Lebenshilfeliteratur suggeriert uns, dass wir so wie wir sind nicht genügen und dass wir nur ein wenig an uns arbeiten müssen, um uns zu optimieren.
Warum sonst habe ich mich in fast jedem Buch wieder gefunden? Möglicherweise geht es fast immer um das gleiche Thema: mangelnder Selbstwert, fehlende Selbstakzeptanz, Frustration, dass wir nicht immer kriegen, was wir uns wünschen und die Hoffnung, dass alles viel, viel besser wird, wenn wir endlich …..
Bedingungslose Selbstannahme
Egal, ich entscheide mich hier und jetzt, meinen letzten Lebensabschnitt, die Reise ins (Renten)Alter, nicht mit weiteren Selbstoptimierungsmaßnahmen zu verschwenden.
Bedingungslose Selbstannahme ist mein Ziel.
Ich will Frieden schließen, mit den Dingen, die in meinem Leben nicht so gelaufen sind, wie ich es mir erhofft hatte. Annehmen, dass ich manche meiner Träume wohl nicht mehr verwirklichen werde, oder zumindest nicht so, wie ich es mir mal vorgestellt habe.
Ich kann es nicht lassen
Ob es wohl Lebenshilfeliteratur für Menschen jenseits der sechzig zu diesem Thema gibt? schießt es mir durch den Kopf.
Lass es sein, du hast doch gerade beschlossen, keine Selbsthilfeliteratur mehr zu lesen, ermahne ich mich. Doch die Gewohnheit siegt. Ich kann es nicht lassen und suche in der Onlinebuchhandlung meines Vertrauens nach Selbsthilfeliteratur für Menschen, die das Berufsleben hinter sich lassen.
Oh ja, es gibt viele Ratgeber, finde ich schnell heraus. Da geht es um Demenz und diverse andere gesundheitliche Probleme, gesunde Lebensführung und fit bleiben im Alter. Einige wenige thematisieren, wie der Übergang ins Rentenalter gelingen kann – rechtzeitig Hobbys suchen, Kontakte pflegen etc., etc.
Wo ist das Buch, das Mut machen will, Neues auszuprobieren, Träume zu leben, etwas zu bewirken? Brauche ich das überhaupt?
Schreibe doch über das, was dich in dieser Lebensphase beschäftigt, denke ich. Schreib, wie es dir in deinem letzten Jahr im Job geht, wie ambivalent du bei dem Gedanken bist, die Einrichtung loszulassen und andere deine Arbeit machen zu lassen.
Schreib über das, was dich inspiriert und das, was dir Angst mach. Schreib dein eigenes Buch.
So sitze ich nun an meinem Laptop, und bin selbst gespannt, wie sich mein Blog wohl entwickeln wird.
Nachdem ich einige eurer Beiträge zum Wochenrückblick gelesen habe, habe ich Lust bekommen, es auch mal zu versuchen und es hat richtig Spaß gemacht und mir ein paar Einblicke in meine Befindlichkeit ermöglicht. Rina, vom Blog ich lese, hat die Idee dazu gehabt. Danke dafür. Hier geht es zu ihrem Blog: https://flashtaig.wordpress.com/?_gl=1*tyh3s1*_gcl_au*MzY4MjE0MzE0LjE3MzUxNTg2NDU.
Immer wieder nehme ich mir vor, mich nicht mehr über Britta zu ärgern. Gelingt mir aber nicht. Diese Woche habe ich mich über sie geärgert, weil sie mir in unserer Wochenbesprechung mindestens fünfmal ins Wort gefallen ist.
Da hat es mich richtig gefreut, ihr am Donnerstag sagen zu können, dass ich Freitag frei genommen hat und sie den Laden schmeißen muss.
Auch diese Woche habe ich gedacht, dass ich lernen sollte, gelassener mit ihrer Macke umzugehen, aber es gelingt mir nicht.
Mehr als einmal schon habe ich mich gefragt, was es ist, das mich an ihr so nervt. Auch diese Woche habe ich keine Antwort gefunden. Deshalb war ich auch ein bisschen genervt von mir selbst, weil ich immer wieder auf ihre blöde Masche einsteige.
In den ersten vier Tagen der Woche dominierten die negativen Gefühle: Unlust, Müdigkeit, schmerzende Knie und Hüfte. Positiv waren aber der Sport am Dienstag, das morgendliche Walking – da fühlte ich mich richtig lebendig und voller Energie. Besonders positiv waren die letzten drei Tage, weil ich endlich mal ausschlafen konnte, keine Termine hatte und ich total von der Arbeit abgeschaltet habe.
Genossen: am Samstag haben wir ein Restaurant in der Altstadt ausprobiert, das uns positiv überrascht hat. Es gab dort sogar fränkisches Landbier, so richtig schön süffig, wie ich es aus meiner Studentenzeit in Bamberg erinnere. Wir sind in diesem Restaurant, das sich Anno 1900 nennt, mehr alsdrei Stunden gewesen….. Am Donnerstag hat sich meine Schreibgruppe getroffen.
Gesucht habe ich mein Schlüsselbund, mein Handy und meine Brille. Das ist normal für mich. Gefunden habe ich mein Handy, meine Brille, aber nicht mein Schlüsselbund, weil mein Sohn dieses in seiner Jackentasche mit nach Berlin genommen hat. Haben wir erst gemerkt, als er schon im Zug saß.
Herzhaft gelacht haben wir über die Geschichte von Conny.
Geweint/Getrauert habe ich diese Woche nicht. ……… Gewundert habe ich mich am Montag, weil es morgens kaum Stau gab. Was war los? . Gegessen habe ich fast die ganze Woche über relativ gesund. Dafür habe ich dann aber auch die letzten zwei Schokoweihnachtsmänner genascht und außer dem guten Landbier noch einen feinen Riesling getrunken, aber nicht am gleichen Abend. ….. Gehört habe ich wie immer mehrere Radiosender. Ich switche nämlich im Auto ständig von einem Sender zum nächsten: Radio Hamburg, NDR 2, Radio 90,3, Antenne Radio, NDR Info usw. usw. ….. Gegooglet habe ich ADHS, weil das bei uns in der Familie großes Thema ist. . Gelesen habe ich vor allem die Zeitung, ein bisschen Stern Crime und eine Geschichte von Jorge Bucay. …. Gesehen habe ich Nebel, Nebel, Nebel und abends die Nachrichten. Gespielt/Gebastel/Gehandwerkt/Geschrieben: Ich stricke mir gerade eine blaue Strickjacke, und, ein kleines Laster, ich habe auf der Arbeit beim Telefonieren Solitair gespielt. Getan: Den Keller saubergemacht und aufgeräumt, damit die neue Waschmaschine in eine saubere Waschküche kommt. ….. Gekauft: Eine neue Waschmaschine. … NEU Getrennt habe ich mich diese Woche der dicken Schmutzschicht auf meinem Auto. Da ich kaum noch aus den Fenstern sehen konnte, war ich tatsächlich in der Waschanlage. …. Gelernt habe ich, das Waschmaschinen in der Preisklasse um die 600 Euro ca. 5 – 8 Jahre halten und die, die doppelt so viel kosten, ca 8 – 12 Jahre. Das hat mir der reizende Verkäufer im Fachmarkt erklärt. ….. NEU Getestet habe ich nichts und geschenkt bekommen leider auch nichts. Ich habe auch nichts verschenkt, das will ich nächste Woche ändern. . Geschlafen habe ich in den ersten vier Tagen nicht so gut, aber an meinen freien Tagen habe ich 8 Stunden durchgeschlafen. Dabei habe ich intensiv geträumt, letzte Nacht war es eine richtig lange Geschichte über eine Frau, der immer wieder schlimme Dinge widerfahren sind. …. Geplant habe ich nächste Woche mindestens zweimal zum Sport zu gehen und weniger Zucker zu essen. ……
FAZIT: Die Arbeit zehrt zurzeit sehr an mir, da ich über Weihnachten keine Pause hatte und mich nicht wie sonst erholen konnte. Umso besser hat dieses lange Wochenende getan, ich fühle mich tatsächlich ruhig und entspannt.