Was tut dir gut?

Kennt ihr diese trüben Tage, an denen das Leben mühsam und beladen erscheint? Tage, an denen ihr zu nichts Lust habt?

Mir hilft es dann, eine Liste zu erstellen, mit Dingen, die mir gut tun oder Freude bereiten. Allein schon das Schreiben macht gute Laune und lenkt meine Aufmerksamkeit auf positive Dinge.

Ich kann die Liste immer wieder hervorholen, wenn ich eine Aufmunterung brauche oder Langeweile habe. Beim Lesen merke ich dann meistens, was mir gerade gut tun könnte.

Wenn mich so gar nichts anspricht, dann gehe ich spazieren. Hinter unserem Haus ist ein kleiner Ententeich, um den marschiere ich drei oder viermal herum. Danach ist der Kopf klarer, ich habe wieder ein bisschen mehr Energie und ich fühle mich wieder in Einklang mit mir selbst.

Und wenn es in Strömen regnet? Dann erstelle ich eine neue Liste oder ich lese. Das bringt mich auf andere Gedanken, ich versinke in einer anderen Welt und vergesse meine eigenen Seelenpupser.

HIer ist eine meiner Listen:

  • im See schwimmen
  • eine sehr heiße Dusche nehmen (ich hab keine Badewanne)
  • einen Vogel beobachten
  • einen heißen Kakao mit Sahne trinken (Ausnahme :-))
  • einen witzigen oder rührseligen Film gucken
  • malen
  • Tagebuch schreiben
  • Frische Luft
  • ein Spaziergang, am liebsten im Wald
  • dreimal tief ein und ausatmen
  • mit meiner Freundin telefonieren
  • Zeit mit meinen Enkelinnen verbringen
  • ins Kunsthaus gehen
  • Fotos anschauen
  • einen Krimi lesen
  • Sauna
  • im Garten rumwursteln
  • Wärme: mich in die Sonne setzen oder in eine Decke einkuscheln
  • meine Lieblingsmusik hören
  • einer Freundin eine WhatsApp schicken und fragen, wie es ihr geht
  • puzzeln
  • Pasta essen
  • Ein Blumenstrauß
  • gute Düfte
  • etwas kochen, worauf ich richtig Appetit habe
  • Schwimmen, einfach gemächlich meine Runden ziehen
  • Putzen und Ordnung schaffen
  • Möbel rücken, die Wohnung verschönern

Wie sieht deine Liste aus?

Was ist Gesundheit?

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von körperlichen Erkrankungen. Schon die Weltgesundheitsorganisation hat 1948 Gesundheit als „… Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheiten und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist ein Grundrecht jedes Menschen…. “ definiert.

Dass es nicht möglich ist, einen Zustand völliger Gesundheit auf körperlicher, seelischer und sozialer Ebene zu erhalten, haben wir alle im Laufe unseres Lebens erfahren. Dass eine Wechselwirkung zwischen unserer sozialen Situation, unserer psychischen Verfassung und unserer körperlichen Gesundheit besteht, ist keinem von uns neu. So begünstigen Isolation und Einsamkeit, Arbeitslosigkeit oder ständige Geldsorgen die seelische Gesundheit. Der damit verbundene Stress kann sich negativ auf Herz und Kreislauf, den Schlaf, auf den Magen und das Schmerzempfinden auswirken.

Andererseits habe Ich viele Menschen kennengelernt, die psychisch oder körperlich chronisch krank sind und sich trotzdem als gesund empfinden. Sie haben ihre Erkrankung in ihr Leben integriert und fühlen sich durch sie nicht (mehr) beeinträchtigt. Andere Menschen mit der gleichen Beeinträchtigungen leiden zutiefst unter ihrer Erkrankung und ziehen sich immer mehr aus dem Leben zurück.

Jeder Mensch ist einzigartig und wie wir mit psychischen, körperlichen oder sozialen Belastungen umgehen, ist sehr verschieden. Manche Menschen sind körperlich und psychisch robuster als andere. Hier spielen Gene, aber auch frühe Erfahrungen eine große Rolle.

Ich betrachte mich und andere als gesund, wenn

  • ich mich körperlich wohl fühle und evtl. vorhandene Krankheiten akzeptiere und bewältige
  • ich seelisch ausgeglichen bin
  • ich einigermaßen zufrieden mit meinen Lebensumständen (Arbeit, Wohnumfeld, soziale Kontakte, wirtschaftliche Situation) bin und mich mit meinen Fähigkeiten ins Leben einbringen kann

Was meint ihr? Wie würdet ihr Gesundheit beschreiben? Würdet ihr euch als gesund bezeichnen? 

Mach es wie die Sonnenuhr, ….

Hattet ihr auch ein Poesiealbum, als ihr noch Kinder wart? In den 60iger Jahren besaß fast jedes Mädchen eins.

Viele der Sprüche, die wir uns gegenseitig in die Alben schreibe, halte ich heute für bedenklich, wie z. B. den Lieblingsspruch meiner Oma: „Sei sittsam und bescheiden, vor allem wohlgesinnt, dann mag dich jeder leiden, als ein geliebtes Kind.“ Ich übersetzte dies mit „sei immer brav, falle nicht auf und tue das, was andere von dir erwarten.“

Ein Spruch hingegen ist heute wieder hoch aktuell:

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit’ren Stunden nur“

Der Spruch kommt heute in neuem Gewand. Psychologen und Coaches empfehlen z. B. ein Dankbarkeitstagebuch zu führen oder sich täglich zu notieren, was einem Gutes widerfahren ist oder worüber man sich gefreut hat.

Wer glücklich sein will, so die einhellige Meinung, sollte seine Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge richten, sich die glücklichen Momente bewusst machen, sie auskosten und genießen. Dem stimme ich aus vollem Herzen zu.

Ebenso kann es hilfreich sein, sich im fortgeschrittenen Lebensalter die positiven Auswirkungen der schwierigen oder traurigen Ereignisse oder Lebensumstände aus der Vergangenheit vor Augen zu führen. Bei mir führt es dazu, mich mit meinen Leben, das ich mir mal ganz anders vorgestellt hatte, zu versöhnen.

Klar, war die Trennung von meinem Mann und das Zerbrechen unserer Familie furchtbar. Aber im Rückblick ist aus dieser Katastrophe viel Gutes entstanden: ich habe in der Situation gelernt, stark zu sein. Habe eine Wohnung für mich und die Kinder gefunden, habe Kontakte zu anderen Alleinerziehenden aufgebaut. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und viel mit unseren Kindern unternommen. Eine glückliche und keinesfalls einsame Zeit. Das sehen meine Kinder heute ebenfalls noch so. Auch als Single – Mutter war ich beruflich erfolgreich und konnte gut für die Kinder und mich sorgen. Das hat mir Selbstvertrauen und Stärke gegeben. Hätte ich diese Unabhängigkeit entwickelt, wenn ich in der Ehe mit Teilzeitjob geblieben wäre?

Glückliche Lebensumstände haben mir damals vieles erleichtert. Meine Mutter, die mich unterstützt hat, wenn die Kinder mal krank waren, eine Wohnung in einem lebendigen Stadtteil mitten in Hamburg, eine super Kita, ein familienfreundlicher Arbeitgeber. Für diese Umstände bin ich heute dankbar. Ich erkenne, wie reich mich das Leben mit scheinbar Alltäglichem beschenkt hat. Ich bin nicht zu kurz gekommen im Leben, im Gegenteil.

Gerade schaue ich einer Ringeltaube zu, die sich vor meinem Fenster das Gefieder putzt. Ein schöner, friedlicher Moment. Auch ein Moment, der zählt.