abc.etüden – das erste Mal

Schon lange habe ich damit geliebäugelt, bei den Schreibetüden mitzumachen. Ihr findet alles darüber auf Christianes Blog https://365tageasatzaday.wordpress.com/category/texte-skizzen-schreibprojekte/abc-etueden-schreibeinladung/ und ich hatte viel Spaß bei diesem ersten Versuch. Danke an Christiane und dem Wortspender für diese Anregung!

Folgende Wörter mussten diesmal in eine Geschichte, die nicht mehr als 300 Wörter umfassen darf, eingebaut werden: Landvermesser, undankbar, aussetzen

Hier nun mein Text:

Das erste Date

Leahs Herz klopfte. Heute würde sie Matthias nach wochenlangen Chatten auf der Singleplattform zum ersten Mal treffen. Ihr Blick fiel auf einen Mann, der allein am Tisch saß. Gut sah er aus.

„Hallo, ich bin Leah.“ Der Mann blickte kaum auf. „Darf ich mich setzen?“ Der Kerl brummte etwas, das sich wie Ja anhörte. „Du bist doch Matthias, oder?“ „Wenn du meinst“, erwiderte er.

„Du bist also Landvermesser“, versuchte Leah ihn ins Gespräch zu verwickeln. „Wie kommen Sie denn darauf?“ „Nun, das stand in deinem Profil“, entgegnete eine nun verwirrte Leah. Jetzt blickte der Mann sie endlich an. „In meinem Profil?“, grinste er. „Profil wie auf DateDarling oder so?“ Leah spürte, wie sie rot wurde und ihr Herz einen Schlag aussetzte. Hatte sie sich zu dem Falschen gesetzt? Sie blickte sich um, aber nur ein missmutig blickender, grauhaariger Mann saß noch allein da.

Sie entschied sich, sein süffisantes Grienen zu ignorieren. „Schön, dich persönlich zu treffen. Und danke für die Einladung.“ „Wer hat denn was von Einladung gesagt?“

Mistkerl, dachte Leah, ich gefalle ihm nicht und er will mich loswerden. Aber so leicht mache ich ihm das nicht. Sie griff nach der Speisekarte. „Ich zahle.“ Sie lächelte ihn an.

„Ich nehme die Muscheln als Vorspeise, dann Lammkoteletts und danach ein Tiramisu. Dazu einen Chianti. Und du?“ Nun war er derjenige, der verwirrt blickte.  „Das gleiche“  Während sie aufs Essen warteten, entspann sich eine Unterhaltung zwischen ihnen, die vom Wetter über Essensvorlieben zu ihrer Liebe zum Wandern und schließlich zu gemeinsamen Lachen führte.

Bevor Leah an diesem Abend das Licht ausknipste, dachte sie kurz an den griesgrämigen Mann am anderen Tisch. „Undankbare Weiber, … nicht wert …“  hatte sie ihn murmeln hören, als er an ihrem Tisch vorbeiging, und Leah war dankbar, an ihrem Tisch geblieben zu sein..  

Sonntagsgedanken

„Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung“ (Weisheit aus China)

Wenn der Wind zum Sturm wird, muss ich die Segel so setzen, dass sie mich vorm Kentern bewahren, egal, in welche Richtung ich dadurch gezwungen werde. Wenn der Sturm vorüber ist, werde ich wissen, wohin er mich getrieben hat. Dann kann ich die Segel wieder in die von mir gewünschte Richtung ausrichten

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“ (Konfuzius)

Ich kann mich entscheiden, mich auf das einzustellen, was ist, statt erzwingen zu wollen, was nicht in meinen Händen liegt.

Manchmal ist der Wind unberechenbar, kommt in Böen, denen ich kaum was entgegen zu setzen habe. Das macht mir Angst und erinnert daran, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Ich tröste mich damit, dass bislang jeder Sturm vorbei gezogen ist und ich danach windstille Zeiten und milde Brisen genießen konnte.

Momentaufnahme

Am Freitag vertrat unsere Geschäftsleitung die Position, dass unsere Klienten weiterhin kommen dürfen. Selbst wenn sie nicht mehr kommen, werde die Mitarbeiter wohl ins Büro müssen. Homeoffice findet unsere Geschäftsleitung blöd, also werde ich wohl in den nächsten Tagen weiterhin nach Hamburg pendeln und hoffen, dass ich das Virus nicht nach Hause schleppe, zu meinem kranken Mann.

Erstmals gehören wir beide zu der gefährdeten Bevölkerungsgruppe. Das sorgt für Unbehagen, das erste Mal fühle ich einen Hauch von Angst. Meine Kinder nehmen das Virus nicht so ernst, sie gehen davon aus, dass sie es schnell wegstecken. Ich hoffe, sie haben Recht.

Alles, was uns noch vor einer Woche so wichtig erschien, tritt in den Hintergrund. Die Schlagzeilen werden von einem Thema beherrscht, auch ich lese als Erstes alles über die neuesten Entwicklungen hinsichtlich Corona. Die Welt scheint still zu stehen.

Ich hoffe, meinem Freund im Iran geht es gut. Auch er gehört zur Risiko-Gruppe mit Herzproblemen und Diabetes. In seiner letzten Nachricht hatte er große Angst, sprach davon, dass alle um ihn herum sterben. Ich mache mir Sorgen, seit fast 2 Wochen habe ich nichts mehr gehört.

Mein Onkel, den ich sehr liebe, ist über 80 und er hat schon vier Bypässe. Er ist gefährdet, ebenso meine Tante und meine Mutter, einfach weil sie schon betagt sind, wenn auch sonst gesund und fit. Meine Mutter ist in der Nähe, ich kann für sie einkaufen. Aber solange ich zur Arbeit gehe, sollte ich ihr wohl nicht zu nahe kommen, denn ich habe jeden Tag Kontakt zu Menschen. Ich möchte sie keinem Risiko aussetzen, sie soll leben und noch viele Wanderungen machen. Onkel und Tante leben 130 km entfernt, da wird es schwierig mit dem täglichen vorbeischauen. Sie haben keine Kinder, ich hoffe, die Nachbarn werden helfen. Ich werde sie jeden Tag anrufen.

Mein Sohn in Berlin ist selbstständig und wird jetzt mehrere Wochen kein Einkommen haben. Das wird ihn zurückwerfen, aber Geld ist nicht alles, Hauptsache er bleibt gesund. Alles andere findet sich.

Mein jüngerer Sohn arbeitet im Handel. Er wird Montag zur Arbeit gehen, wie immer. Vielleicht muss er einen Mundschutz tragen. Seine Frau hat jetzt Zwangsurlaub, denn die Kleine kann nicht mehr in die Kita. Ich werde mich mit Besuchen zurückhalten müssen. Das fällt schwer.

Meine Nichte arbeitet in der Pflege, das wird sicher eine harte Zeit für sie. Sollten Kollegen zuhause bleiben müssen, kommen Doppelschichten oder gestrichene freie Tag auf sie zu. Hoffentlich kommt dieses Virus nicht über die Schwelle des Heims (oder irgendeinem anderen Heim).  

Die Leute in unserer Straße sind alle im mittleren Alter oder jung. Gibt es jemanden, um den wir uns kümmern müssen? Mir fällt spontan niemand ein.

Frische Luft tut gut. Ich werde gleich in den Garten gehen, dort ein wenig aufräumen und das Wort Corona vergessen. Stress schädigt unsere Abwehrkräfte, Bewegung an frischer Luft stärkt uns. Der Hund muss Gassi gehen, da gehe ich mit.

Mal sehen, was uns morgen erwartet.