Der Tag nach Weihnachten

Weihnachten ist vorbei. Gestern Nachmittag sind sie abgereist, meine Kinder. Es war schön mit ihnen. Gemütlich. Wie früher sind sie nicht vor 11.00 aus dem Bett gekommen, haben mit Begeisterung alles gegessen, was wir ihnen vorgesetzt haben, lümmelten sich auf den Sofas, schauten den ganzen Nachmittag Filme, während sie gleichzeitig per Smartphone mit allen Freunden in Kontakt standen.

Zwischendurch kurze Gespräche, aber auch ein paar richtig lange Spaziergänge durch den Wald, Gespräche, über den Beruf und die Pläne und was in der Familie los war und natürlich auch ein paar Anekdoten aus der Kindheit, die jedes Jahr hervor gegraben werden. Sie verbinden.

Ich liebe Weihnachten. Ich liebe es, wenn die ganze Familie zusammen ist, der Alltag für ein paar Tage verstummt und wir eigentlich nichts machen, außer  entspannen, nichts tun, es uns gut gehen lassen. Das reicht. Das ist Familie. Wir müssen nicht immer tiefschürfende Gespräche führen oder etwas Tolles machen. Einfach nur zusammen sein reicht. Es gibt so viel, für das wir dankbar sein können. Allein schon, dass wir einander haben ist ein großes Geschenk.

Heute ist Montag. Er kommt mir kalt vor, dieser Tag. Nicht nur die Temperaturen sind gesunken, sondern auch die Stimmung. Auf der Straße wieder mehr Autos, die Geschäfte sind auf, der Staubsauger brummt, mein Partner saugt all die kleinen Nußschalensplitter weg. Nachher muss ich noch einkaufen gehen, Brot holen und Milch.

Die Sonne scheint heute so hell, fordert mich auf, aktiv zu werden, während ich doch am liebsten noch eine Woche auf dem Sofa liegen möchte, lesen, Nichtstun. In der Weihnachtsstille verharren, den Alltag ausblenden. Vielleicht ein bisschen malen oder ein Schläfchen machen.

Ich liebe diesen Weihnachtsurlaub. Er ist der Höhepunkt und der Abschluss eines guten Jahres. Und ich komme endlich mal wieder zum Bloggen!

 

Das schönste Geschenk

Writing101Day 6:

Where do you write? Do you prefer blogging on your laptop in a coffee shop? Are you productive in a quiet room, door closed, away from civilization? Today, describe the space where you write. Or, if you don’t have a dedicated place, what is your ideal setting?

Ich wuchs in einem Mehrgenerationenhaushalt auf. Platz war rar, und bis zu meinem 7. Lebensjahr schliefen mein Bruder und ich im Schlafzimmer meiner Eltern. Danach teilte ich mir ein Zimmer mit meinem Bruder. In den ersten Jahren ging das noch ganz gut, aber dann begann ich mich nach einem eigenen Zimmer zu sehnen. Einem Raum, indem ich mit meinen Freundinnen sitzen und über  Jungs kichern konnte, ohne dass mein kleiner Bruder mit großen Lauschohren dabei saß. Schließlich gab es in der Familie eine Einigung. Mein Bruder zog in den Raum, den wir zuvor als Küche genutzt hatten, meine Eltern teilten sich die Küche fortan mit der Großmutter, aber nur mittags und abends. Morgens wollte meine Oma ihre Ruh, und die Küche war gleich neben ihrem Schlafzimmer. Also durfte ich allein in meinem Zimmer wohnen, musste aber zulassen, dass meine Mutter morgens früh rein kam, um an die Steckdose neben der Tür zu kommen, damit sie den Kaffee im Flur kochen konnte.

Nachdem ich mein Elternhaus verlassen hatte, hatte ich ein eigenes Zimmer in den Familien, in denen ich als Au-pair tätig war und im Studentenwohnheim. Die Zimmer waren möbliert und unpersönlich, da halfen auch die Pflanzen, Fotos und Bücher nichts. Bald nachdem  ich den Vater meiner Söhne kennenlernt hatte, zog ich mit ihm und seinem Bruder in eine eigene Wohnung zog. Von da an gab es kein eigenes Zimmer mehr für mich, aber die Sehnsucht nach einem Ort, der nur mir gehörte, wo ich tun und lassen konnte, was ich will, der ist immer geblieben.

Als meine großer Sohn das Haus verließt, hinterließ er mir ein Geschenk: ein eigenes Zimmer. Ein Zimmer nur für mich.

Es ist nicht groß, aber hat einen schönen Blick in den Garten. Es gibt einen langen Tisch, der die ganze Längswand entlangläuft. An der linken Seite stehen mein Rechner und ein paar Bücher, die ich immer wieder gern zur Hand nehme. Auf der rechten Seite ist ein großer Teil mit Plastik abgedeckt. Hier male ich.

Sonst sind nur ein paar Regale im Zimmer und ein Sessel für Besucher. Der wird aber selten genutzt, denn auch mein Partner versteht, dass hier mein ganz persönlicher Raum ist.

Hier bin ich ganz ich selbst. Hier bewahre ich meine liebsten Erinnerungen auf, meine Fotos und Bilder, die vielen kleinen Dinge, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln. All die Bilder und Basteleien, die ich zum Geburtstag und Muttertag, zu Weihnachten und Ostern von meinen Söhnen bekommen habe, meine Lieblingsbücher und auch die Liebesbriefe meines allerersten Freundes. Damals schrieb man wirklich noch richtige Briefe. In meinem Zimmer finden sich all die Dinge, die ich aus dem Leben mitgebracht habe, bevor ich meinen Partner kennen lernte. Dieses Zimmer bin ich, hier ist alles so, wie ich es mir wünsche, es ist egal, ob es meinem Partner oder sonst irgendjemanden gefällt oder nicht, hier bin ich zuhause und ganz bei mir selbst.

Ich wünsche jedem Menschen so ein Zimmer, es tut der Seele gut. Ich bin dankbar für diesen Raum in dem Haus, das für uns alle ist. Hier fasse ich meine Gedanken am liebsten in Worte.

Küchenchaos und Wäscheberge

Ich bin nicht zur Hausfrau geboren. Je älter ich werde, desto deutlicher wird mir dies. Als die Kinder noch klein waren, erschien es mir wichtiger, Mutter zu sein als den Haushalt in Ordnung zu halten. Später war es die Doppelbelastung: voller Job, alleinerziehend mit zwei Kindern, da blieb keine Zeit für Putzerei, das musste doch jeder verstehen, nicht wahr? Dann, als wir auf dem Lande lebten, kamen noch die Pendelfahrten und  die Notwendigkeit, die Kinder hin und her zu kutschieren als Entschuldigung dazu. Und der Garten, der ja auch Aufmerksamkeit brauchte. Also, wieder keine Zeit, den Haushalt im optimalen Zustand zu halten.

Das heißt natürlich nicht, dass wir im Chaos gelebt haben. Nein, ich habe regelmäßig wahre Putzorgien unternommen, insbesondere dann, wenn die Kinder mal nicht zuhause waren, denn wie die meisten Menschen schätze ich ein sauberes und gemütliches Heim, frisch bezogene Betten und saubere Kleidung sehr. Es ist mir aber nie gelungen, die Gewohnheiten, die nötig sind, um den schönen Zustand aufrecht zu erhalten, auszubilden.

Bis heute ist nach dem Abendessen Feierabend. Jetzt noch das Geschirr in den Geschirrspüler zu räumen, die Küche sauber machen – undenkbar! Dafür habe ich erst morgens wieder Energie. Nur morgens muss ich schnell zur Arbeit und so wird die Küche erst am nächsten Abend in Ordnung gebracht, damit ich das Abendessen zubereiten kann.

Nun sind die Kinder seit einigen Jahren aus dem Haus und eigentlich müsste es doch  deutlich weniger Arbeit geworden sein. Das stimmt, aber ich habe ja jetzt Hobbys. Bloggen, zum Beispiel. Ist wichtiger, als die Küche in Ordnung zu halten, oder?

Nun, ich habe auch einen Partner, der aber furchtbar viel damit zu tun hat, seinen Hobbys nachzugehen. Aber er macht den Garten und ich muss mich nur um meine drei Blumenbeete kümmern. Und hin und wieder hilft er mit dem Geschirr und wenn es ganz schlimm wird, saugt er auch die Hundehaare weg.

Nein, ganz ehrlich, es sieht nicht schlimm aus bei uns. Zumindest nicht, wenn man ins Haus hinein kommt und die Küchentür zu ist. Ich habe den Haushalt einigermaßen im Griff. Es gibt nur ein Problem, das ich noch habe: die Wäsche. Eigentlich sollte in einem Zwei-Personen-Haushalt nicht allzu viel Wäsche anfallen, aber wir haben öfter Besuch, der dann auch über Nacht bleibt. Und natürlich soll unser Besuch in frischer Wäsche schlafen und saubere Handtücher benutzen.

Wäsche in die Maschine zu stopfen und das richtige Programm einzustellen, fällt mir nicht schwer. Mich daran zu erinnern, dass sie irgendwann fertig ist und aufgehängt werden muss, schon. Aber spätestens, wenn ich die nächste Ladung hineintun will, werde ich daran erinnert. Dann hänge ich die Wäsche im Keller auf, weil das Wetter in Norddeutschland ja so unberechenbar ist und man sie dort nicht sieht. Da hängt sie dann. Bis die Wäschekörbe oben überquellen und ich die Waschmaschine neu beladen muss. Dann wandert die inzwischen staubtrockene Wäsche vom Ständer in einen meiner drei Wäschekörbe und wartet geduldig darauf, ordentlich zusammengefaltet, gebügelt und in die Schränke gelegt zu werden. Und ich nehme mir fest vor, das spätestens am Sonntagabend auch zu tun.

Zum Glück quellen die Körbe nie über. Ich habe mir angewöhnt, frische Handtücher, Unterwäsche und meine Blusen morgens direkt aus dem Keller zu holen. Aber heute Abend, das verspreche ich euch, werde ich meine Wäsche bügeln und weglegen, damit ich morgen früh nicht so in Eile gerate, weil im Kleiderschrank wieder mal nichts zum Anziehen hängt!Ehrlich, ich mach’s!!!!