Der Kopf blieb leer

In diesem Sommer war mein Kopf leer. Da sprudelten keine Ideen, da war es mir nicht möglich in Worte zu fassen, was mich bewegt.

In diesem Sommer war Funktionieren angesagt. Manchmal gibt es solche Zeiten im Leben. Arbeiten, Besuche im Krankenhaus, Gespräche mit Ärzten, dazwischen der Tod eines Menschen, der mir etwas bedeutet hat, ein Umzug ins Heim, Intensivpflege, Formalitäten und Finanzierungen und Gespräche darüber, wer entscheidet, wann ein Leben enden darf. Die freien Wochenenden dienten ausschließlich der Ablenkung und der Erholung.

Es kann noch dauern, moderne Medizin ermöglicht ein Überleben, wo die Natur schon längst einen Schlussstrich gezogen hätte. Er lebt, aber er nimmt nicht mehr am Leben teil, erkennt uns nicht mehr, kann nicht mehr sprechen, sich nicht mehr selbst aufrichten.

Solange er lebt, können wir nicht um ihn trauern. Leben ständig in der Erwartung, dass der Anruf kommt. Aber das kann noch Wochen, Monate, vielleicht auch Jahre dauern. Es ist ausgeschlossen, dass er je wieder alleine atmen oder essen kann. Das Gehirn ist geschädigt.

Es tröstet uns zu wissen, dass er nicht leidet. Keine Schmerzen hat und keine Angst. Die PflegerInnen sind liebevoll und kompetent, die Atmosphäre im Heim ist ruhig und warm.

Jeder von uns muss einmal Abschied nehmen von den Eltern. Egal, wie wir zu ihnen standen, ist dies ein Prozess, der uns tief berührt. Daneben läuft das normale Leben weiter. Arbeiten, Einkaufen, Zeitung lesen, Freunde treffen, Geburtstage feiern. Es gab auch schöne Momente in diesem Sommer. Aber irgendwie blieb mein Kopf leer, konnte ich nicht wirklich in Worte fassen, was mich bewegt. Erst jetzt, ganz langsam, kehrt die Lust zu schreiben zurück.