Gedanken zum kommenden Jahr

Baruch de Spinoza:

„Sein, was wir sind,
und werden, was wir werden können,
das ist das Ziel unseres Lebens.“ 

 

Für das kommende Jahr habe ich keine der üblichen  guten Vorsätze gefasst.

Ich will auch kein besserer Mensch werden, sondern es mit Spinoza halten: ich will authentisch leben, die sein, die ich bin. Das hört sich ziemlich einfach an, ist es aber nicht für jeden Menschen.

Um die zu sein, die ich bin, muss ich  zunächst einmal erkennen, wer ich bin.

Lange hielt ich mich für einen besonders netten Menschen, bis ich erkannte, dass meine Nettigkeit auf Harmoniesucht und meinem Bedürfnis, von möglichst jedem gemocht zu werden, beruhte. Ich ordnete meinen Willen und meine Bedürfnisse denen anderer unter, tat stets, was man von mir erwartete und machte niemanden Probleme. Dahinter stand aber keine Selbstlosigkeit, sondern ein Mangel an Selbstwert verbunden mit einer gehörige Portion Angst vor Ablehnung. Es ging mir nicht um den anderen, sondern um mich, darum, wie ich vor mir selbst und anderen dastand.  Nachdem ich dies erkannt hatte, lehnte ich mich selbst dafür ab. Ich empfand mich als charakterschwach und rückgratlos und war böse mit meinen Eltern und Großeltern, weil ich meinte, sie hätten mir mehr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl mitgeben sollen.  Ich versuchte mich zu ändern und scheiterte immer wieder. Ich kämpfte gegen mich selbst, bis ich  an den Punkt kam, zu erkennen, dass ich nun mal einfach so bin.  Und ganz ehrlich, was ist schlimm daran, sich Harmonie zu wünschen und Streit zu vermeiden? Ist es nicht allzu menschlich, bedürftig zu sein und Anerkennung zu suchen? Nachdem ich mich endlich mit dieser Eigenart annehmen konnte, verblasste diese immer mehr. Ich denke, ich bin meistens immer noch ein netter und freundlicher Mensch, aber ich tue selten etwas, weil ich mich nicht traue, „ich selbst zu sein“. Wenn ich mich tatsächlich mal verbiege, und etwas tue, um z. B. die Anerkennung meiner Chefin zu erhalten, dann bin ich mir bewusst, was ich da mache und nehme es mir nicht mehr übel.

Bei dem „Sein, was wir sind“, geht es sicherlich nicht nicht nur um unsere Charaktereigenschaften,  sondern auch um unsere ganz alltäglichen Fähigkeiten, Talente und Eigenschaften. Darum, wie wir die Dinge tun und wie wir die Welt sehen.

Auch hier passiert es mir manchmal, dass ich mir wünsche, jemand „Besseres“ zu sein. So dachte ich lange, ich sei überhaupt nicht kreativ. Lange habe ich das bedauert, denn ich wäre gern ein Künstler gewesen. Heute weiß ich, dass ich durchaus ein kreativer Mensch bin, aber eben nicht im intuitiven, phantasievollem oder künstlerischem Sinne, sondern als jemand, der schnell pragmatische Lösungen finden kann, sehr schnell Strukturen entwickelt  und in Windeseile Ablaufpläne oder Gliederungen erstellen kann, immer  bezogen auf ein reales Projekt. Ich bewundere Menschen, die Traumwelten erschaffen, aber das bin nicht ich. Im Laufe der Jahre habe ich aber erkannt, was ich mit meinen Fähigkeiten, z. B. auf der Arbeit erreichen kann, nutze sie so oft ich kann und entwickle sie dadurch immer weiter. Gestern hatte ich auch meine erste Malstunde bei einer Künstlerin in der Nähe, denn ich habe die Freude am Malen wiederentdeckt. Sicherlich werde ich keine Georgia o“Keeffe, aber es macht einfach Spaß mit Pinseln und Farbe zu arbeiten. Meine Bilder spiegeln eben meine Fähigkeiten wider.

Es geht also darum, das, was wir können, was uns liegt und was wir mögen,  zu erkennen und anzunehmen und so zu leben, wie es unserem Wesen entspricht. Das bedeutet, aufzuhören  gegen unsere vermeintlichen Schwächen zu kämpfen oder danach zu streben,  jemand  Besseres zu werden. Statt dessen können wir lernen,  uns mit unseren Stärken, Schwächen, Talenten, Fähigkeiten und Eigenschaften  anzunehmen und uns so wie wir sind als gut genug zu empfinden.

Wenn uns das gelungen ist, dann werden wir, so glaube ich, von ganz allein zu dem, was wir werden können.

So wie ich Spinoza verstehe, ist dies ein Prozess oder eine Aufgabe, die uns lebenslang begleitet. Denn fertig sind wir Menschen nie, befinden wir uns doch lebenslang in einem Entwicklungsprozess.

In diesem Sinne besteht mein Ziel für das nächste Jahr darin, nach meinen besten Kräften zu leben,  meine Talente, Fähigkeiten und Eigenschaften zu nutzen und mich weiter zu entwickeln.

Ich wünsche Euch allen ein gutes Neues Jahr!

Weihnachtsvorbereitungen

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Der letzte Arbeitstag ist überstanden, die Weihnachtsfeier mit unseren Klienten gut gelaufen, der letzte Bericht ist versandt und nun besinne ich mich ganz und gar auf die Ferien, die vor mir liegen.

Die Urlaubstage zwischen Weihnachten und dem ersten Montag im neuen Jahr liebe ich mehr als alle anderen. Sie beginnen mit einer gewissen Hektik:  die Gästezimmer müssen vorbereitet, das Haus geputzt, eine lange Einkaufsliste abgearbeitet, Geschenke eingepackt werden. Der Weihnachtsbaum muss geschmückt und das Festessen vorgekocht werden. Ich liebe es! Wirklich, denn während ich all das erledige, natürlich von meinem Partner unterstützt, freue ich mich auf die Weihnachtstage.

Vor einigen Jahren habe ich beschlossen, keine besonderen Erwartungen an das Fest zu stellen. Es  als eine Zeit zu sehen, in der wir es uns einfach nur schön machen und gemeinsam gut essen, trinken, entspannen. Es gibt jedes Jahr das gleiche Essen, auf das sich alle freuen, wir werden im ganzen Haus Kerzen brennen haben, gute Musik hören, einen feinen Wein trinken, über nichts Besonderes reden, Geschenke auspacken und uns einfach nur freuen, dass es uns so gut geht und wir zusammen sind. Drei Tage muss niemand zur Arbeit, muss nichts eingekauft oder erledigt werden,  wir haben einfach nur viel Zeit. Am 1. Weihnachtstag kommen dann noch Bruder, Nichte, Neffe, Onkel und Tante dazu. Es ist erlaubt, sich zurückzuziehen,  Fernsehen zu gucken oder über Facebook mit dem Rest der Welt zu kommunizieren. Niemand soll sich anstrengen müssen, irgendwelchen Erwartungen (die ja meist eh nur im eigenen Kopf sind) zu entsprechen. Deshalb gibt es ein Büffet, so dass jeder essen kann, wann  und was er will. Es gibt keine Festtafel, sondern jeder kann dort sitzen, wo er mag.

Tatsächlich genieße ich Weihnachten aus vollem Herzen, seit ich aufgehört habe, etwas Besonderes davon zu erwarten. Ich gehe nicht mehr in die Kirche, um Weihnachtsstimmung zu erzeugen, aber ich freue mich über all die Deko und die schönen Lichter, die die dunkle Jahreszeit erhellen.

Wenn dann am 2. Weihnachtstag alle wieder abgereist sind, beginnt die 2. Phase meiner Weihnachtsferien: ich lese und lese und lese, gucke kitschige Filme, mache lange Spaziergänge, schlafe soviel ich kann, und gehe in so eine Art Tiefenentspannung, kurz unterbrochen von Silvester. Es gibt nichts im Garten zu tun, das Haus glänzt noch vom vorweihnachtlichen Hausputz,  nichts ist so dringend, als das es nicht bis zum nächsten Jahr warten könnte. So bleibt mir nichts zu tun, als zu entspannen.

Und genau jetzt, wenn ich meinen Schreibtisch verlasse, beginne ich mit den Vorarbeiten für diese Ferientage:  heute steht der Lebensmittelgroßeinkauf und das Gästezimmer-im-Keller-herrichten auf dem Programm.