Ärzte, Waage, Metformin

Ich bin sauer, auf alles und jedes, vor allem aber auf meinen Arzt, meine Waage und dieses Medikament, dass ich seit 4 Wochen nehmen, Metformin.

Mein Hausarzt ist ein freundlicher, etwas rundlicher junger Mann, der seinen Beruf sehr ernst nimmt. Bislang bin ich alle zwei Jahre bei ihm aufgeschlagen, um den Gesundheitscheck machen zu lassen. Die letzten zwei Male zog dies diverse andere Arztbesuche nach sich. Mal überwies er mich zum Hautarzt, weil ein Muttermal ihm merkwürdig erschien, mal sollte ich einen Internisten aufsuchen, weil ich beim Abtasten des Bauches gezuckt hatte, und in meinem Alter, bei meinem Gewicht und meiner Haarfarbe (blond, dank L’Oreal) die Wahrscheinlichkeit von Gallensteinen groß ist.

 

Mein Hausarzt ist sehr gründlich, und befragte mich auch eingehend nach Erkrankungen in der Familie, nach den Todesursachen meiner Großeltern und meinen Lebensgewohnheiten. Rückblickend ist mir klar, dass ich zu viel erzählt habe. Hätte ich nicht erwähnt, dass mein Großvater mit 67 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist, hätte er mich sicher nicht zur Dopplersonografie geschickt, weil er den Puls an meinem Knöchel nicht finden konnte. Und hätte ich nicht erwähnt, dass alle Tanten und Onkel mütterlicherseits Diabetes Typ II entwickelt haben und auch eine Neigung zu hohen Cholesterinwerten besteht, dann würde ich jetzt sicher nicht Metformin nehmen.

So aber überprüfte er meinen Blutzucker nicht nur einmal, sondern viele Male, ließ mich klebrig süßen Sirup trinken, war enttäuscht, dass mein Blutzuckerspiegel innerhalb von 2 Stunden auf deutlich unter 100 fiel und erleichtert, als er feststellte, dass die Langzeitzuckerwerte die Toleranzgrenze um 0,1 Punkte überstiegen. Endlich was gefunden! Und dann noch diese hohen Blutfettwerte von über 300. Da halfen auch meine Argumente nicht mehr, dass wir grade 3 Wochen Besuch mit Grillen, Eisessen, Wein trinken und anderen ungesunden Wonnen genossen hatten. Erklärte ihm, dass ich meinen dicken Bauch auf zuviel Stress und Cortisol im Blut zurückführe. Dies konterte er mit der Bemerkung, dass er keinen verstärkten Haarwuchs an mir feststellen könne und ließ dabei meinen  Hinweis, dass ich mir täglich die Borsten am Kinn auszupfe, nicht gelten. Nein, er redete mir ins Gewissen, sprach von all den Folgeschäden, überzeugte mich nicht wirklich, bis er den Zaubersatz sprach: „Das Metformin wird Ihnen helfen, ihr Gewicht zu reduzieren“. Noch ein bisschen Recherche im Internet und ich entschied, dass ich diesem Medikament eine Chance geben werde.

Nach der ersten Woche der Einnahme stieg ich auf die Waage, und, oh Wunder!, sie zeigte 1,5 Kilo weniger!! Das versöhnte mit mit den Flatulenzen, an denen ich seit Einnahme jenes Medikaments leide, und brav wie ich bin, verzichtete ich weiterhin auf jegliche Form von Alkohol, wählte meine Speisen sorgfältig aus, vermied Zucker, tierische Fette und Weißmehl.

In der zweiten Woche verlor ich weitere 300 Gramm, doch dann kam dieser Morgen. Heute. Erwartungsfroh stieg ich auf meine Waage und erwartete meine Belohnung. Belohnung? Denkste!  100 g mehr als zu Beginn der Metformineinnahme, eine Gewichtszunahme von fast 2 kg. Ob ich wohl gefrustet bin?

Während des morgendlichen Staus hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich frage mich, ob mein Arzt mir meine Prädiabetes nicht nur aufschwatzt. Sicherlich bin ich gefährdet und hohe Blutfettwerte sind nicht gut. Das sehe ich ein. Ich bewege mich zu wenig und esse zu viel.

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich  bis zu meinen letzten Arztbesuchen  trotz kaputter Hüfte und Übergewicht recht wohl und gesund. Nun guckt mir bei jedem Bissen, den ich zu mir nehme noch ein „innerer Arzt“ über die Schulter, der alles, was ich esse kommentiert und nach dem gesundheitlichen Wert beurteilt. Nicht nur danach fragt, ob es viele Kalorien enthält, sondern mich auch darauf hinweist, dass dieses Nahrungsmittel gesättigte Fettsäuren enthält und jenes Nahrungsmittel zu wenig Ballaststoffe und zu viele einfache Kohlenhydrate hat.

Nun kreisen meine Gedanken nicht nur ums Gewicht, sondern auch um alle möglichen schrecklichen Konsequenzen falscher Ernährung. Ich soll in ein Disease Management Programm – muss ich mich jetzt als chronisch kranker Mensch sehen? Wegen geringfügig erhöhter Blutzuckerwerte am Morgen? Ist dieses Metformin wirklich gut für mich oder mute ich meinem Körper etwas zu, das er eigentlich gar nicht braucht? Sind meine Blutfettwerte wirklich so schlecht, obwohl ich mehrmals in der Woche Fisch esse und Nüsse und ganz viel Olivenöl verwende? Ganz viel Obst und Gemüse esse?

Ich bin verwirrt, verunsichert, frustriert. Während ich mich heute morgen mit tausenden von Pendlern die Autobahn entlang schob, fasste ich den Entschluss,  Metformin  und gesunder Ernährung drei Monate lang eine Chance zu geben. Wenn es mir dann deutlich besser geht, mache ich weiter, wenn nicht…. weiß ich nicht. Warum bin ich überhaupt zum Arzt gegangen, wenn ich mich doch eigentlich ganz gut fühlte?

 

Alte Bekannte: Frau Mandel und Frau Pelle

Vor einigen Monaten habe ich über meine beiden Mitarbeiterinnen, Frau Mandel und Frau Pelle geschrieben. Nun haben beide ihre Probezeit überstanden und sind gut eingearbeitet.

Frau Pelle brachte mich in den ersten Wochen oft innerlich zur Weißglut, hatte sie doch auf  jeden Hinweis und jede Kritik von mir ein „Ja, aber ….“ bereit. Es fiel ihr schwer zu akzeptieren, dass unsere Arbeit komplex ist und dass ein jeder eine gewisse Zeit braucht, um auch die Feinheiten unserer Tätigkeit zu beherrschen. Sie wollte alles richtig und perfekt machen. Mittlerweile haben wir uns zusammen gerauft und sie entwickelt sich prächtig.

Frau Mandel hingegen zeigte sich stets kooperativ und einsichtig. Trotzdem ärgere ich mich zunehmend über sie. Sie weiß, wie man Sympathien gewinnt, und das nutzt sie für sich. Mittlerweile ist sie in der Firma, insbesondere bei den männlichen Mitarbeitern, sehr gut vernetzt. Unglücklicherweise vergisst sie darüber ihre eigenen Klienten. Für die hat sie nämlich immer weniger Zeit, weil sie ständig für Kollegen aus anderen Abteilungen einen kleinen Gefallen zu erledigen hat. Mal ein Gutachten erstellen, weil deren Psychologin grad so viel zu tun hat, mal ein Einzelcoaching für jemanden, der dafür eigentlich gar nicht vorgesehen ist.

Es gelingt Frau Mandel nicht, eine Beziehung zu ihren Klienten herzustellen, wenn sie über diese spricht, dann mit sind ihre Aussagen zwar richtig, bleiben aber an der Oberfläche. Sie geht nicht in die Tiefe, sie stellt fest, aber sie zieht keine Schlussfolgerungen. Statt dessen wendet sie sich dem nächsten zu, weil sie das auch soooo interessant findet. Sie hält alle Arbeitsschritte ein, sie arbeitet zügig und viel, aber sie vermittelt nie den Eindruck, dass ihr die Arbeit mit diesen gesundheitlich doch schwer eingeschränkten Menschen, am Herzen liegt.

Unsere Mitarbeiter haben viele Freiräume und unsere Abteilungen arbeiten eng zusammen. Und Frau Mandel erkennt nicht, wo ihr Platz ist, trotz mehrerer Mitarbeitergespräche, in der ich meine Beobachtungen und Bedenken geäußert habe.  Die (männlichen) Kollegen aus den anderen Abteilungen verniedlichen das Problem („das war doch nur eine Stunde…“)

Natürlich frage ich mich, was ihre Motive sind. Sie möchte gemocht werden, das ist klar, und sie baut dabei auf ihre großen Augen und ihr hübsches Gesicht. Sie möchte sich jedoch auch in der Firma etablieren und unentbehrlich machen. Unglücklicherweise erhält sie von den männlichen Mitarbeitern viel Unterstützung, denn die freuen sich natürlich, dass da jemand ist, der schnell mal etwas für sie tut und dabei noch hübsch aussieht. Ich habe noch nicht erlebt, dass sie unseren bärtigen, männlichen Psychologen um Unterstützung bitten. Merkwürdigerweise trauen ihr die männlichen Kollegen sehr viel mehr zu als ich, allerdings arbeiten besagte Kollegen auch nicht mit psychisch Erkrankten, sondern mit Unfallverletzten und Langzeitarbeitslosen und finden die Klienten, die wir betreuen, ohnehin eher gewöhnungsbedürftig.

Die Kollegen, die sehr eng mit Frau Mandel zusammen arbeiten und immer häufiger Dinge auffangen müssen, die sie vernachlässigt hat, grenzen Frau Mandel zunehmend aus. In den Teamsitzungen muss ich sie auffordern, mit ihr zusammen zu arbeiten, niemand kommt mehr auf die Idee, ihr Hilfe oder die Zusammenarbeit anzubieten. Frau Mandel nimmt dies nicht wahr oder es berührt sie nicht sonderlich, denn schließlich hat sie mittlerweile genug Kontakte im Haus, wo sie sich Anerkennung und Bauchpinselei holen kann.

Ganz ehrlich, ich hoffe, dass bald eine Stelle in einem anderen Bereich frei wird, und ich Frau Mandel dafür wärmstens empfehlen kann.

Bitte denkt nicht, dass ich auf ihre Jugend und ihr Aussehen neidisch bin. Frau Pelle ist genauso jung und genauso hübsch, aber sie ist ernsthaft und gibt sich große Mühe, alle Aspekte der Tätigkeit zu erlernen. Das Projekt, in dem Frau Mandel arbeitet, liegt mir besonders am Herzen, denn dort betreuen wir Menschen, denen niemand mehr zugetraut hat, noch einmal in ihrem Leben zu arbeiten. Ich habe den Bereich aufgebaut und stecke in jedem Detail und das Team hat es tatsächlich geschafft, alle Klienten wieder in Lohn und Brot zu kriegen. Ich bin sehr stolz auf diese Arbeit und unterstütze mein Team, wo ich nur kann und ich möchte nicht, dass unsere gute Qualität durch die Flatterhaftigkeit einer Therapeutin untergraben wird.

Meine Glücksliste

Vor einiger Zeit bin ich ja dem Tipp eins Artikels zum Thema ‚Glück‘  gefolgt, und habe mir eine Liste mit 30 Dingen, die mir ein Glücksgefühl geben, erstellt. Ehrlich gesagt, war das gar nicht so einfach, denn viele dieser kleinen Momente sind flüchtig und schnell wieder vergessen. Seit ich aber mit dieser Liste angefangen habe, fallen mir immer mehr Dinge, die mich glücklich stimmen ein bzw. auf.

Hier sind weitere 5 Glücksauslöser:

  • Mein Hund: ich liebe es, ihr beim Laufen zuzusehen. Sie ist blitzschnell und geschmeidig und sie liebt es, Bällen und Stöckchen hinterher zu jagen. Ihr beim Spielen mit anderen Hunden zuzusehen, macht einfach nur Spaß, ganz zu schweigen von ihrer liebevollen, übermütigen Begrüßung jeden Abend, wenn ich von der Arbeit komme.
  • Lernen: ja, ich bin ein Streber. Ich lerne gern. Ich mache Online-Kurse bei Coursera (https://www.coursera.org/), die ich jedem, der Englisch oder Spanisch spricht, nur empfehlen kann. Die Kurse sind übrigens kostenfrei. Ich entdecke hier wieder die Freude an Themen, die ich schon früher mochte: Kunst, Literatur, Geschichte. Es macht mich glücklich, etwas Neues zu lernen, Ideen kennen zu lernen, den  Blickwinkel zu verändern.
  • Für viele Leute kochen: das kann zwar anstrengend werden, aber ich liebe es trotzdem. Tagelang über Kochbücher sitzen, Menüs oder ein Buffet zusammenstellen, die Abläufe planen, einkaufen, vorbereiten, den Tisch decken und dekorieren, dabei immer noch mal was verändern, die Panik, wenn etwas nicht gelingt, und dann endlich der Anblick des Tisches und der Speisen. Während des ganzen Prozesses beflügelt mich die Vorfreude auf das Ereignis, darauf, meine Freunde und Familie so richtig verwöhnen zu können.
  • Abfahrten: ich liebe den Moment, in dem eine Reise beginnt. Ob ich mit dem Auto unseren Ort verlasse und Richtung Süden oder Norden fahre, ob ich im Zug sitze, wenn dieser grade den Hauptbahnhof verlässt oder im Flieger, wenn dieser aufs Rollfeld fährt, in diesem Moment fühle ich mich glücklich, egal, ob ich einen Tagesausflug oder eine lange Reise mache.  Der Alltag fällt in diesem Moment von mir ab, ich kann entspannen, ich weiß noch nicht, was auf mich zukommt, aber in diesem Moment ist es egal, ich bin zwischen zwei Welten.
  • Eine Umarmung: ist Euch einmal aufgefallen, wie gut eine Umarmung tut? Wie geborgen man sich fühlt, wie plötzlich die Spannung aus dem Körper geht? Ich liebe es, umarmt zu werden. Leider passiert das nicht so oft, wie ich es mir wünsche. Deshalb habe ich gelernt, es meinem Liebsten zu sagen, wenn ich mal  ganz dringend eine brauche und mittlerweile kommt er auch selbst, wenn ihm mal danach zumute ist. Und da mir Umarmungen so gut tun, verteile ich sie auch sehr gern an Kinder, Freunde und sonstige Umarmungsbedürftige.

Fortsetzung folgt.