Leben tut gut

„As long as I focused on what I wasn’t getting from life, I couldn’t think about what I could give, thereby closing myself off from life“

Übersetzt in etwa: „Solange ich meine Aufmerksamkeit nur auf das richtete, was ich vom Leben nicht bekam, konnte ich nicht darüber nachdenken, was ich geben könnte und schloss mich so vom Leben aus“

Diesen Satz habe ich irgendwann vor langer Zeit notiert und heute morgen beim Durchsehen alter Tagebücher zufällig wieder gefunden. Ich glaube, er stammt von einer ehemaligen Patientin, die ich während eines Auslandjahres kennen gelernt habe.

Dieser Satz  beinhaltet einen Schlüssel zur Lebenszufriedenheit.

Bis vor einigen Monaten hatte ich immer mal wieder mit richtig heftigen Stimmungsschwankungen zu tun. Wenn das Stimmungsbarometer unten war, habe ich mich in eine jammernde, selbstmitleidige Egozentrikerin verwandelt, deren Gedanken nur noch darum kreisten, wie ungerecht und schlecht sie doch vom Leben behandelt wird. Ein Wunder, dass meine Freundinnen, die sich meine Klagen anhören mussten, heute noch  mit mir sprechen.

Ich konnte all die guten Dinge um mich herum nicht mehr erkennen. Nur auf der Arbeit fühlte ich mich wohl, dort konnte ich mich selbst vergessen und das Elend meines eigenen Lebens verdrängen. Allerdings wurde ich auch da zum richtigen Stinkstiefel, denn ich entwickelte die latente Haltung, dass nur ich, und einzig ich, wüsste, wie die Abläufe zu sein haben, wie es richtig geht. Alle anderen waren unfähig in meinen Augen.

In diesen Phasen war ich, so denke ich heute, sehr nahe daran, eine fette Depression, oder Neudeutsch, einen Burn-out, zu entwickeln. Auf jeden Fall war ich vom Leben ausgeschlossen, denn nichts war gut genug, und  als Opfer wartete ich nur darauf, dass andere endlich für mein Lebensglück sorgen.

Der Spuk nahm ein Ende, nachdem ich unsere Stromrechnung erhielt. Ich bin fast ausgerastet. Nachzahlung, trotz Befolgen aller verfügbaren Tipps zum Stromsparen. Ich hab zum Telefonhörer gegriffen, die arme Frau im Callcenter wüst beschimpft, denn das könne ja wohl nur ein Fehler sein, und bin dann heulend zusammengebrochen. Habe den ganzen Abend und geheult und bin am nächsten Tag  zum Arzt marschiert und hab mich zwei Tage krank schreiben lassen.

Habe die zwei Tage genutzt, um tief in mich zu gehen und zu gucken, was da eigentlich mit mir geschieht. Bin spazieren gegangen, habe viel geschlafen, mein Tagebuch gelesen. Erschrak dabei über meine selbstzentrierte und arrogante Haltung.

Der kleine Zusammenbruch, der durch die Stromrechnung ausgelöst wurde, hat mir geholfen, wieder klar zu sehen. Damit das so bleibt, habe mir im Internet ein  Präparat mit Extrakten der Traubensilberkerze und Johanniskraut bestellt, das mir über meine hormonellen Stimmungsschwankungen gut hinweg hilft.

Ich habe aufgehört, nur um mich und all die Dinge, die nicht so sind, wie ich sie mir mal erträumt habe, zu kreisen. Statt dessen bin ich wieder in der Lage, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Mir ist wieder bewusst, dass ich nur ein Teil eines Ganzen bin und das der Stau am Morgen sich nicht gegen mich persönlich richtet. Ich bin wieder aktiv und richte meine Gedanken wieder darauf, welchen Beitrag ich dazu leisten kann, dass das Leben für alle, einschließlich meiner selbst, gut ist. Statt die vermeintliche Unfähigkeit meiner Mitarbeiter zu bemängeln, lobe ich ihre guten Leistungen und überlege, was ich tun kann, um sie zu fördern und den drei Neuen, die wir haben, das „Handwerk“ beizubringen.

Ich mache Pläne, wie ich unser Haus in eine Wohlfühloase verwandeln kann, statt mich über das öde Leben in der Provinz zu beklagen und ich rufe meine Freundin an, um sie zu fragen, wie es ihr geht und was aus diesem oder jenem geworden ist, statt auf ihren Anruf zu warten und ihr dann die Ohren vollzujammern.

Und das Leben macht so wieder Spaß. Ich bin wieder aktiv. Ich agiere statt zu reagieren. Ich sehe wieder die vielen positiven Dinge in meinem Leben und freue mich über sie.

Der Trick besteht darin, nicht dem hinterher zu trauern, was wir nicht haben, sondern zu schauen, was wir aus dem, was wir haben, machen können.

Und das war jetzt die Predigt zum Montag 🙂

Schokolade im Büro

Gestern bin ich der Schokoladenschüssel erlegen. Sie stand im leeren Konferenzraum auf dem Tisch. Eine Glasschüssel. In ihr glitzerten und leuchteten die bunten Papierchen einer bekannten Schokoladenpraline. Voll bis zum Rand war sie, die Schüssel.

Ich erblickte sie, als ich auf dem Weg zum Kopierer an der offenen Tür des Konferenzraums vorbeiging. Ignorierte sie.

Ignorierte sie auch auf dem Rückweg zum Büro. Saß wieder am Schreibtisch.  Draußen war es grau und trüb, der Theaterabend mit meiner Mutter drohte. Am Vormittag war ich bei meiner Vorgesetzten gewesen und hatte von meinem Fehler, dem erbosten Kostenträger  und der klagefreudigen Patientin berichtet, Asche auf mein Haupt geschüttet. Erleichterung wollte sich nicht einstellen.  Immer noch grummelte es in mir, dass ich mich bei der Beratung auf die Aussagen der Patientin verlassen und die Berichte nur überflogen hatte. Ein Anfängerfehler!

Egal, die Monatsplanung stand an und musste erledigt werden. Während ich mich mit allen Kräften bemühte,  dieser Aufgabe gerecht  zu werden, begann mein Gehirn mir drohenden Kohlehydratmangel zu signalisieren. Blitzartig erschienen bunte Schokopralinen vor meinem inneren Auge. Ich drängte das Bild beiseite. Mein Gehirn rächte sich mit Leere im Kopf und erhöhter Fehlerquote bei der Aufgabe. „Nur ein einziges winzig kleines Stückchen, 60 Kalorien, und dafür geht es Dir besser“, suggerierte mir mein dickes Ich. Und fand ich mich im Konferenzraum wieder, mit diesem einzigen Stück Schokolade in der Hand.  Schon auf dem Weg im Büro landete es auf meiner Zunge und verströmte sein süßes Gift. Wohlbefinden breitete sich in mir aus.

Mit neuem Schwung ging ich an meine Aufgabe. Doch keine 5 Minuten später stand ich wieder im Konferenzraum. Griff in die Schüssel und füllte mir die Taschen. Kam wieder am Schreibtisch an und schwelgte in Nougat, Praliné und Marzipan.

Schlechtes Gewissen? Nö!!!

9 Tage hatten Vernunft und Selbstdisziplin  die Oberhand, da hab ich mir diesen Ausrutscher wohl verdient, oder?

 

10 Dinge, an denen ich merke, dass ich tatsächlich älter werde

  • Ich höre immer häufiger den Oldiesender im Radio und bin ganz erstaunt, da Lieder zu hören, die ich bishlang immer für aktuell hielt.
  • Mindestens vier meiner Mitarbeiter könnten meine Söhne oder Töchter sein.
  • Ich lege großen Wert darauf, rechtzeitig ins Bett zu kommen, damit ich morgens ausgeschlafen bin.
  • Meine Freundin und ich reden darüber, dass wir uns Enkelkinder wünschen
  • Beim letzten Empfang habe ich mich mit meiner Tischnachbarin ausführlich über Arthrose und sonstige Wehwehchen unterhalten.
  • Ich bevorzuge neuerdings Schuhe mit flachem oder mittleren Absatz.
  • Ich überlege, ob ich mir einen praktischen Kurzhaarschnitt zulege.
  • Ohne meine Lesebrille bin ich hilflos.
  • Ich begleite meine Mutter regelmäßig ins plattdeutsche Theater
  • Die Verkäuferin in der Parfümerie hat mir eine Pflegeserie für reife Haut und ein Mittel gegen schütter werdendes Haar empfohlen.